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Sinnvoll Bedürftige unterstützen

Es ist sowohl ein soziales als auch ein ökologisches Projekt. Im Sozialladen „Vintage M(o)od“ der Croix-Rouge werden gespendete Waren zum Verkauf angeboten. Der Erlös ermöglicht es, Bedürftige kostenlos einzukleiden.

Kleidungsstücke aus zweiter Hand werden weltweit immer häufiger gekauft. Sei es, um den Geldbeutel zu schonen, aus ökologischen Gründen oder ganz einfach aus Liebe zum Retro-Trend. Vorurteile gibt es längst keine mehr. Die Zahlen sprechen für sich. Laut einer Studie der weltweit größten Secondhand-Plattform „ThredUp“ werden jedes Jahr, allein in den USA, immer weniger neue Kleidungsstücke gekauft. Bis 2028 könnten, laut Prognose, Secondhand-Artikel im Durschnitt 13 Prozent des Inhalts eines amerikanischen Kleiderschranks ausmachen. Gebrauchte Waren zu kaufen ist also längst nichts mehr für Zweitklassige. Im Gegenteil. Die spannende Schnäppchenjagd kann sich sogar als sinnvolle Solidaritätsaktion ergeben. Seit Anfang Februar überschreiten jeden Tag neugierige Passanten und erfahrene Secondhand-Shopper die Schwelle eines Charity Shops, der seine Türen nur wenige Schritte neben dem großherzoglichen Palast geöffnet hat.

„Vintage M(o)od ist ein Solidaritätsladen“, betont Isabelle Vekemans, Verantwortliche für die Sach- und Lebensmittelspenden beim Luxemburger Roten Kreuz. „Die zum Verkauf angebotenen Kleidungsstücke und alle anderen Waren sind aus zweiter Hand und stammen von unseren großzügigen Spendern.“ Der Innenraum wurde mit viel Liebe zum Detail mit zahlreichen Waren verziert. Hosen, Hemden, Mäntel, Taschen, Schmuck und sogar tolle Tischgarnituren und Essgeschirr gibt es hier zum Schnäppchenpreis im Angebot. „Es gibt ebenfalls Produkte im Neuzustand, die uns Geschäftsleute spenden oder es handelt sich um zurückgesendete Pakete, die uns die Post zur Verfügung stellt. So wird verhindert, dass diese weggeworfen oder zerstört werden.“

„Die zum Verkauf angebotenen Kleidungsstücke und alle anderen Waren sind aus zweiter Hand und stammen von unseren großzügigen Spendern.“ 
Isabelle Vekemans, Verantwortliche für die Sach- und Lebensmittelspenden beim Luxemburger Roten Kreuz

Die Artikel, die hier zum Kauf angeboten werden, sind zum größten Teil ein Überschuss an Kleidungsstücken, die derzeit in den Kleiderstuben des Luxemburger Roten Kreuzes nicht dem entsprechen, was Bedürftige, die dort kostenlos eingekleidet werden, benötigen.

„Wir haben uns entschlossen, diesen Überschuss zum Kauf anzubieten und mit dem Gewinn die fehlende Kleidung zu kaufen, die uns in den Kleiderstuben des Roten Kreuzes fehlt“, erklärt Isabelle Vekemans. „Es fehlen uns immer wieder Männerkleidung in kleinen Größen und Männerschuhe. Frauenkleidung haben wir zum Beispiel genügend in unseren Kleiderstuben.“

Eins ist klar: Alle Waren, die im „Vintage M(o)od“ oder in einer der Sammelstellen des Luxemburger Roten Kreuzes kostenlos abgegeben werden, kommen in den Umlauf. „Weggeworfen wird hier nichts“, betont Conny Himmel. Seit fünf Jahren gehört sie zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die mehrere Tage die Woche im Laden eine Hand mit anpacken. Früher hat sie in einer Bank gearbeitet, heute empfängt sie die Kunden, erklärt ihnen das Konzept des Solidaritätsladen, kümmert sich um die Kasse und das Aussortieren der gespendeten Waren.

„Bei den Kleidungsstücken achten wir natürlich darauf, dass sie sauber sind. Kleine Löcher oder einen fehlenden Knopf flicken wir selbst. Jeder kann hier kostenlos etwas abgeben. Nur zu sperrige Gegenstände nehmen wir nicht an. Die können wir aus logistischen Gründen nicht verwalten. Abholungen bieten wir auch nicht an.“

„Die Luxemburger sind sehr solidarisch und spenden reichlich.“
Conny Himmel (rechts im Bild), ehrenamtliche Mitarbeiterin im „Vintage M(o)od“ des Luxemburger Roten Kreuzes

Conny liebt ganz besonders den Kontakt mit anderen Menschen. Diversität und Inklusion sind ihr wichtig. Im „Vintage M(o)od“ begegnet sie zahlreichen Kunden unterschiedlicher Herkunft und trotzdem bedauert sie, dass das Konzept mit den Kleidungsstücken aus zweiter Hand hierzulande bei den Luxemburgern noch nicht so verbreitet ist wie im Ausland. „Manche Leute bringen uns lieber Kleidungsstücke, als dass sie welche kaufen. Vielleicht ändern sich die Mentalitäten ja in den kommenden Jahren. Sicher ist, die Luxemburger sind sehr solidarisch und spenden reichlich.“

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Ein anderer Schwachpunkt ist vielleicht auch die kurze Zeit, die der Pop-Up-Store geöffnet bleibt, auch wenn dies mit einem finanziellen Grund verbunden ist. Zurzeit befindet sich der Solidaritätsladen des Luxemburger Roten Kreuzes, in den vier Wänden der landbekannten „Maison Lassner“, die nach 160 Jahren Existenz Ende März ihre Türen für immer schließen wird.

„Michel Simonis, der Generaldirektor des Luxemburger Roten Kreuzes, ist der Sohn des Besitzers der Maison Lassner“, verrät Isabelle Vekemans. „Er hat uns angeboten, die letzten zwei Monate vor Ablauf des Mietvertrages hier einzuziehen.“

Die größte Schwierigkeit bei diesem Projekt ist sicherlich, ein preisgünstiges oder sogar kostenloses Lokal zu finden. Bereits 2016 wurde ein erster Pop-Up-Store in Bonnevoie in einem zum Abriss freigegebenen Gebäude eröffnet. Dasselbe Szenario spielte sich von Mai bis Ende 2019 in Hollerich ab.
„In einem Jahr konnten wir in Bonnevoie 40.000 Euro Gewinn erzielen“, verrät Isabelle Vekemans. „Es ist der Beweis, dass die Menschen zu uns kommen und uns unterstützen. Unser Ziel ist es, die Gewinne zur Finanzierung unserer Kleiderstuben zu verwenden. Wir können dieses Geld nicht in eine hohe Miete investieren, die einen großen Teil der Einnahmen verschlingen würde. Das würde keinen Sinn machen.“

Fotos: Philippe Reuter

Weitere Infos:
Vintage M(o)od
3, rue de la reine L-2418 Luxembourg

Die Adressen der Kleiderstuben und alle Sammelstellen finden Sie unter www.croix-rouge.lu

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Author: Martine Decker

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