Home » Wissen » Familie » Schlaf, Kindlein, schlaf…

Schlaf, Kindlein, schlaf…

Wer kennt das nicht: Das Kind zögert das „zu Bett gehen“ hinaus oder die Kleinen verlangen mitten in der Nacht Nachschub an Milch, Streicheleinheiten oder Unterhaltung. Ob Einschlafen oder Durchschlafen – revue gibt praktische Tipps für eine gute Nacht.

Fotos: candy1812/Fotolia, Oleg Kozlov/Fotolia

Was ist eigentlich eine kindliche Schlafstörung?
Von einer Schlafstörung bei Kindern wird normalerweise erst dann gesprochen, wenn das Problem über einen längeren Zeitraum regelmäßig und häufig auftritt, zu Leistungs- und Konzentrationsschwierigkeiten führt sowie sich negativ auf das kindliche Allgemeinbefinden auswirkt. Meist sind die nächtlichen Schlafprobleme eines Kindes nur vorrübergehend und nicht besorgniserregend.

Wie viel Schlaf braucht ein Kind?
Neugeborene brauchen ungefähr 16 bis 18 Stunden Schlaf pro Tag, Einjährige zwischen 12 und 15 Stunden, ab vier Jahren sind es meist etwa 12 Stunden und bei Sieben- bis Neunjährigen sind es rund 11 Stunden. Doch das ist nur ein Richtwert. Jedes Kind schläft anders und unterschiedlich viel.

Wie können Eltern den kindlichen Schlaf fördern?
Es gibt eine Reihe von Aspekten der sogenannten Schlafhygiene, die einem Kind zu einem regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und förderlichen Schlafgewohnheiten verhelfen:

Regelmäßigkeit
Eltern sollten auf die Einhaltung eines festen Plans von Schlaf- und Wachzeiten achten. Auch ein geregelter Tagesablauf und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft fördern einen gesunden Schlaf.

Schon von klein auf sollte der Nachwuchs lernen, im eigenen Bett selbständig einzuschlafen

Einschlafrituale
Konstante Rituale beim Zubettgehen können die Schlafbereitschaft fördern. Für jüngere Kinder eignen sich Gute-Nacht-Geschichten, für ältere Kinder regelmäßiges Vorlesen oder entspannungsfördernde Beschäftigungen. Auch ein warmes Bad oder elterliches Vorsingen können Abhilfe schaffen.

Die Nacht ist zum Schlafen da
Nachts sollten Eltern grundsätzlich nicht mit ihrem wachen Kind spielen. Kinder sollten – außer in Ausnahmefällen – auch nichts mehr nachts zu trinken oder gar zu essen bekommen. Dafür ist am Tag genügend Zeit.

Im eigenen Bett schlafen
Schon von klein auf sollte der Nachwuchs lernen, im eigenen Bett selbständig einzuschlafen. Ein Kind sollte in der Lage sein, möglichst ohne Einschlafhilfen wie Schnuller, Fläschchen, Spieluhr, Musik oder Hörspiele einzuschlafen. Wenn es Unterstützung braucht, sollen Eltern lieber in immer länger werdenden Abständen nach dem Nachwuchs sehen, um ihm das Gefühl von Sicherheit zu geben. Bereits einem Baby sollten Eltern die Verbindung zwischen Bett und Schlafen beibringen. Es sollte nicht auf dem Arm oder dem Sofa einschlafen. Kinder sollten nur zur Schlafenszeit in ihr Bett gehen, tagsüber sollten sie sich woanders aufhalten.

Schlafstörung im Vorschul- & Grundschulalter
Wenn Kinder in diesem Alter von Schlafstörungen betroffen sind, kann es in bestimmten Fällen sinnvoll sein, dass sich die Familie hinsichtlich des Erziehungsverhaltens, Leistungsdrucks und der Konfliktbearbeitung vom Kinderarzt oder Psychologen Hilfe holt. Ziel dieser Beratung ist, eskalierende Situationen im Zusammenhang mit dem Schlafen-Gehen zu vermeiden und Eltern in die Lage zu versetzen, auf mögliche Ängste ihrer Kinder einzugehen.

