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Ruhe bitte!

Ein Pfeifen, ein Rauschen, ein Sausen – Tinnitus äußert sich bei den Geplagten unterschiedlich. Doch was sind die Ursachen für die lästigen Ohrgeräusche und wie bringt man sie zum Schweigen?

Während die einen von Geburt an von Tinnitus – mit voller Bezeichnung „Tinnitus Aurium“ – betroffen sind, ereilt er andere erst später. „Schätzungen zufolge betrifft es jährlich 25.000 Luxemburger“, sagt Sarah Kesteleyn, Leiterin des Centre Auditif AudioNova in Differdingen. Die Art der Geräusche kann dabei sehr vielfältig sein. Während einige Betroffene ein Pfeifen hören, beschreiben andere die Geräusche als Rauschen oder Zischen. Die Geräusche, die unerwartet auftreten, werden zwar oft als eigenständige Krankheit bezeichnet, in der Regel handelt es sich jedoch eher um ein Symptom für eine andere Krankheit. Zudem kann der Ton gleichbleibend laut oder rhythmisch verstärkt sein. Die Ursachen sind zahlreich und hängen davon ab, ob es sich um einen „subjektiven“ oder einen „objektiven“ Tinnitus handelt.

„Subjektiver“, auch noch „akuter“ Tinnitus genannt, ist die häufigste Art. „Der alltägliche Lärm ist noch immer einer der Hauptauslöser für subjektiven Tinnitus. Und von zu lauten Schallverursachern sind wir ständig umgeben, sei es der Lärm einer Straßenbaumaschine, eines Staubsaugers, einer Kreissäge oder eines Presslufthammers. Darüber hinaus treten bei der 2.0-Generation vermehrt Fälle von Tinnitus auf, da sie viel Zeit hinter dem Computer verbringt und dadurch über lange Zeit dem Wifi-Signal und den Kühlgeräten der Rechner ausgesetzt ist“, weiß Sarah Kesteleyn.

„Die besten Heilungs- chancen gibt es während der ersten drei Monate.

„Die besten Heilungs-
chancen gibt
es während der ersten drei Monate.

Neben Lärm sind auch noch andere Ursachen für subjektiven Tinnitus bekannt, wie beispielsweise Verstopfungen des Gehörgangs. So können die nervigen Geräusche durch den Druck, den das Ohrenschmalz verursacht, hervorgerufen werden. Weitere Auslöser können Unfälle beim Tauchen, Entzündungen des Ohres oder Erkrankungen des Mittelohres sein. Darüber hinaus kann auch Stress -ob beruflicher oder privater Natur – ein möglicher Grund für Tinnitus sein. Obwohl es sich für die Betroffenen anfühlt, als wären diese Geräusche tatsächlich von außen vorhanden, haben diese keine Quelle, die von außen wahrgenommen werden kann. Daher ist die genaue Ursache auch meist nur schwer bestimmbar.

„Bestehen die Geräusche noch nach durchgeschlafener Nacht, sollte man einen Hals-Nasen-Ohrenarzt konsultieren“, so Kesteleyn. Lautet die Diagnose „Tinnitus“ besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit durchblutungsfördernden Mitteln. Oft sind die Lebensgewohnheiten ausschlaggebend. So kann Tinnitus schon durch die Ernährungsweise vermindert werden. „Vielen Tinnituspatienten wird geraten auf bestimmte Speisen und koffeinhaltige Getränke zu verzichten“, berichtet die Expertin. In den meisten Fällen von akutem Tinnitus hört der Albtraum nach einer Weile auf. „Die besten Heilungschancen gibt es während der ersten drei Monate. Führt die Therapie nicht zur Heilung, sollte man sich auf eine stationäre Behandlung gefasst machen“, betont Kesteleyn. Subjektiver Tinnitus verschwindet in der Regel nach bis zu drei Monaten, aber es können auch mal zwölf Monaten werden.

Danach handelt es sich um „chronischen Tinnitus“. Dieser dauert lebenslang, sodass die Lebensqualität meist beachtlich eingeschränkt wird. Betroffene leiden oftmals unter Stress und Hektik. „Weil die meisten sich nur noch auf den Tinnitus konzentrieren, scheint es ihnen unmöglich, stärkere Geräusche überhaupt noch wahrzunehmen.“ Neben Konzentrations- und Schlafstörungen kann dies zu Gleichgewichtsproblemen, sozialer Einschränkung, Depression bis hin zum Selbstmord führen.
„Ein Heilmittel für chronischen Tinnitus gibt es bisher noch nicht. Doch es gibt Wege, mit den Geräuschen leben zu lernen“, sagt die Expertin. Eine Möglichkeit sind Hörgeräte, durch die ein Signal ausgelöst wird, welches das gleichstarke Ohrenzischen zur Nebensache macht. Alternativ dazu können Klangtherapien und Selbsthilfegruppen die Betroffenen dabei unterstützen, mit den Geräuschen umzugehen und sie nicht in den Vordergrund zu stellen“, so Kesteleyn. Ein weiteres Ablenkungsmittel sei Musik, natürlich in angemessener Lautstärke.

„Objektiver Tinnitus“ hingegen ist von außen wahrnehmbar. Dabei handelt es sich um eine körpereigene Schallquelle in der Nähe des Innenohrs, die der HNO mit Hilfe von speziellen Geräten messen kann. Mögliche Auslöser sind Verspannungen der Muskeln des Mittelohres oder Gefäßmissbildungen. Durch gezielte Behandlung klingt das nervige Geräusch jedoch schnell wieder ab.

Text: Pierre François (revue@revue.lu) / Fotos: Ute Metzger, Editpress-Archiv

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Author: Philippe Reuter

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