Reisen
Ein Symbol der Ewigkeit
18.01.2012, 11:50 –
Ein Urerlebnis: Wer als Zugereister mit Einheimischen den Fuji-san, Japans heiligen Berg, besteigt, wird diese Erfahrung nie vergessen.
Der Fuji-san nicht Fujiyama, wie oft fälschlich bezeichnet ist ein Vulkan auf der Hauptinsel Honshu, an klaren Tagen kann man den wunderschön geformten Kegel, dessen oberer Teil meist schneebepudert ist, sogar von der 120 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio aus bewundern. Er liegt dort, wo sich die Eurasische und die Pazifische Platte berühren und wird zu den aktiven Vulkanen gezählt, mit äußerst geringem Ausbruchsrisiko. Der Ursprung des Namens Fuji-san ist nicht bekannt, in der modernen japanischen Schreibweise steht „fu“ für „reich“, „ji“ für „Krieger“ und „san“ für „Berg“. Der Berg des reichen Kriegers ist Nationalsymbol im Land der aufgehenden Sonne. Seit er im Jahr 633 zum ersten Mal von einem Mönch bestiegen wurde, gilt er den Shintoisten als heilig. Auch heutige Japaner steigen zum Gipfel hinauf, um patriotische Andacht zu halten. An warmen Sommertagen um 3.000 Menschen pro Tag, obwohl die Tour eine gute Kondition voraussetzt. Selbst junge Japaner begehen einmal im Leben den Fuji, weil er, wie sie sagen, die Ewigkeit symbolisiert.
An klaren Tagen kann man den wunderschön geformten Kegel sogar von Tokio aus bewundern.
Doch vor dem Aufstieg liegt das Erlebnis perfekter japanischer Tourismus-Infrastruktur. Die Preußen Asiens wollen es den „gaijin-san“, ihren Gästen, gemütlich machen, damit sie sich in Ruhe auf den Gipfelsturm vorbereiten können. Dazu gehört, dass der Hakone-Nationalpark, auf dessen Fläche sich der Berg emporstemmt, mit künstlichen Orten besetzt wurde, dominiert von Hotellerie, Gastronomie und Souvenirgewerbe. In Sengokuhara steht adrett vor der Kulisse des Fuji und an einem See ein Zen-Schrein, 93 Stufen führen hinauf. Ein beliebtes Fotomotiv. Im shintoistischen Heiligtum schlagen viele kleine Holztafeln mit individuellen Gebeten, an Haken gehängt, im Wind sanft aneinander.
Fünf Messstationen für Radioaktivität sind im Nationalpark verteilt, nur wenn sie unbedenkliche Werte melden, finden die Gruppenaufstiege statt. Privat kann natürlich jeder machen, was er will. Aber nach 3/11, wie der Tag des Reaktorunglücks von Fukushima in Anlehnung an den Tag des Terrors in den USA genannt wird, sind selbst mutige Japaner vorsichtig geworden. Noch Wochen nach dem Unglück war der Fuji verwaist, der Hakone-Park eine Geisterlandschaft. Doch als der heiße Sommer mit mehr als 40 Grad über das Inselreich kam, suchten vor allem die geplagten Tokioter doch wieder die Kühle der Bergwelt auf.
Es war ein globetrottender Europäer, der deutsche Arzt Engelbert Kaempfer, der vor mehr als hundert Jahren die gesundheitliche Wirkung der heißen Quellen, die an vielen Stellen aus dem vulkanischen Gestein austreten, nachwies. Dafür hat man ihm ein Denkmal im Hauptort Miyanoshita gesetzt. Das Quellwasser lindert Gelenkschmerzen, heilt Hautkrankheiten und soll auch präventiv gut sein.
Am Tag des Aufstiegs ist es am frühen Morgen mit der Beschaulichkeit vorbei. Der Weg auf den heiligen Berg, der meist über die Nordflanke führt, ist kein Spaziergang. Feste Schuhe, warme Regenkleidung und ein belastbarer Kreislauf sind nötig, selbst im Hochsommer kann es am Krater sehr kalt sein. Die meisten Bergwanderer übernachten in einer der Hütten, man sollte sich frühzeitig einen Schlafplatz sichern. Mit Auto oder Bus geht es hinauf nach Go-gogome, der fünften Station des Aufstiegs auf 2.390 Meter. Der Fujinoma Trail startet zehn Meter höher und führt in sieben bis acht Stunden hinauf zum Gipfel, der Subashiri Trail gilt als noch etwas angenehmer. Man ist nicht allein, trifft vielmehr Hunderte auf dem Weg nach oben, viele mit ihrem „Bento“, dem japanischen Picknick-Paket. Die Route ist auch markiert von Stationen, an denen man zum Beispiel eine heiße Nudelsuppe oder Tofu in Sesam essen kann. Oberhalb der Vegetationszone wird es windiger. Ab der achten Station läuft man fast immer in der Kolonne, hier laufen mehrere Trails zusammen. Der Boden besteht aus lockerem Lavagestein, Rutschgefahr! Dazu ab und zu Stau, vor allem auf den letzten Metern zum Gipfel mit der Wetterstation. Und das mitten in der Nacht. Man steigt schließlich auf den Fuji, um den Sonnenaufgang mitzuerleben.
Man versteht auf einmal das japanische Sprichwort „Der Weise besteigt den Fuji ein Mal. Nur ein Dummer geht zwei Mal hinauf.“ Alles ist aber vergessen, wenn die Dämmerung zu flackern beginnt und die Sonne sich leuchtend und wärmend an den Himmel schiebt. Grandiose Tiefblicke sind möglich….
REISEINFOS
Anreise:
Mit Luxair nach Frankfurt, von dort weiter mit All Nippon Airways täglich nach Tokio, www.ana.co.jp
Beste Reisezeit für die Fuji-Besteigung:
Sommer und Frühherbst. Wandern im Nationalpark Hakone: März bis Oktober.
Unterkunft:
Fujiya Hotel, Miyanoshita, Tel. 0081/460-82 22 11, www.fujihakone.jp (Website auf Englisch), DZ um 190 Euro. Fuji-Hakone-Guesthouse, Sengokuhara, Tel. 0081/460-84 65 77, www.fujihakone.com, DZ mit Futons um 110 Euro. Beide Hotels stehen im Hakone-Nationalpark.
Auskunft:
Japanische Fremdenverkehrszentrale (JNTO), D-60311 Frankfurt, Kaiserstr. 11, Tel. 0049/69-203 53, www.jnto.de



Kommentare