Home » Home » Ruhe im wilden Wald

Ruhe im wilden Wald

Beim Thema Jagd spalten sich schon seit Jahrzehnten die Geister. revue stellt zwei Positionen gegenüber, die auf das Für und Wider eingehen. Fotos: Ute Metzger

 PRO

_MG_7681bEigentlich erübrigt sich die Diskussion über das Pro und Contra der Jagd in Luxemburg, weil das luxemburgische Gesetz ausdrücklich verlangt, dass unsere Wildbestände reguliert, also bejagt werden müssen. Die Jagd steht also so wenig zurDebatte wie die öffentlichen Schulen, der Code de la Route oder die Meinungsfreiheit. Dies ist dermaßen zwingend, dass der Staatssekretär im Umweltministerium den Jägern mit empfindlichen Strafen droht, wenn diese nicht die von ihm per Abschussverordnung abgeurteilten Bambis umbringen. Ich benutze diese infantile Terminologie bewusst, um auf die unsägliche Hypokrisie von Regierung und Verwaltung diesbezüglich aufmerksam zu machen.

Während die Jäger ihre Arbeit als staatlich geprüfte Jagdexperten als reizvolle Beschäftigung und als Dienst an der Allgemeinheit verstehen, tut die Regierung alles Mögliche um sich als Gutmenschen darzustellen, denen es nur mit Mühe gelingt, die „mordlustigen“ Gesellen, die sie selbst losgeschickt haben, „in Schach zu halten“.

In einer Welt, in der immer weniger Mitbürger einen Bezug zu den prägenden Grunderfahrungen des Lebens haben, des Geborenwerdens, des Sterbens, wird es immer schwieriger, Verständnis für die Jagd zu vermitteln. Ich habe tiefstes Verständnis für Menschen, denen das Grauen hochkommt bei dem Gedanken, dass ein fühlendes Geschöpf getötet wird und dass der Ausführer der Tat auch noch eine Genugtuung dabei empfindet. Inzwischen sind die Tötungsprozeduren von Tieren aus dem Sichtfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Immer mehr Bürger fühlen sich nun im Recht, ihre persönliche Emotivität als Ausdruck des rechten Durchblicks zu interpretieren. Sie gehen davon aus, es würde genügen, die Jagd als letztes sichtbares Schlachtfeld auszumerzen, um Leid und Tod von dieser Welt zu verbannen. Es gab während der Entwicklung des Homo Sapiens Individuen, die eine zutiefst menschliche Genugtuung dabei empfanden, durch die Jagd ihre Familien zu ernähren. Genetische Studien haben bewiesen, dass meine genetische Ausstattung, meine Harddisk sozusagen, sich in den letzten 50.000 Jahren nur um 0,1 % verändert hat. Es wäre sonderbar, wenn nur die Gene verloren gegangen wären, die eine Verbindung zur Freude an der Jagd bewirken!

Aktuell werden bei Antidiskriminierungsmaßnahmen viele in Vergessenheit geratene, menschliche Verhaltensweisen wiederentdeckt. Eines Tages wird vielleicht das Gleiche geschehen mit Individuen, die sich ihre Nahrung selbst beschaffen, die Fische fangen, Früchte sammeln, Tiere erbeuten, Pilze suchen! Letztendlich sind Jagdaktivitäten in unseren Gegenden alternativlos. Ihre Einstellung würde das allgemeine Niveau organismischen Leids nicht senken! Im Wald gibt es weder Palliativmedizin noch Euthanasie. Eine korrekte, tierschutzkonforme Bejagung entspricht dem Wesen des Menschen und entspricht einem natürlichen Verhältnis des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen.

Dr. Georges Jacobs

Der Präsident der Fédération St. Hubert des chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg, Jahrgang 1956 studierte in Brüssel Allgemeinmedizin und war nach seinem Universitätsabschluss 19 Jahre lang in Bissen als Allgemeinmediziner tätig. Seit 2003 arbeitet er in seiner Praxis in Colmar-Berg.

