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Spiel, Satz und Sieg

Test: Mario Tennis Aces

Vor 23 Jahren griff Mario zum ersten Mal zum Schläger. Anlässlich des Releases von „Mario Tennis Aces“ organisierten wir kurzerhand ein kleines Turnier, zwischen Redaktions- und WLG-Mitgliedern.

Genre: Sport / Studio & Publisher: Nintendo / Plattform: Nintendo Switch / Preis: 49,99 € / Form: physisch / Altersfreigabe: 0+

1995 startete die beliebte Tennis-Spielreihe, die sich durchaus mit „Match Point“, „Virtua Tennis“ oder „Top Spin“ messen kann. In Europa durften wir den kleinen italienischen Klempner jedoch erst fünf Jahre später in seinem Sport-Outfit auf der Nintendo64 bewundern. 2000 war ebenfalls, wie die wenigsten wissen, das Geburtsjahr von Bösewicht Waluigi – einem Charakter, der explizit für „Mario Tennis“ entwickelt wurde und seitdem, als Sidekick von Wario, nicht mehr aus der Franchise wegzudenken ist. In 18 Jahren hat sich die sportbasierte Reihe optisch ganz schön verändert, doch kann der neueste Teil auch spielerisch mithalten? Wir haben den Test gemacht.

Gegröle und Gelächter ließen nicht lange auf sich warten.

Bevor es losging, hieß es erst einmal: Spielfiguren auswählen. Rund 15 verschiedene sind spielbar. Und obwohl ich als Multimedia-Redakteurin gerne etwas anderes behaupten würde, waren es (vor allem) die anwesenden Frauen, die beim Anblick von Yoshi und Co. „oh, wie süß!“ quiekten. Doch gleich mehr zum Thema Gender und Gaming. Für diejenigen, die das Spiel noch nicht privat angezockt hatten, gab es eine Proberunde. Man will ja fair sein, auch im virtuellen Sport. Schnell wurde klar, dass nichts aus dem gemütlichen Antesten werden würde. Denn bereits in dieser ersten Phase heizten sich die Gemüter auf. Erste Kontrahentinnen waren Martine Decker (Grafikerin) und Isabell Spigarelli (Journalistin), die auf freundschaftlicher Basis gegeneinander antraten, wie man meinen möchte. Aber der Wettbewerbsmodus klinkte sich rasch ein: Gegröle und Gelächter ließen nicht lange auf sich warten. Beide begriffen intuitiv, wie das Spiel funktioniert. Insbesondere bei der zweiten Runde, nach einer kurzen Lernzeit, ging das Temperament mit ihnen durch. „Hier geht es ja wie beim Frauenfußball zu“, hallte aus der hinteren Ecke des umfunktionierten Büros. Ein Match, das für Gesprächsstoff sorgte und jetzt schon in die Annalen der revue eingegangen ist.

Anschließend traten die vier Jungs, Glenn Richardy (WLG), Andy Milani (WLG), Sébastien Gemmer (WLG) und Joaquim Mathias (revue), in Zweierteams gegeneinander an. Mit einer Switch und zwei Kontrollern, sprich vier Joy-Cons, konnte pro-blemlos auf einer Konsole gespielt werden. Naja, fast. Für Kinderhände mögen die Mini-Controller bestens geeignet sein, für die von Erwachsenen sind sie dann doch etwas zu klein. Die vier schenkten sich nichts und versuchten, neben den normalen Schlägen die Extra-Moves (Topspins, Slices, Stern- und Trickschläge) aus. Wer eine realistische Tennissimulation erwartet, ist hier allerdings an der falschen Adresse. Auch wenn sich die Reihe an der Ballsportart orientiert: Es ist immer noch ein Mario-Game.

Dementsprechend existieren verschiedene Sparten, nämlich der Einfach-, Abenteuer-, Turnier-, Mehrspieler- und Realmodus. Doch auch letzterer macht „Mario Tennis Aces“ – obwohl man hier à la Hawk-Eye auf einen Videobeweis zurückgreifen kann, um zu überprüfen, ob der Ball tatsächlich im „Aus“ war – zu keinem „Full Ace Tennis Simulator“. Vielmehr geht es um die Bewegungssteuerung, also das Umfunktionieren des Joy-Cons als Tennisschläger, die das Match actionreicher machen.

Es ist jedoch nicht dieser, sondern der Abenteuermodus, der ordentlich Kontra einstecken muss, weil es schlichtweg an Content und Umfang fehlt. Viel zu schnell ist man durch die „Story“ hindurch und wer den aktuellen Teil mit seinen Vorgängern von der Gamecube oder gar vom Gameboy vergleicht, merkt schnell, dass es sich eigentlich um ein Downgrade handelt, denn es gibt bedeutend weniger Spiel- und Einstellungsmöglichkeiten als bei den Vorgängern der Serie. Einen kleinen Bonuspunkt gibt es allerdings für die Tatsache, dass der Kettenhund erstmals als Tennisprofi spielbar ist.

Wer eine realistische Tennissimulation erwartet, ist hier an der falschen Adresse.

Alles in allem kann man durchaus behaupten, dass „Mario Tennis Aces“ ein sehr zugängliches Game ist, dass der Franchise gerecht wird. Das Gameplay ist easy, leicht zu erlernen und ermöglicht, dass Anfänger und Profis – im Gegensatz zu anderen sportbasierten Videospielen wie etwa „Fifa“ – trotz des unterschiedlichen Levels problemlos miteinander daddeln können. Und obwohl Musik, Geräusche, Farben und Aktionen manchmal an Reizüberflutung grenzen, ist es ein Spiel, das schnell zusammenschweißt – auch wenn man eigentlich gar kein Interesse an Tennis hat.

Fotos: Nintendo, Françoise Stoll

Françoise Stoll

Journalistin / Gastronomie

Ressorts: Lifestyle, Multimedia

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Author: Martine Decker

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