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Saisonstart

Das wärmere Klima tut vielen gut, auch den Zecken. Sie sind aktiver denn je. Doch so harmlos die meisten Zeckenstiche auch verlaufen, so gefährlich können Infektionen sein, die von den Spinnentieren übertragen werden.

Da hat der Frühling kaum begonnen, und schon gibt es Meldungen über Borreliose nach einem Zeckenstich. Zumindest im benachbarten Rheinland-Pfalz. Dort verzeichnete das Robert-Koch-Institut die ersten Infektionen des Jahres. Erstaunlich früh. In der Regel beginnt die Saison für die kleinen Blutsauger nämlich erst im März. Und bis die ersten Symptome einer Borreliose auftauchen, müssen in der Regel noch ein paar Tage bis Wochen vergehen. Da aber bis auf den Januar die vergangenen zwölf Monate wärmer als gewöhnlich verliefen, sind auch die Zecken aktiver als sonst. Denn ab einer Temperatur von sieben Grad fallen sie aus ihrer Winterstarre. Und so krabbeln sie schon seit Februar wieder eifrig in Wäldern und Wiesen herum.

Zecken gehören zur Familie der Spinnentiere, sie sind Parasiten und ernähren sich vom Blut ihrer Wirte – Menschen und größere Tiere. Die Menge des Blutes, das sie saugen, ist völlig unerheblich für ihren Wirt. Gefährlich ist hingegen, dass Zecken schwere Infektionskrankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können. Zwischen fünf und dreißig Prozent, je nach geografischer Lage, der Zecken sind Träger des Borreliose-Erregers, der Borrelien. In Luxemburg sind es Schätzungen zufolge etwa 16 Prozent. Die Erreger sitzen im Darmtrakt der Zecke, von dort gelangen sie in den Blutkreislauf des Wirts. Vorausgesetzt, sie haben lange genug Zeit dafür. Wird die Zecke innerhalb der ersten 24 Stunden entfernt, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung der Bakterien auf fast null. Kritisch wird es dann, wenn die Zecke erst später oder gar nicht entdeckt wird.

Nicht jeder, der sich mit dem FSME-Virus infiziert, wird zwangsläufig krank.

Etwas anders verläuft die Übertragung der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Sie wird durch ein Virus ausgelöst, das die Zecke im Speichel trägt. Das kann direkt beim ersten Stich passieren, muss aber nicht. Doch je länger die Zecke saugt, desto höher ist das Risiko einer Übertragung. In Risikogebieten tragen ein bis zwei Prozent der Zecken das Virus. Luxemburg gehört zwar nicht zu den Risikogebieten für FSME, gänzlich ausgeschlossen ist eine Übertragung allerdings nicht, denn die Gegenden, in denen regelmäßig FSME-Fälle auftreten, werden größer. Betroffen sind vor allem der Süden Deutschlands, Österreich, die Tschechische und die Slowakische Republik, die baltischen Länder, Teile Skandinaviens und Dänemarks, sowie Ungarn, Kroatien, Slowenien und Albanien.

Nicht jeder, der sich mit dem FSME-Virus infiziert, wird zwangsläufig krank. Die meisten Infektionen verlaufen harmlos mit unspezifischen grippeähnlichen Symptomen. Bei schweren Verläufen besteht allerdings die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen oder lange andauernden Kopfschmerzen. Bewohner von Risikogebieten können sich prophylaktisch impfen lassen.

Die ersten Anzeichen einer Borreliose sind eine Rötung und Schwellung der Haut rund um die Bissstelle. Diese Schwellung wird auch Wanderröte genannt, weil sie im Laufe weniger Tage nach außen abwandert. In rund einem Drittel aller Infektionen mit Borreliose fehlt diese Rötung allerdings völlig. Das liegt daran, dass die Borrelien weniger aggressiv als andere Bakterien sind. Somit reagiert auch unser Immunsystem langsamer, weil es mehr Zeit braucht, um die Infektion zu erkennen. 50 Prozent aller Menschen, bei denen eine Borreliose diagnostiziert wird, können sich an einen Zeckenstich nicht einmal erinnern. Entweder ist der Stich völlig unbemerkt abgelaufen, wenn er etwa im Ohr oder auf der Kopfhaut war, oder er ist schon sehr lange her. Denn die Borreliose ist tückisch: Von der Übertragung bis zum Ausbruch der Krankheit können bis zu acht Jahre vergehen. In einigen Fällen kommt sogar es nie zu einer Erkrankung. Dann deutet lediglich ein zufälliger Befund durch eine Blutanalyse auf den Erreger hin.

