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Ruf des Meeres

Das Ärmelkanalschwimmen hat eine lange Tradition. Die Luxemburgerin Paule Kremer will sich dieser Herausforderung stellen. revue hat sie bei ihren Vorbereitungen getroffen.

Fotos: Hervé Montaigu (Editpress), Privat-Archiv

Zurzeit betrachtet Paule Kremer Schwimmbecken öfters als ihre Freunde. Knapp vier Monate bevor sie den Ärmelkanal durchqueren will, gehört das tägliche Training für die 28-Jährige aus Walferdingen zur Routine: „Meine Hände sehen vom vielen Chlorwasser mitgenommen aus“, sagt sie. „Durch die ständige Belastung macht sich auch noch ein Eisenmangel bemerkbar.“

Die Schwimmerin trainiert zusammen mit ihrer Trainerin Monique Zepp vom Redinger Schwimmclub vor allem in Redingen und im Schwimmbecken am Campus Geesseknäppchen. Die Anzahl der Bahnen wird immer größer, dann geht es in zwei Wochen zum ersten Mal in den Stausee. Im Mai steht das erste Warmschwimmen mit anderen Schwimmern in Dover an, bis Paule letztendlich sechs Stunden im 16 Grad kalten Wasser frei schwimmen kann.

„Das kalte Wasser wird eine zusätzliche Belastung sein. Ich werde mich in Zukunft im Saunabereich immer länger in die kalten Becken setzen, um mich nach und nach an die Temperatur zu gewöhnen“, erklärt Kremer. Nur wer das schafft, darf an den Start der Strecke Dover-Calais gehen. Neoprenanzug und das Festhalten am Boot sind verboten. Die Schwimmer können sich dem Meer nur mit Ohrstöpseln, Badeanzug und Badekappe stellen. Doch wie kommt man überhaupt auf eine solche Idee?

Neoprenanzug und das Festhalten am Boot sind verboten.

Wie fast immer bei solchen Aktionen spielt die Liebe eine große Rolle. Auch in diesem Fall ist sie schuld. Paules Freund rief das „Plooschter Projet“ ins Leben und sie will ihm mit dieser Schwimmaktion unterstützen. Nachdem Kremer in Großbritannien studierte und schon immer von den Schwimmern im Ärmelkanal fasziniert war, einen Marathon absolvierte und auch im Triathlon ihre Grenzen austestete, entschied sich Paule an einem Staffelschwimmen im Ärmelkanal letzten Sommer teilzunehmen.

Sechs Schwimmer wechselten sich jede Stunde ab. Auch hier wurde das „Plooschter Projet“ dabei unterstützt. Es gibt sogar eine „Channel Swimming Association“, die den ganzen Werdegang und das Kanal-Schwimmen bis ins Detail organisiert und die Strecke im Boot mitfährt. Paule fand das Kraulen im Meer so toll, dass sie sich dazu entschloss, dieses Jahr die 30 bis 50 Kilometer alleine zu schwimmen – nur in Begleitung von einem Fischerboot.

Zwischen dem 29. Juli und dem 6. August soll es dann endlich so weit sein. Eine Woche wird Paule mit ihrer Crew in Dover wohnen und darauf warten, dass der Fischer ihr sagt, wann genau es ins Meer geht. Der Fischer, der gleichzeitig auch der Koordinator der Aktion ist, prüft das Wetter und die Strömung des Wassers, um dann am idealen Tag zu starten. „Ich hoffe nur, dass ich nicht im Dunkeln ankomme, ich will die Ankunft am Tag erleben, in der Nacht mit dem Schwimmen anzufangen und in den Tag hinein zu kraulen wäre meine Idealvorstellung“, stellt die Schwimmerin fest.

Nie alleine: Letztes Jahr schwamm Paule die Strecke in einer Staffel, begleitet von ihrem Team und einem Fischerboot. Auch Schiffe lassen sich immer wieder in ihrer Nähe blicken und kreuzen sogar ihre Route.

Das Ganze ist nicht ungefährlich, immer wieder kommt es vor, dass ein Schwimmer sich überschätzt und sogar dem Wasser erliegt: „Noch vor kurzem soll einer im Wasser einen Herzinfarkt erlitten haben, jede Hilfe kam zu spät“, erläutert die junge Frau. In Calais am Ziel angekommen, kann jeder Überquerer sich in einer Kneipe an einer Wand eintragen. Draußen steht eine Bank, an der jene aufgelistet sind, die nicht überlebt haben. Das ganze Schwimmen soll zwischen 12 und 16 Stunden, je nach Strömung, dauern.

Zwischen dem 29. Juli und dem 6. August soll es dann endlich soweit sein.

Ein Helfer wird Paule Kremer jede Viertelstunde mit einem Stock etwas zu essen und zu trinken geben: „Ich muss noch herausfinden, was ich essen kann und was mir bei all dem Salzwasser im Mund auch schmeckt“, sagt sie. „Beim Trinken bevorzuge ich Tee, weil er mich gleichzeitig erwärmt.“ Auch das Übergeben gehört zum Überqueren dazu, sei es als Schwimmer, der zu viel Salzwasser schluckt oder als Crewmitglied an Bord. Die Mehrheit wird seekrank.

Fest steht, dass die Mannschaft Paule anfeuert und ihr immer wieder positive Worte oder sogar Musik zukommen lässt. Ab der sechsten Stunde können ihre Helfer auch abwechselnd mit ihr mitschwimmen, um sie zu motivieren. Kremers Trainerin wird sie nicht aus den Augen lassen und ihr ständig Tipps geben.

Ob Paule es wirklich schafft, steht noch in den Sternen: „Ich wäre sehr enttäuscht, wenn ich aufgeben müsste oder wenn mir die Witterung, Strömung, ein Schiff oder ein technischer Fehler in die Quere käme”, seufzt die Extremsportlerin. Gestartet wird bei jedem Wetter. Paule Kremer weiß, dass nur die mentale Kraft sie ans Ziel bringen kann und sucht deshalb noch einen mentalen Coach. 10.000 Euro möchte sie für den guten Zweck sammeln und sucht ebenfalls noch Sponsoren.

Starkes Team: Trainerin Monique Zepp vom SC Redingen kennt Paules Stärken und Schwächen. Sie kann ihr deshalb beim Kanal-Schwimmen am besten helfen.

www.facebook.com/englishchannelplooschterprojet

Mady Lutgen

Journalistin

Ressorts: Lifestyle

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Author: Philippe Reuter

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