Beim Thema Jagd spalten sich schon seit Jahrzehnten die Geister. revue stellt zwei Positionen gegenüber, die auf das Für und Wider eingehen. Fotos: Ute Metzger
↑ PRO
Eigentlich erübrigt sich die Diskussion über das Pro und Contra der Jagd in Luxemburg, weil das luxemburgische Gesetz ausdrücklich verlangt, dass unsere Wildbestände reguliert, also bejagt werden müssen. Die Jagd steht also so wenig zurDebatte wie die öffentlichen Schulen, der Code de la Route oder die Meinungsfreiheit. Dies ist dermaßen zwingend, dass der Staatssekretär im Umweltministerium den Jägern mit empfindlichen Strafen droht, wenn diese nicht die von ihm per Abschussverordnung abgeurteilten Bambis umbringen. Ich benutze diese infantile Terminologie bewusst, um auf die unsägliche Hypokrisie von Regierung und Verwaltung diesbezüglich aufmerksam zu machen.
Während die Jäger ihre Arbeit als staatlich geprüfte Jagdexperten als reizvolle Beschäftigung und als Dienst an der Allgemeinheit verstehen, tut die Regierung alles Mögliche um sich als Gutmenschen darzustellen, denen es nur mit Mühe gelingt, die „mordlustigen“ Gesellen, die sie selbst losgeschickt haben, „in Schach zu halten“.
In einer Welt, in der immer weniger Mitbürger einen Bezug zu den prägenden Grunderfahrungen des Lebens haben, des Geborenwerdens, des Sterbens, wird es immer schwieriger, Verständnis für die Jagd zu vermitteln. Ich habe tiefstes Verständnis für Menschen, denen das Grauen hochkommt bei dem Gedanken, dass ein fühlendes Geschöpf getötet wird und dass der Ausführer der Tat auch noch eine Genugtuung dabei empfindet. Inzwischen sind die Tötungsprozeduren von Tieren aus dem Sichtfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Immer mehr Bürger fühlen sich nun im Recht, ihre persönliche Emotivität als Ausdruck des rechten Durchblicks zu interpretieren. Sie gehen davon aus, es würde genügen, die Jagd als letztes sichtbares Schlachtfeld auszumerzen, um Leid und Tod von dieser Welt zu verbannen. Es gab während der Entwicklung des Homo Sapiens Individuen, die eine zutiefst menschliche Genugtuung dabei empfanden, durch die Jagd ihre Familien zu ernähren. Genetische Studien haben bewiesen, dass meine genetische Ausstattung, meine Harddisk sozusagen, sich in den letzten 50.000 Jahren nur um 0,1 % verändert hat. Es wäre sonderbar, wenn nur die Gene verloren gegangen wären, die eine Verbindung zur Freude an der Jagd bewirken!
Aktuell werden bei Antidiskriminierungsmaßnahmen viele in Vergessenheit geratene, menschliche Verhaltensweisen wiederentdeckt. Eines Tages wird vielleicht das Gleiche geschehen mit Individuen, die sich ihre Nahrung selbst beschaffen, die Fische fangen, Früchte sammeln, Tiere erbeuten, Pilze suchen! Letztendlich sind Jagdaktivitäten in unseren Gegenden alternativlos. Ihre Einstellung würde das allgemeine Niveau organismischen Leids nicht senken! Im Wald gibt es weder Palliativmedizin noch Euthanasie. Eine korrekte, tierschutzkonforme Bejagung entspricht dem Wesen des Menschen und entspricht einem natürlichen Verhältnis des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen.





In den letzten Jahrtausenden hat Europa sich zur Kulturlandschaft entwickelt. Knapp ein Drittel der einstigen Waldfläche blieb erhalten, der Rest wurde vom Menschen für die Landwirtschaft urbar gemacht. Ist die Jagd in einer derartig vom Menschen veränderten Umwelt nicht sinnloses, blutiges Relikt aus der Steinzeit? Auch Natur- und Umweltschützer führen eine Reihe von Argumenten für die Jagd an. Es bleibt aber zu klären, wie, wann und welche Arten zu bejagen sind. Die Jagd auf Wildtiere sollte folgenden Kriterien unterworfen sein: Die Art ist in ihrem Bestand nicht bedroht und es erfolgt eine sinnvolle Nutzung des Tieres. Darüber hinaus sollte die Art die menschliche Gesundheit oder bestehende Lebensgemeinschaften nicht gefährden.