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook

↓ CONTRA

_MG_7635aIn den letzten Jahrtausenden hat Europa sich zur Kulturlandschaft entwickelt. Knapp ein Drittel der einstigen Waldfläche blieb erhalten, der Rest wurde vom Menschen für die Landwirtschaft urbar gemacht. Ist die Jagd in einer derartig vom Menschen veränderten Umwelt nicht sinnloses, blutiges Relikt aus der Steinzeit? Auch Natur- und Umweltschützer führen eine Reihe von Argumenten für die Jagd an. Es bleibt aber zu klären, wie, wann und welche Arten zu bejagen sind. Die Jagd auf Wildtiere sollte folgenden Kriterien unterworfen sein: Die Art ist in ihrem Bestand nicht bedroht und es erfolgt eine sinnvolle Nutzung des Tieres. Darüber hinaus sollte die Art die menschliche Gesundheit oder bestehende Lebensgemeinschaften nicht gefährden.

Angesichts der Polemik um das Jagdverbot auf den Rotfuchs und einer schon fast hysterischen Angstkampagne seitens der Jäger, ist es wichtig, sich an oberen Überlegungen zu orientieren. Der Fuchs ist ein wichtiger Mäusejäger, aber als Opportunist durchaus bereit, auf andere Nahrungsquellen auszuweichen, und somit weitverbreitet und häufig. Die Entsorgung der geschossenen Füchse über die Abdeckerei kann wohl kaum als sinnvolle Nutzung bezeichnet werden. Richtig ist, dass der Fuchs Überträger des Fuchsbandwurms ist, richtig ist jedoch auch, dass andere Wild- und Haustiere ebenfalls Vektoren für diesen Krankheitserreger sind. Richtig ist weiterhin, dass, um eine weitere Ausbreitung des Parasiten zu verhindern, die Fuchspopulation auf eine extrem niedrige Dichte gedrückt werden müsste.

Dieses Ziel, den Zusammenbruch der Infektionskette zu erreichen, ist mit der Bejagung nicht zu erreichen, wie bereits das Beispiel der Tollwutbekämpfung eindeutig beweist. Diese Krankheit grassierte bis weit in die 1980er Jahre in ganz Mitteleuropa. Massive Abschusskampagnen, bis hin zur flächendeckenden Begasung der Fuchsbaue in den 1960er Jahren, konnten die Wildtollwut nicht eindämmen. Erst mit dem Auslegen von Impfködern wurde Europa tollwutfrei. Für die Ausbreitung des Fuchsbandwurmes gelten ähnliche Überlegungen wie für die Tollwut.

Füchse sind sehr anpassungsfähig und haben das enorme Nahrungsangebot in den Ortschaften für sich entdeckt. Sogar in Großstädten sind sie häufig, in Zürich z.B. leben 800 Tiere. Die Forderungen der Jäger, die vermeintliche Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch die Bejagung des Fuchses zu verhindern, dürfte wohl kaum innerorts zum Tragen kommen.

Seit der Sesshaftwerdung des Menschen stehen sich Mensch und Wildtiere als Konkurrenten um die gleiche Nahrung gegenüber. Die Menge an verfügbarer Nahrung bestimmt die Größe einer Tierpopulation, diese ist entsprechend dem enormen Nahrungsangebot in den landwirtschaftlichen Flächen sehr hoch. Reh, Hirsch und Wildschwein profitieren von diesem Nahrungsangebot, ihre Bestände sind entsprechend hoch.

Neben den Schäden in der Landwirtschaft leidet jedoch auch der Wald zunehmend unter der hohen Wilddichte. Durch den Verbiss der heranwachsenden Bäume ist nicht nur die Waldverjüngung gefährdet, sondern auch deren Artenvielfalt. Vor allem Rehe fressen gezielt die selteneren Baumarten und bewirken somit eine Entmischung, also artenarme Wälder in der Zukunft.

Eine Bejagung der Schalenwildarten ist demzufolge aus ökologischer und aus ökonomischer Sicht unabdingbar. Auch die Rückkehr des Wolfes und anderer größerer Prädatoren wird diesen Konflikt nur unwesentlich entschärfen. Die Revierjagd, wie sie in Luxemburg praktiziert wird, förderte diese hohen Wildbestände. Das Verbot der Fütterung und Mindestabschusspläne für das Schalenwild wird zu einer Verminderung der Wildschäden führen. Erste positive Entwicklungen sind festzustellen.

Roger Schauls

Der Vize-Präsident des Mouvement écologique, Jahrgang 1951, studierte an der Université Louis Pasteur in Straßburg Botanik und Pflanzenökologie. Anschließend war der Naturschützer unter anderem als Sekundarlehrer tätig und im Centre d‘Ecologie et de la Jeunesse in Hollenfels beschäftigt.

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?