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Der Islam, Schrecken des Feierabendlandes

Ein Gespenst geht wieder um in Europa: der Islam. Er hat den Kommunismus als Feindbild Nr. 1 abgelöst. Der Islam muss seither für all das herhalten, was sich von den Werten des Westens unterscheidet. Dass er längst Teil der europäischen Kultur ist, wird von den islamophoben Verfechtern des angeblich christlich-jüdischen Abendlandes – ein künstliches Konstrukt, das geschichtlich durch nichts bewiesen ist – geleugnet. Das Schreckensbild des Islam ist ein von Politik und Medien verwendetes Bild, als sei das Zeitalter der Kreuzzüge erneut ausgebrochen und stünden die Osmanen wieder vor Europas Toren.

Nach den Gräueltaten des „Islamischen Staates“, der neuerdings in Libyen mit einer ähnlichen Strategie vorgeht und angeblich das nordafrikanische Land angeblich als Tor nach Europa sieht, sowie nach den Anschlägen von Islamisten weltweit wurde von den Muslimen verlangt, dass sie sich eigens davon distanzierten. Dies hat den Anschein, als seien sie in eine Art von kollektiver Gesinnungshaft gebracht worden und stünden gläubige Muslime gleich unter Generalverdacht. Während selbst die extreme Rechte das neue Feindbild feiert heute die Freundschaft zu Israel betont, werden die Stereotype, die einst gegenüber jüdischen Menschen verwendet werden, nun gegen Muslime verwendet.

Der Terror der Islamisten hat zu einer Situation geführt, die an die Paranoia während des Kalten Krieges erinnert.

Die These vom „Kampf der Kulturen“ des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel Huntington, der Antagonismus von westlicher Zivilisation einerseits und der islamischen Welt (alternativ dazu der asiatische Kulturraum) andererseits, geistert seit mehr als zwei Jahrzehnten durch politische Theorie der internationalen Beziehungen. Sie hat damals den Ost-West-Konflikt abgelöst.

Der Terror der Islamisten hat zu einer Situation geführt, die an die Paranoia während des Kalten Krieges erinnert. Damals war jeder Sympathisant von linken Terroristen ins Visier der Ermittler geraten und jeder Linke gleich in Verdacht geraten, zu Moskaus fünfter Kolonne zu gehören und den Umsturz im Westen vorzubereiten. In Deutschland wurden ihnen im Zuge des „Radikalenerlasses“ Berufsverbote erteilt, in Luxemburg waren sie dem Lauschangriff des SREL ausgesetzt.

Dschihad – voll krass!

Die muslimische Gemeinschaft in Luxemburg, repräsentiert durch die Shoura, ist um Integration in die hiesige Gesellschaft bemüht. Sie hat ihre Strukturen offengelegt und bekennt sich zu den demokratischen Werten, zu denen unter anderem Toleranz und Gleichberechtigung gehören. Dies ist eine Art von Gegenleistung für die ihre Anerkennung. Eine Gruppierung, die dies nicht leistet, zieht zu Recht Verdacht auf sich.

Damit ist aber die Frage nicht beantwortet, was junge Menschen hierzulande dazu treibt, für eine Terrororganisation wie den „Islamischen Staat“ in den Krieg zu ziehen. Die Antwort ist in unserer Gesellschaft selbst zu suchen. Denn nicht jeder Jugendliche hat in ihr seinen Platz gefunden.

Die Jugend ist geprägt von der Suche nach einer Identität. Dies ist in einer offenen und heterogenen Gesellschaft, deren Kohäsion mehr und mehr gefährdet ist, schwieriger geworden. Vielen gelingt die Integration ohne Schwierigkeiten. Sie passen sich an und akzeptieren die Gesellschaft widerstandslos. Andere wiederum begehren auf. Und wiederum andere wollen einfach nur krass sein und provozieren.

Es ist zunehmend schwierig geworden, in einer Gesellschaft zu provozieren. Mit einem Irokesenschnitt kann man heute nicht einmal mehr seine Großmutter schocken. Indem man mit dem Dschihad kokettiert und ankündigt, man wolle eine Frau mit Gesichtsschleier heiraten, schon eher.

In der Vergangenheit wurden oft genug vorschnell Verbindungen gezogen von Gothic-Anhängern zu Satanisten sowie von Death-Metal- und Computerspielfans zu Amokläufern. Warum nicht gleich einen Zusammenhang zwischen Hip-Hop und Dschihad? Schließlich waren einige Dschihadisten – wie der Berliner Denis Cusbert oder der Luxemburger Steve Duarte – vor ihrer Radikalisierung Rapper. Achtung Vorurteilsfalle !

Nicht jeder mit Salafistenbart ist gleich ein potenzieller Attentäter. Doch manchen Jugendlichen, die Gefahr laufen indoktriniert zu werden – ob von rechtsextremen Rattenfängern oder islamistischen Hasspredigern – muss rechtzeitig Hilfe angeboten werden, bevor sie den Weg der Gewalt gehen. Mit den Mitteln, die dem Staat zur Verfügung stehen – ohne die Freiheit der Gesellschaft zu opfern.

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: Philippe Reuter

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