Nächtliches Aufwachen & Weinen
In diesem Fall sollten Eltern überprüfen, ob etwas nicht in Ordnung ist und dem Kind Sicherheit geben. Auf keinen Fall sollten sie zu lange im Zimmer bleiben, Licht machen, dem Kind etwas zu essen/trinken anbieten und mit dem Kleinen spielen. Nächtliches Aufwachen kann man seinem Kind auch antrainieren, ebenso dass das Einschlafen nur im Beisein der Eltern erfolgt. Bei Angst vor der Dunkelheit können eine abgeschwächte Lichtquelle (z.B. eine offene Tür oder ein Nachtlicht) und ein Kuscheltier oder ein Schnuffeltuch als „Übergangsobjekt“ weiterhelfen.

Schlaf tabelleNächtliches Aufstehen
Wenn ein Kind nachts nicht im eigenen Bett liegen bleibt, können Eltern die „Methode mit der geschlossenen Tür“ anwenden. Hierfür müssen sie dem Kleinen erklären, dass sie die Tür schließen, wenn es nicht im Bett bleibt und die Tür offen bleibt, wenn das Kind im Bett liegt. So kann der Nachwuchs selbst bestimmen, ob die Tür geschlossen wird oder offenbleibt. Eltern können mit dem Kind durch die geschlossene Tür reden und es ermutigen, sich auch an die Regel zu halten. Eltern sollten ihr Kind jedoch nie im Zimmer einschließen, weil das Angst oder Panikattacken beim Nachwuchs auslösen könnte. Die Tür sollte nur für eine Minute verschlossen bleiben, anschließend sollten die Eltern dem Kind die Regel erneut erklären.

Schlafprobleme bei älteren Kindern
Hier kann Entspannungstraining wie autogenes Training weiterhelfen. Betroffene können sich so selbsttätig in die Lage versetzten, ihren Geist und Körper zu beruhigen. Wacht ein älteres Kind nachts auf, weil es Alpträume hat, ist es wichtig, dass die Eltern ihren Nachwuchs beruhigen. Fürchtet sich das Kind beispielsweise vor Monstern oder Hexen, sollten Eltern diese Ängste stets ernst nehmen. Ein Teddy oder ein Traumfänger im Zimmer könnte die kindliche Angst vertreiben. Bei älteren Kindern und Jugendlichen könnte auch das Führen eines Tagebuchs sinnvoll sein, denn hier können sie ihre Sorgen und Ängste notieren.

Nachtschreck
Weit aufgerissene Augen, schweißgebadet und schlimmes Schreien, unterbrochen von angstvoll gestammelten Worten: Das sind die Anzeichen, wenn der Nachwuchs vom Nachtschreck heimgesucht wird. Vor allem im Alter zwischen vier und sieben Jahren tritt diese Aufwachstörung vermehrt auf. Technisch gesehen wird der Nachtschreck von einem plötzlichen Hochfahren aus der Nicht-REM-Phase oder Nicht-Traumphase verursacht. Eltern können nicht mehr tun, als ihrem Kleinen viel Verständnis und Zuwendung zu schenken, damit es sich sicher und geborgen fühlt. Keine Angst, Nachtschreck hat nichts mit einer seelischen Störung zu tun! Er ist in unregelmäßigen Abständen normal und klingt auch wieder von alleine ab.

Gelassenheit ist Trumpf
Liegen beim Kind keine körperlichen oder schwerwiegenden psychischen Gründe für die Schlafprobleme vor, sollten Eltern möglichst gelassen mit dem Schlafproblem ihres Kindes umgehen. In der Regel kommt der Nachwuchs so selbst am besten zur Ruhe. Auch das offene Ansprechen („Ich kann nicht mehr und bin überbelastet“) kann bei vielen älteren Kindern und Jugendlichen wahre Wunder wirken. Zudem sollten sich Eltern immer wieder sagen, dass dies nur eine Phase ist.

Bei dauerhaften Schwierigkeiten zum Arzt
Sollte das eigene Kind über einen längeren Zeitraum Probleme mit dem Schlafen haben, sollten Eltern nicht zögern, den Kinderarzt um Rat zu fragen. Anhaltende Schlafprobleme neigen dazu, sich zu verselbständigen und können die kindliche Entwicklung beeinträchtigen.

Fotolia_2387098_L

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?