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Spannende Formen

Design bestimmt das Leben von Julie Conrad. Ihre Produkte haben mehr zu bieten, als es der erste Blick erahnen lässt. revue besucht die Produktdesignerin in ihrem Studio in Bonneweg.

Fotos: Isabella Finzi (Editpress)

Vor einigen Tagen machte die Designerin Julie Conrad mit einem Facebook-Gewinnspiel auf sich aufmerksam: Sie verspielte einen funktionalen Raumtrenner aus Tyvek, einem Vliesstoff aus Polyethylen. Hunderte Facebook-User haben daraufhin ihre Facebook-Seite gelikt und wollten unbedingt das Designerstück gewinnen. Mit dieser Aktion wurden zahlreiche Luxemburger angesprochen, die zuvor nicht einmal wussten, dass auch Luxemburg Möbeldesigner aufzeigen kann. Dieser Beruf zählt sicherlich nicht zu den bekanntesten, Julie Conrad war allerdings so mutig, diesen Weg einzuschlagen.

Immer anders: Objekte aus Tyvek kann man immer wieder in eine neue Position bringen und mit Material und Form spielen.

Immer anders: Objekte aus Tyvek kann man immer wieder in eine neue Position bringen und mit Material und Form spielen.

Das Faible zum Rumbasteln besaß die Designerin schon als kleines Kind. Alles, was sie in die Finger bekam, wurde zu einer besonderen Kreation. „Ich kann mich noch erinnern, dass ich als kleines Mädchen Gegenstände auseinandergenommen oder zusammengebaut habe“, erläutert Conrad. Als der Abi-Abschluss dann immer näher rückte, traf sie auf der „Foire de l’étudiant“ zufällig auf den Stand der französischen Privatschule Créapôle in Paris, folgte ihrem Bauchgefühl und meldete sich prompt dort an. Nach dem Abitur, Sektion Sprachen, ging sie dann für fünf Jahre nach Paris, um Art Design zu studieren. Mit dem Diplom und zahlreichen Praktika im Ausland in der Tasche, kehrte Julie zurück nach Luxemburg. Sie arbeitete sofort an einigen Projekten und machte sich 2013 dann mit ihrem Julie Conrad Design Studio in Bonneweg selbstständig. Hier teilt sie sich eine Etage mit anderen kreativen Leuten.

„Es ist mir sehr wichtig zu wissen, mit welchen Materialien ich es zu tun habe und wer, wie an den Sachen arbeitet.“

Die 28-Jährige begeistert mehr die Funktionalität ihrer Sachen: „Ich provoziere gerne einen kleinen Wow-Effekt beim Entdecken meiner Designerstücke. Es steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick meint.“ Julie entwirft hauptsächlich Sachen, die man jeden Tag gebrauchen kann. Neben dem Designen der Möbelstücke, die man online bei ihr erwerben kann, arbeitet sie auch noch als Grafikerin.

Klein aber fein: Das Büro von Julie steckt voller Überraschungen. Mit ihrem Raumtrenner erschafft sie sie sich ihre Privatsphäre.

Klein aber fein: Das Büro von Julie steckt voller Überraschungen. Mit ihrem Raumtrenner erschafft sie sie sich ihre Privatsphäre.

Inspiration findet sie vor allem beim Recherchieren, aber unter Druck kommen Julie die besten Ideen: „Ich kreiere am liebsten Sachen, die eine Geschichte erzählen“. Auf den ersten Blick würde man ihren Stil eher in die skandinavische Schublade stecken, doch beim genaueren Hinsehen entdeckt man den Einfluss des ganzen Globus. Sicherlich lässt Conrad auch die Erfahrungen ihrer Praktika in Neuseeland oder Philadelphia in ihre Werke miteinfließen. In Luxemburg arbeitet die Produktdesignerin hauptsächlich mit luxemburgischen Partnern. „Es ist mir sehr wichtig zu wissen, mit welchen Materialien ich es zu tun habe und wer, wie, an den Sachen arbeitet“, erklärt die Designstudio-Geschäftsführerin. Vor allem das Material Tyvek von DuPont hat es ihr angetan. Am Anfang geht man davon aus, dass es sich um Papier handelt, doch es ist Plastik, den Julie auf unterschiedliche Weise für ihre Kreationen nutzt. Mittlerweile kann sie auch auf andere Mitarbeiter zurückgreifen: „Bei jedem Auftrag löse ich einen Dominoeffekt aus und verschaffe anderen Arbeit. In jedem meiner Produkte steckt eine Menge Arbeit, deshalb sind die Stücke auch nicht für jeden erschwinglich.“ Es ist also so wie in der Mode, Handarbeit und Qualität kosten immer mehr als Fließbandarbeit, welche Julie auf keinen Fall unterstützen will. „Ich investiere lieber etwas mehr und weiß, dass unter guten Bedingungen gearbeitet wird“, erläutert Julie.

„Ich provoziere gerne einen kleinen Wow-Effekt beim Entdecken meiner Designerstücke.“

Den Sprung in die Selbstständigkeit bereut der Kreativkopf keine Minute: „Man weiß nie, ob man über die Runden kommt, doch sein eigener Chef zu sein, lohnt sich auf jeden Fall.“ Im Notfall würde Julie eben nebenbei einen anderen Job annehmen. Julie Conrad kümmert sich auch selbst um ihre Finanzen, überhaupt scheint sie ganz genau zu wissen, was sie will: Vom Studienbeginn bis heute wich sie nie von ihrem gesteckten Ziel, Möbel selbst herstellen zu können, ab. Ihr großer Traum ist es, ihre Stücke einmal an Großhändler verkaufen zu können. Daran arbeitet sie jeden Tag hart und zählt nicht die Stunden. Der Tagesablauf von Julie Conrads Leben sieht nie gleich aus, die einzige Konstante: ein rappelvoller Terminkalender. Langweilig wird ihr dabei nie: „Alles ist sehr spannend, deshalb liebe ich meinen Job.“ Jungen Menschen, die sich für ihren Job interessieren, gibt sie den Rat mit auf den Weg: Die Angst zu verlieren, dass etwas schief gehen könnte. Diese Angst scheint Julie Konrad längst hinter sich gelassen zu haben, und sie ist schon voller Vorfreude auf ihre nächsten Projekte.

www.julieconrad.lu

28.12.2016_Editpress_344580

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Author: Philippe Reuter

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