Auch die Borreliose wird anfangs von grippeähnlichen Symptomen begleitet. Ergeht die richtige Diagnose, führt ein Antibiotikum meist zum Abklingen der Symptome, gelegentlich kann es zu Rückfällen kommen, diese können auch erst nach Jahren auftreten. Bleibt die Infektion unbehandelt, werden die Symptome stärker. Betroffene verspüren ein chronisches Krankheitsgefühl, bemerken Störungen ihrer Hirnleistung, leiden unter Magen-Darm-Beschwerden und Hautproblemen. Außerdem kann es zu Entzündungen des Rückenmarks oder des Gehirns kommen, sowie zu Entzündungen der Gelenke, des Herzmuskels oder Lähmungen im Bereich der Augen- oder Gesichtsnerven.

Von der Übertragung bis zum Ausbruch der Krankheit können bis zu acht Jahre vergehen.

Im ungünstigsten Fall entwickelt sich die Borreliose zu einer chronischen Krankheit, Betroffene leiden dann jahrelang unter Arthritis oder Lähmungserscheinungen im ganzen Körper. Auch in einem späten Stadium empfehlen Ärzte eine Behandlung mit Antibiotika. Erschwert wird die Behandlung der Borreliose durch die Schwierigkeiten, die sich bei der Diagnose ergeben. Bislang gibt es noch kein Verfahren, mit dem sich eine Borrelien-Infektion zuverlässig nachweisen lässt. Bei einem Verdacht auf Borreliose müssen Ärzte deshalb mehrere Diagnosemöglichkeiten nutzen: die genaue Beobachtung der Symptome sowie Labor-Untersuchungen von Blut oder Rückenmarksflüssigkeit.

Seit Anfang des Jahres ist Borreliose in Luxemburg meldepflichtig. Genauso wie Tuberkulose, Masern und sexuell übertragbare Krankheiten. Damit soll ein Überblick geschaffen werden, wie viele Menschen hierzulande tatsächlich erkrankt sind. Schätzungen zufolge hatten acht Prozent der Bevölkerung, aber achtunddreißig Prozent der luxemburgischen Waldarbeiter bereits Kontakt mit dem Borreliose-Erreger.

Mit der Klimaerwärmung hat sich nicht nur die Gefahr durch heimische Zecken erhöht, zudem scheinen auch andere Zeckenarten nach Europa zu gelangen. So wie die Tropenzecke. Auch sie kann Krankheitserreger auf den Menschen übertragen, zum Beispiel die des Krim-Kongo-Fiebers. Sieben Tropenzecken wurden letzten Sommer in Deutschland gefunden, an einem Schaf und sechs Pferden. Wissenschaftler sagen, dass die Tropenzecken durchaus auch in Mitteleuropa heimisch werden könnten. Durch die Klimaerwärmung seien die Lebensbedingungen geradezu perfekt.

Fotos: Pixabay, André Karwath

Was tun bei Zeckenstichen?

Zuerst einmal: Keine Panik!

Nicht jede Zecke überträgt Krankheiten. Außerdem vergehen in der Regel 24 Stunden, bis mögliche Erreger übertragen werden. Beim Herausziehen einer Zecke muss darauf geachtet werden, das Tier vollständig zu entfernen, da es ansonsten zu Entzündungen kommen kann. Zudem sollte das Tier nicht zerdrückt werden, weil sonst der Mageninhalt der Zecke, in dem sich Bakterien befinden können, in den Wirt gedrückt wird.

Der beste Schutz ist Zeckenstichen vorzubeugen! Bei Aufenthalten in Wäldern und Wiesen die Körperoberfläche mit möglichst viel Kleidung bedecken und anschließend alles absuchen, auch unter den Achseln, in den Kniekehlen, an Nacken und Rücken, sowie auf der Kopfhaut oder hinter bzw. in den Ohren.

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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