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Perfekte Spielwiese

Bisher musste Fabienne Schaus fürs Techniktraining ins Ausland. Der neu eingeweihte Bike Park in Cessingen ist (nicht nur) für sie Weihnachten und Ostern zugleich.

Fotos: Goerges Noesen (5), Fabrizio Pizzolante (Editpress)

Sie schießt durch eine Folge enger Anliegerkurven, pfeilschnell, (aero-)dynamisch tief über ihrem edlen Mountainbike liegend. Die Federelemente, sowie ihre durchtrainierten Beine und Arme federn alle Schläge ab. Fabienne Schaus beschleunigt noch einmal kurz und hebt – weiterhin langgestreckt – scheinbar schwerelos ab. Sie fliegt über das Table und verschwindet im vorderen Teil der Strecke. „Dat heiten ass zwar net esou schwéier wéi ee World Cup. Awer dëse Bikepark huet all Elementer, fir gezielt un der Technik ze schaffen. Ech sinn dofir soss ëmmer an‘t Belscht gefuer“, urteilt die COSL-Elitesportlerin.

Der Mountainbike-Sport ist, allerdings weniger als der Bahnradsport, ein Stiefkind im luxemburgischen Radsport. Zwar fahren an jedem Wochenende hunderte Freizeitsportler bei den Randonnées mit, auch finden sich immer wieder Luxemburger auf den Meldelisten der großen Marathons, doch die olympische Disziplin der rund anderthalbstündigen Cross-Country-Rennen wurde erst 2013 mit eigenen Meisterschaften wiederbelebt. Seither richtet der Broucher Verein den einzigen nationalen Wettkampf mit insgesamt nur wenigen Dutzend Teilnehmern aus. Die letzten beide Jahre musste sich Landesmeisterin Fabienne Schaus gegen gerade einmal eine Konkurrentin behaupten.

„Ech war baff, wéi grouss dat heite ginn ass.“ Fabienne Schaus

„Natierlech wier ët méi schéin, op d‘mannst de Podium voll ze kréien. Ma Lëtzebuerg ass eben ee kléngt Land, a wann ee ronderëm kuckt, da gesäit een, datt och an Däitschland oder Holland just 10, 12 Fuerer ageschriwwe sinn. Déi aussergewéinlech Ambiance vun engem World Cup kann een national onméiglech reproduzéieren“, relativiert die 33-Jährige. Sie schwärmt von ihrem einzigen World Cup in dieser Saison, auf der WM-Strecke des nächsten Jahres in der Schweiz. Mit einer langwierigen Verletzung zum Saisoneinstieg und vielen Wochenendschichten konnte die Justizbeamtin dieses Jahr nicht ihr gewünschtes Rennprogramm absolvieren. Ohne Worldcup-Punkte musste sie von ganz hinten starten, im Stau des ersten Downhills drei Minuten warten, stieg sogar vom Rad und ist deshalb zufrieden mit ihrem 54. Platz von 74 Starterinnen. Auch wenn sie nur um Sekunden nicht mehr in die letzte Runde durchstarten durfte.

Anfang des Monats konnte sie die Arbeitsstelle wechseln und so glaubt die Goldmedaillengewinnerin der letzten JPEE, dass 2018 mit mehr Worldcup-Einsätzen und der fest anvisierten EM und WM alles besser wird. Ein entscheidendes Puzzleteil könnte dabei in Cessingen liegen: „Ech wärt ee bis zwée mol d‘Woch hei sinn fir ënnert anerem d‘Sprongtechnik ze trainéieren, dat ass ee Schwachpunkt vu mir a geet soss néierens am Land.“ Gerade im Winter musste sie nach der Arbeit ihr Grundlagentraining im Dunkeln auf der Straße absolvieren. Der Bikepark hat hingegen eine Flutlichtanlage, so dass die Geländesportler erstmals das ganze Jahr über bestens trainieren können. „Ech war baff, wéi grouss dat heite ginn ass. Du kanns dech hei richteg midd maachen“, zeigt sich Fabienne Schaus begeistert. Für die nötige Wettkampfform will sie die Strecke auch für ein gezieltes Intervalltraining mit verschiedenen Technikelementen und -passagen nutzen. Neben den vielen Sprunghügeln und den drei unterschiedlich schwierigen, spektakulären Drops schlängeln sich ebenfalls einige schmale Wege mit tückischen Stein- und/oder Baumhindernissen über die Strecke.

Für den Mountainbikesport könnte die Strecke jedenfalls die dringend benötigte Frischzellenkur sein. Der frühere Verantwortliche des hauptstädtischen Service des Sports Romain Engels hat das Projekt mit koordiniert und erklärt: „Grad fir déi Jonk ass dat heite super. Hei kënne sie ouni d‘Gefor vun der Strooss léieren, richteg gutt Vëlo ze fueren.“ Eine Fähigkeit, die laut Jempy Drucker leider auch immer mehr Straßenfahrer missen lassen. Von klein auf würden einige nur noch lernen, möglichst lange möglichst hohe Wattzahlen zu treten. Diese Kritik gilt sicher nicht dem SaF Zéisseng: Der lokale Club hat in den letzten Jahren unter anderem Christine Majerus und die große Nachwuchshoffnung Anne-Sophie Harsch hervorgebracht. Gerade an der vielseitige Sportlerin des Jahres, dreifachen Goldmedaillengewinnerin mit dem MTB und auf der Straße bei den luxemburgischen JPEE 2013, sowie Siebte der diesjährigen Cyclocross-WM in Bieles zeigt sich, wie wichtig eine gute technische Basis ist. Für den Zéissenger Nachwuchs sind jedenfalls bereits die ersten Lehrgänge im Bikepark geplant.

„Bis elo gouf de MTB virun allem am Wanter als alternativen Training genotzt“, beklagt Fabienne Schaus und hofft: „Och déi Kléng kréie vill um MTB bäi bruecht, a ginn iergendwann op d‘Strooss orientéiert. Ma vleit kréien heimatter méi Läit Loscht op MTB.“ Verstärkung könnte gerade die zierliche Leistungssportlerin gut gebrauchen. „Esou ganz hunn ech mäin Dram vun Tokyo 2020 net ofgehaakt“, verrät sie lachend, „ma vleit kënnt de Rendezvous fir Verstäerkung ze séier. Ech hunn dräi Joer gebraucht, bis ech fit fir d‘World Coupe war. Ech mech un den héighen techneschen Niveau, d‘Strecken, de Courserhythmus gewinnt a meng optimal Preparatioun kannt hunn.“ Bisher konnte sie sich noch jedes Jahr einen Zacken verbessern und ist persönlich zuversichtlich, es von ihrer Top 100 Platzierung in der Weltrangliste vielleicht sogar bis in die Top 15 des Weltcups zu schaffen, um so richtig vorne mitzufahren. Für den Traum von den Olympischen Spielen reicht eine gute persönliche Leistung aber möglicherweise nicht, wie Christian Helmig vor Rio de Janeiro schmerzlich erfahren musste. Auch wenn bei den kleinen Nationen nachher nur ein Fahrer mitdarf, so gelten für das entscheidende Nationenranking dennoch die Resultate der drei besten Fahrer.

Infos

– Bike Park Boy Kohnen in Cessingen mit Pumptrack, BMX, Northshore, Enduro, Freeride
Öffnungszeiten: jeden Tag von 10-21 Uhr
– Kinder von 6-12 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen
– Helmpflicht für alle
– Benutzung gratis

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Chrëscht Beneké

Journalist

Ressort: Sport

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Author: Philippe Reuter

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