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Sanfte Revolution

Die Messlatte für den frisch vorgestellten Peugeot 508 (Test in der nächsten autorevue 07/18) liegt hoch: Der vor einem halben Jahrhundert lancierte 504 hinterließ als erster Vertreter der neuen 5er-Baureihe einen gewaltigen Fußabdruck. Ein Rückblick.

Der Peugeot 504, der als Modell der gehobenen Mittelklasse auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1968 seinen Einstand feierte, kam auf Anhieb gut an. Das lag zunächst einmal an seiner schicken Linienführung, die das renommierte italienische Designhaus Pininfarina – seit Mitte der 1950er Jahre mit dem französischen Hersteller liiert – gezeichnet hatte. Dank stimmiger Proportionen so elegant wie seriös, setzte die viertürige Limousine mit dem kecken Knick im Kofferraumdeckel ebenso Akzent wie mit ihren trapezförmigen, den Kühlergrill einfassenden Scheinwerfern. Die den 504 viel moderner und freundlicher wirken ließen als den nach wie vor gebauten 404 mit seiner antiquierten Karosserie-Architektur und dem grimmigen Blick. Bei der Marke mit dem stilisierten Löwen im Markenlogo sind sie noch heute stolz auf diese neue Optik, die nicht Pininfarina, sondern Paul Bouvot als Leiter des firmeneigenen Centre Style gefunden und durchgesetzt hatte. Sergio Pininfarina soll sogar begeistert gewesen sein: Ihn erinnerten, so hieß es, die formvollendeten Scheinwerfer an die Augen von Filmdiva Sophia Loren. Na denn.

Auch technisch überzeugte der in Sochaux gefertigte, selbstragend ausgelegte Peugeot 504, er bot – in dieser Fahrzeugklasse gewiss keine Selbstverständlichkeit – Einzelradaufhängung rundum sowie Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Zunächst mit dem überarbeiteten, in Vergaser- oder Einspritzversion erhältlichen 1,8-l-Vierzylinder des 404 bestückt, erschien bereits 1970 ein Zweiliter-Aggregat, dessen „Injection“ genannte Ausführung mit Kugelfischer-Einspritzanlage stattliche 104 PS leistete. Der eher brave, von einem ohv-Triebwerk befeuerte Peugeot 504 zeigte plötzlich seine Krallen und verwandelte sich in einen 170 km/h schnellen Reisewagen.

Respekt! Da ließen es die wenig später lancierten Dieselmodelle beschaulicher angehen: Nagelnde Selbstzünder gehörten seit Jahren zum Peugeot-Portfolio, ebenso die Kombis Break, Commerciale und Familiale, die 1971 debütierten. Mit längerem Radstand und üppiger Heckpartie mochte ihnen der Charme der Limousine fehlen, dafür bestachen sie durch jede Menge Stau- und Laderaum. Der mittels zweiter Rückbank den Familiale sogar zum Kleinbus mit sieben Sitzen beförderte. Als Reaktion auf die sogenannte Ölkrise 1973 bringt Peugeot eine missverständlich Peugeot 504 L getaufte Sparversion mit Bandtacho, 79 PS sowie hinterer Starrachse samt Trommelbremsen. Um die Verhältnisse wieder geradezurücken, wird aus der Vergaserversion der Limousine ab da der 504 GL, aus dem Einspritzer der 504 TI. 1979 erweitert der auch als Fahrgestell mit Führerhaus lieferbare 504 Pickup das Programm, dem ein Jahr später der von Peugeot offiziell vertriebene Dangel 4×4 folgt, eine Allradversion des Break und des Pickup von Automobiles Dangel.

Bevor der Peugeot-Freundeskreis nun endgültig unruhig wird: Nein, wir haben die bildschönen, zweitürigen Varianten des 504 natürlich nicht vergessen. Exakt ein Jahr nach Vorstellung des Viertürers auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1969 enthüllt, sorgten 504 Coupé und Cabriolet mit ihrer wunderbar harmonischen Linienführung für Begeisterung. Von Pininfarina-Designer Aldo Brovarone federführend geformt, übernahm der italienische Karosserieschneider auch gleich ihre Fertigung. Technisch entsprachen die 2+2-Sitzer (wenngleich Peugeot forsch von Viersitzern sprach) weitgehend den Limousinen mit Benzineinspritzung, sie verfügten aber über einen 19 cm kürzeren Radstand – was ihnen ein knackigeres Handling bescherte. Das Jahr 1969 war noch aus einem anderen Anlass bedeutsam: Der Peugeot 504 durfte sich mit dem prestigeträchtigen Titel „Car of the Year“ schmücken – vielleicht mit ein Grund, dass sich der 504 auch bei uns zügig verkaufte. Und schnell zur vertrauten Erscheinung im Straßenbild gehörte. Die Hauptargumente, die für einen 504 sprachen, waren seine robuste Solidität und sein Komfort, nicht aber seine Sportlichkeit. Das war verblüffend, schließlich profilierten sich die Zwei- wie die Viertürer als erfolgreiches Rallyegerät, das etwa bei der Safari Rallye und der Bandama (Rallye Elfenbeinküste) zum Seriensieger avancierte.

Mitte der 1970er Jahre hatte Peugeot sein Angebot gezielt erweitert und war nun in mehreren Fahrzeugkategorien mit den Baureihen 104, 304, 504 sowie 604 am Markt aktiv. Vom 1975 eingeführten 604 sollten auch 504 Coupé und Cabriolet profitieren: Das neue Topmodell wurde von einem V6-Triebwerk mit 2.664 Kubikzentimeter Hubraum und 136 PS (später 144 PS) angetrieben, den Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam entwickelt hatten. Von je einer obenliegenden Nockenwelle pro Zylinderreihe gekrönt, kam dieser hochmoderne PRV- oder Euro-Motor nun auch in den Zweitürern zum Zuge. Die äußerlichen Retuschen hielten sich in Grenzen. Es gab jetzt einen neuen Kühlergrill, unter je einem Glas abgedeckte Doppelscheinwerfer sowie größere einteilige Rückleuchten, die ebenso massiven wie hässlichen Stoßfänger machten ab 1979 Coupé und Cabrio dagegen nicht attraktiver.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich firmenpolitisch einiges getan. Bei Peugeot, seit 1976 gemeinsam mit Citroën unter dem Dach von Peugeot Société Anonyme (PSA), endete 1983 die Fertigung des 504. Aber man bewies Weitblick in Sochaux und ging eine Partnerschaft mit Guangzhou in China ein, wo der Peugeot 504 als GP 7200 die Werkhallen verließ. Diese Partnerschaft platzte zwar bald wieder, doch der 504 lief und lief und lief und wurde bis 2006 in Nigeria in Lizenz produziert. Insgesamt entstanden mehr als 3,7 Mio. Exemplare des 504, eine beindruckende Bilanz. Ob der nagelneue 508 diese Marke knackt? Es bleibt dabei: Die Messlatte hängt hoch.

Das hat Gesicht: Der nagelneue Peugeot 504 mit seiner markanten, stilbildenden Frontpartie, die später auch bei den 304 umgesetzt wurde.

Text: Dieter Günther / Fotos: Hersteller, Archiv Günther

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Author: Philippe Reuter

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