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Raumschiff ahoi – BMW 2er Gran Tourer

Im Jahre 1964 verbrachte Alfred Hitchcock seinen Urlaub im 3.000 Jahre alten Zadar in Kroatien und erlebte den „schönsten Sonnenuntergang seines Lebens“. Dem wollten die BMW-Bayern in nichts nachstehen und organisierten hier den schönsten Sonnenaufgang in Form eines ganz neuen Autos, dem 2er Gran Tourer, einer gestreckten Version des 2er Active Tourer.

Fotos: BMW

Bis zur A-Säule sind beide Fahrzeuge identisch, dann geht es in die Verlängerung. Wir fuhren den neuen polyvalenten Familienvan (MPV) durchs wunderschöne Kroatien, mit Ausgangspunkt Zadar, das die Veneter 1409 dem König von Neapel für 100.000 Dukaten abkauften, um dann drei Jahrhunderte zu bleiben. Es folgten die Habsburger, Napoleon und die Bayern. Zwischendurch büffelte auch Winnetou mal kurz durch den im Hinterland gelegenen Paklenica Nationalpark, der gerade deswegen zum Wallfahrtsort für deutsche Touristen wurde. Der Gran Tourer ist im Vergleich mit dem Active Tourer 21,4 cm länger und 5,2 cm höher, sein Radstand wuchs um 11 cm. Die Serienausstattung blieb die gleiche, hinzu kam eine dritte optionale Sitzreihe, zum Mehrpreis von 1.350 bis 1.550 Euro, je nach Motorisierung. Verkaufsstart ist der 6. Juni, ab 28.500 € (218i) ist er zu haben. Es gibt den Active Tourer erst einmal mit zwei Benzinern von 136 bis 192 PS und drei Dieselaggregaten, von 116 bis 190 PS und 270 bis 400 Newtonmeter Drehmoment. Die machen aus dem Van eine äußerst agile Angelegenheit. Neu sind das so genannte „Travel & Comfort“-System mit zwischen den Kopfstützen logierenden Haken und Haltern für Tablets, Kleiderbügel und dergleichen, Bi-LED-Scheinwerfer und eine viel gepriesene Kidio-App fürs Connected Drive, die allerdings in Luxemburg nicht erhältlich ist, folglich werden wir uns ihr bezüglich in Schweigen hüllen.

Technische Daten: 220d xDrive Gran Tourer

ab 36.600 Euro
128-133g CO2 pro km
4,9-5,1 l pro 100 km

1.995 cm3
140 kW/190 PS @ 4.000 U/min
400 Nm @ 1.750-2.500 U/min
7,6 s 0-100 km/h
218 km/h

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BMW-2er-(14)

Wir fuhren den 220d xDrive mit 190 PS sowie den Zweiliter-Benziner (220i) mit 192 PS. Beim Diesel sahen wir uns mit einem dreifarbigen Interieur in Beige, Schwarz, Hochglanzlack mit Holz und Alu, das war des Guten ein bisschen zu viel. „Le goût et les couleurs…“ Die Ablage über der Klimaanlage ist praktisch, das Infotainment hinlänglich bekannt. Nach 70 Kilometer zeigte die Verbrauchsanzeige einen Durchschnitt von 7,0 l/100 km. Das Handschuhfach ist ziemlich klein, der Platz in der zweiten Reihe dagegen sehr üppig. Die dritte Reihe ist Kindern vorbehalten, schon alleine weil der Einstieg etwas Gelenkigkeit voraussetzt. Zwar wurde der Wagen mit reichlich viel Tamtam als gänzlich neues Segment angekündigt, und zwar als „erster Siebensitzer im Prämiumsegment“, aber darauf sollte man nicht allzu viel geben.

Der horizontale Hebel für die Fahrmodi liegt etwas verloren vor dem Gangschalter, Letzterer – der mittlerweile fast legendäre 8-Gang-Automat von ZF – ist wie zu erwarten tadellos gut. Die Rücksitze katapultieren blitzschnell nach vorne und man muss schon beide Hände frei haben, um sie wieder aufzurichten, aber ansonsten ist das Interieur gut durchdacht und voller kleiner Überraschungen in Sachen Staufächer und Modularität. Die mittlere Armlehne lässt sich stufenlos anwinkeln, unter ihr befindet sich ein tiefes asymmetrisches Staufach mit AUX- und USB-Anschluss sowie Halter für zwei Getränkebehälter von 0,5 Liter Fassungsvermögen. Unter den Annehmlichkeiten bietet BMW auch seinen „Concierge Service“, über den man einen Termin in der Werkstatt machen oder die Frage nach dem nächstgelegenen Frisör stellen kann. Ein netter Herr oder eine nette Dame stellen dann die Weichen. Als Option gibt es auch einen abnehmbaren Fahrradträger, der im Kofferraum verstaut werden kann. Wieso der nicht unter dem massiven Heck mit der tiefen Ladekante einfach – wie bei Opel – verschwindet? Damit er im Winter nicht vom Salz aufgefressen wird.

Pro / Contra

PRO

+ Exzellenter Automat von ZF
+ Fahrerorientiertes Cockpit
+ Gute Federung für Sport und Komfort
+ Angenehme Raumaufteilung
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Gut geräuschisoliert

Contra

Einstieg in die dritte Reihe
Position des Hebels für die Fahrmodi
Vorsicht vor den Rücksitzen!
Etwas zu flacher Navi-Bildschirm
Schildererkennung macht Fehler
Böse Aufpreisliste

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Weniger überraschend sind die BMW-typischen dynamischen Qualitäten, sowohl Benziner wie auch Diesel hängen gut am Gas und sind sportlich-straff gefedert. Die dynamische Dämpferkontrolle kostet zirka 500 € Aufpreis, die Steptronic 150 € (im Verbund mit einem Paket) und die automatische Heckklappe 450 €. Leider ist das Head-up-Display nur über ein Untermenü einstellbar und das Cockpit zählt trotz „Erlebnisschalter“ unzählige Knöpfe. Es soll für Jung und Alt etwas dabei sein, die einen können dann am Mitteltunnel drehen, die anderen am Armaturenbrett drücken.

Die Fahreindrücke sind sehr überzeugend, die Aufpreisliste wie zu erwarten ebenso: Wer gut sitzen will, muss addieren können, denn bei den Sitzen gesellt sich schnell schon einmal die Memory-Funktion (950 €) zu den Sportsitzen vorne (490 €) und der Lordosestütze (280 €). Falls erwünscht, gibt es ein Panoramadach und Allradantrieb zu diesem rollenden Lademeister, dessen Ladevolumen sich von 645 via 805 auf maximal 1.905 Liter vergrößern lässt. Im Kofferraum befindet sich auch ein verstecktes Fach im Unterboden, das 100 Liter fasst. Im Juli sollen drei weitere Motorisierungen folgen.

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

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Author: Martine Decker

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