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Spielerisch zum Erfolg

Den ganzen Tag knobeln, würfeln, rätseln – das ist der Beruf des Spieleredakteurs. Philippe Schmit ist einer von ihnen. Er hat das Spiel des Jahres mit ausgearbeitet und erzählt, wie Brettspiele entstehen – und was es braucht, um den Job zu machen.

Pictures, so heißt das Spiel des Jahres 2020. An dessen Entwicklung war der Luxemburger Philippe Schmit beteiligt, er verdient seinen Lebensunterhalt nämlich mit Spielen. Quasi. Seit anderthalb Jahren arbeitet der 34-Jährige beim PD-Verlag in Hamburg, der das Spiel herausgibt. Der Weg dorthin ist so gelaufen wie bei vielen Spieleredakteuren.

Während seiner Studienzeit (Philosophie und Geschichte) hat er die Welt der Brettspiele neu entdeckt, es folgten Volontariate und Praktika bei unterschiedlichen Herausgebern, unter anderem beim Ravensburger Verlag. Dann steht fest: Das ist es. Bereits als Kind hat er Gemeinschaftsspiele geliebt, das sei eigentlich auch die wichtigste Voraussetzung, um den Job überhaupt machen zu können, sagt er. Und der ist vielfältiger, als man annehmen könnte. In dem kleinen Betrieb, wo er jetzt arbeitet, werden Bücher und Brettspiele herausgegeben, er ist, da der Verlag ein eher kleiner ist, an sämtlichen Produktionsschritten beteiligt. Da seien auch weniger lustige Sachen dabei, wie er sagt: „Ich muss auch Händler kontaktieren, Rechnungen erstellen und mich mit Druckereien und Materialherstellern herumschlagen. Das kann schon anstrengend sein.”

PR2_4175-KopieEr lacht und erklärt: „Meine Hauptaufgabe ist aber schon die Entwicklung von Spielen und das macht Spaß.” Anhand von Pictures erklärt er den Ablauf. Zunächst einmal wird ein sogenannter Prototyp, der entweder von Privatpersonen oder Profis eingereicht wird, getestet. Bei Pictures war das ein bisschen anders. „Eine Kollegin hatte die Ur-Version von Pictures bei einem Spieleerfinder-Wettbewerb entdeckt und so fand es seinen Weg in die Redaktion“, erzählt er. Anschließend wurde das Spiel auf Herz und Nieren überprüft. „Beim Testen versuchen wir immer, ein paar Fragen zu beantworten“, sagt er, etwa: Ist das Spiel für eine große Zielgruppe geeignet? Ist es einfach aufzubauen? Funktioniert das Prinzip? Sind die Regeln leicht zu verstehen?

Bereits als Kind hat Philippe Schmit Gemeinschaftsspiele geliebt, und das ist eigentlich die wichtigste Voraussetzung, um den Job überhaupt machen zu können.

PR2_4177-KopieJe mehr dieser Kriterien erfüllt sind, desto höher die Chancen, dass es vermarktet werden kann. Dann geht es ans Eingemachte, mit „nur ein bisschen spielen”, ist es nicht getan. Die Redakteure sind verantwortlich für die Wahl der Rohmaterialien und für die Zusammenstellung der Spielregeln. Mit Grafikern und Illustratoren wird am Layout gearbeitet. Aber vor allem: Sie gestalten das Konzept so, dass es den oben genannten Kriterien entspricht und nutzerfreundlich ist. Die ursprüngliche Version von Pictures etwa war leicht anders als in der veröffentlichten Version. „Um das Spiel spannender zu gestalten und eine größere Zielgruppe zu erreichen, haben wir es ausgebaut und leicht verändert. Waren es anfangs vier Fotokarten, die ausgelegt und aus der Erinnerung nachgebaut werden sollten, liegen nun sechzehn Bilder aus – und ein Chip entscheidet, welches man nachbauen soll”, erklärt er. Die einzelnen Schritte sind von der Brettspielart abhängig, vom Prinzip her seien die Prozedere aber immer dieselben.

Manchmal muss ein Spieleredakteur seine Arbeit auch mit nach Hause nehmen, die Spiele werden nämlich nicht nur im Verlag, sondern auch im privaten Kreis getestet. Dies, um herauszufinden, wie es ankommt und ob vielleicht noch Verbesserungsbedarf besteht. Für Philippe Schmit aber kein Problem – er mag seinen Job, und manchmal kommen auch beachtliche Erfolge dabei raus. So, wie bei Pictures.

Wir wussten, dass es ein starkes Spiel ist, aber als wir von der Nominierung erfahren haben, zweifelten wir, ob es wirklich reicht. Die Auszeichnung hat es aber bestätigt. Philippe Schmit, Spieleredakteur

Dass Pictures zum Spiel des Jahres gekürt wurde, das sei schon ein gutes Gefühl gewesen. „Wir wussten, dass es ein starkes Spiel ist, aber als wir von der Nominierung erfahren haben, zweifelten wir, ob es wirklich reicht. Die Auszeichnung hat es aber bestätigt”, erzählt er. Das Spiel des Jahres wird nämlich an das Produkt gegeben, das die Brettspielwelt in dem jeweiligen Jahr weitergebracht hat. Es ist aber auch nicht das erste Spiel des Jahres, das der Luxemburger mitentwickelt hat. Auch an der Entstehung von Azul (Plan B Games), das 2018 mit dem begehrten Preis gekürt wurde, war er beteiligt.

PR2_4178-KopieDoch das Team ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Derzeit arbeitet es an Präsentationen für die „SPIEL”, die Messe wird dieses Jahr rein digital stattfinden. Wegen Corona. Den beruflichen Alltag habe die Pandemie nicht wirklich verändert, er habe schon zuvor die Gelegenheit gehabt, im Home-Office zu arbeiten. „Eine digitale Messe ist aber schon eine ganz neue Herausforderung”, erzählt er. Für die Teilnahme an der „SPIEL.digital”, die vom 22. bis zum 25. Oktober abgehalten wird, müssen die Spiele auf speziellen Online-Plattformen hochgeladen und angepasst werden, damit Interessierte sie virtuell ausprobieren können. Daneben führen sie Interviews mit Autoren und bereiten Präsentationen vor. Anders ist aber noch etwas: „Normalerweise stellen wir jedes Jahr ein neues Spiel auf der Messe vor, Corona-bedingt präsentieren wir dieses Jahr aber Pictures nochmal, weil die Wahl zum Spiel des Jahres ein bisschen untergegangen ist”, erzählt er. Zwei neue Brettspiele sowie eine Erweiterung für Pictures sind ebenfalls in der Mache, Details kann er aber noch nicht verraten – vorgestellt werden die Neuheiten nächstes Jahr. Bis dahin aber gibt es noch viel zu tun, spielen zum Beispiel.

Text: Cheryl Cadamuro / Fotos: Philippe Reuter, PD-Verlag

Pictures

Alter: ab 8 Jahre
Spieleranzahl: für 3 – 5 Spieler
Spieldauer: ca. 30 Minuten
Kategorie: Familienspiele
Verlag: PD Verlag
Preis: 38,80 €

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Author: Philippe Reuter

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