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Sandkasten für Erwachsene

Wenn zwei erwachsene Frauen den Großteil ihrer Freizeit damit verbringen, im Sand mit einem Ball zu spielen, klingt das erstmal wie ein schlechter Witz. Ganz so lachhaft geht es bei den luxemburgischen Beachvolleydamen dann doch nicht zu.

Text: Daniel Baltes (revue@revue.lu) / Fotos: Georges Noesen

An den beiden letzten Wochenenden im Juli finden in Esch die Luxemburger Meisterschaften im Beachvolleyball statt. Trotz der Beliebtheit dieser Sportart auf Hobby-Niveau fehlt es in Luxemburg an Spielern und vor allem Spielerinnen, die diesen Sport auf einem höheren Level betreiben wollen. Rebekka Klerf und Carole Grethen sind eines der wenigen Frauen-Teams, die Luxemburg im Beachvolleyball auf einem hohen Amateur-Niveau vertreten.

Seit nun zwei Jahren spielen und trainieren beide regelmäßig Seite an Seite.

Die 22-jährige Rebekka begann in ihrer Jugend mit dem traditionellen Hallenvolleyball, ehe vor knapp fünf Jahren ihr damaliger Trainer, der gleichzeitig die Damen-Beachvolleyball-Nationalmannschaft trainierte, sie zum Szenenwechsel brachte. Seit jeher liegt der Fokus der hochmotivierten Studentin einzig und allein auf dem Beachvolleyball. Bei ihrer 30-jährigen Partnerin verlief dieser Weg etwas ungewöhnlicher. Carole spielte lange Zeit lediglich auf Hobby-Basis, bevor sie durch ihre Schwester Anne Grethen, die im Nationalteam zusammen mit Rebekka Klerf spielte, immer mehr in die Beachvolleyball-Szene mit eingebunden wurde. „Ich hatte oft die Möglichkeit auszuhelfen“, erinnert sich Carole. Als ihre Schwester die Entscheidung traf, ihre Karriere nicht mehr fortzusetzen, nutzte sie die Gunst der Stunde und schlug Rebekka den Versuch einer Partnerschaft vor. Beide wussten, dass neben dem sportlichen Verständnis auch die persönliche Harmonie oberste Priorität hat. Schließlich verbringen die beiden Sportlerinnen eine bedeutende Anzahl an Stunden miteinander. „Das hat aber von Anfang an gut geklappt“, zieht Rebekka heute Bilanz. Auch bei Carole gibt es keine Spur der Reue, diesen Schritt gewagt zu haben.

Seit nun zwei Jahren spielen und trainieren beide regelmäßig Seite an Seite. Dreimal wöchentlich ziehen sie zuerst ihr professionelles Fitnessprogramm durch, bevor sie im Sand das richtige Beachvolleyball-Training angehen. Selbst während der Wintermonate, wenn die Wetterkonditionen das Training im Freien unmöglich machen, setzen sie ihre Routine von Fitness und Volleyball in der Halle fort. Im Frühling und Sommer, wenn die Saison ansteht, kommt es schon mal vor, dass das sympathische Duo fast jedes Wochenende ein Turnier spielt. Meistens finden diese in den deutschen Städten am Rhein, also nicht allzu fern der luxemburgischen Grenze, statt.

Die wohl größte Challenge liegt darin, das ungemein zeitaufwändige Training mit dem Beruf und dem Privatleben zu kombinieren. Grundsätzlich gilt teamintern die Devise: „Das Privatleben richtet sich nach dem Beachvolleyball“, sagt Rebekka. Allerdings ermöglicht ihnen, im Vergleich zum Hallenvolleyball, die geringe Anzahl an Aktiven eine gewisse Flexibilität im Training. Bedauernd finden die beiden hochmotivierten Athletinnen, dass die Nachfrage an ihrem Sport sich in Luxemburg stark in Grenzen hält. Vor allem bei den Frauen fehlt es an Nachwuchs, was eine nachhaltige Entwicklung der Spielqualität schier unmöglich macht. Hinzu kommen die fehlenden Infrastrukturen, wie beispielsweise eine Halle, in der Beachvolleyball gespielt werden kann, wenn das Wetter es im Freien verhindert. Was allerdings auch aufgrund der schwachen Nachfrage wenig sinnvoll wäre, erklären die beiden Luxemburgerinnen.

Trotzdem wollen die Beiden hervorheben, dass in einem kleinen Land wie Luxemburg vor allem in den Sportarten, in denen nur wenige Sportler gebraucht werden, Erfolge gefeiert werden können. Das perfekte Beispiel hierfür ist Gilles Müller, der sich in den letzten Jahren immer weiter im professionellen Tennis etablieren und auch nach vorne arbeiten konnte. Diese Chance sehen beide auch für den Beachvolleyball, da auch hier zwei sehr guter Spieler respektive Spielerinnen reichen würden, um sich ganz oben festzusetzen, im Gegensatz zu Teamsportarten.

Ihren größten Erfolg feierten Klerf und Grethen bei der letztjährigen Meisterschaft, in ihrer Premierensaison ergatterten sie bei insgesamt sieben Mannschaften den zweiten Platz. Aber auch die Spiele der kleinen Länder in San Marino bleiben trotz sportlich wenig zufriedenstellender Resultate – zwei Niederlagen, ein Sieg – eine schöne Erinnerung. Bei den diesjährigen Meisterschaften holen die Beiden jetzt zum ganz großen Schlag aus: „Bei der Meisterschaft wollen wir dieses Jahr schon gerne den ersten Platz holen“, sagt Carole mit leicht zögernder Stimme und bläst somit zur Jagd auf den Meisterschaftstitel.

„Das Privatleben richtet sich nach dem Beachvolleyball.“ Rebekka Klerf

Dieser Titel wäre für Carole etwas ganz Besonderes und wohl ein gelungener Abschied, da es sich in dieser Saison um ihre letzte auf diesem Niveau handelt. Als Gründe gibt sie die physischen Anstrengungen und vor allem den zeitlichen Aufwand an. „Im Beachvolleyball kann man keine halben Sachen machen“, fügt sie hinzu. Die Partnerschaft von Rebekka Klerf und Carole Grethen geht also zum Schluss der Saison nach zwei Jahren dem Ende entgegen. Neben dem aus ihrer Sicht hoffentlich gelungenen Abschied bei den Meisterschaften können die beiden Freundinnen dann auf eine schöne gemeinsame Zeit mit vielen Erinnerungen zurückschauen.

„Bei der Meisterschaft wollen wir dieses Jahr schon gerne den ersten Platz holen.“ Carole Grethen

Der sportliche Ruhestand für Carole bringt auch mit sich, dass Rebekka jetzt erneut ohne Partnerin da steht. Was natürlich bedeutet, dass Rebekka sich wieder einmal auf die Suche nach einer neuen Partnerin machen muss. Allerdings soll das jetzt noch keine Rolle spielen. Vorerst liegt die ganze Konzentration der begeisterten Sportlerinnen auf der Meisterschaft.

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Author: Martine Decker

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