Home » Sport » Spirit of the Game

Spirit of the Game

Sonne, Strand und ein gelbes Ding aus Plastik, das man sich zuwirft. Frisbee spielen hat nichts mit Sport zu tun? Ultimate deLux, der einzige Luxemburger Frisbeeverein, wirft scheibenweise Gegenargumente.

Eine Schar Jugendlicher spielt Fußball auf dem frei zugänglichen Rasenplatz des Lycée Michel Lucius, als ich mich mit Ole Metzdorf treffe. Der Liebe wegen hat es den 28-jährigen Deutschen nach Luxemburg verschlagen. Frisbee als Sport, oder genauer gesagt Ultimate Frisbee, hat er bei einem Auslandssemester in Singapur kennengelernt. „Mich fasziniert, dass man, egal wo man hinkommt, mit der ‚Eintrittskarte‘ Frisbee immer angenommen wird und sofort auf Menschen trifft, die die gleiche Wellenlänge haben.“ Der Chemieingenieur aus Niedersachsen will mithelfen, mehr Leuten seine Sportart, bei der man sich genügend auspowern kann, schmackhaft zu machen.

Er erklärt mir, als völlig Ahnungslosen, die wichtigsten Spielregeln. Es wird mit einer 175 Gramm leichten und 28 Zentimeter großen Scheibe auf einem rechteckigen Feld, das etwa 110 Meter lang und 37 Meter breit ist, gespielt. Sieben Spieler/innen sind pro Team im Einsatz. Ziel des Spiels ist es, die vom Mitspieler geworfene Frisbeescheibe, ähnlich wie beim Rugby, in der gegnerischen Endzone am Ende des Feldes zu fangen. Dafür gibt es dann einen Punkt. Sieger ist, wer als erster 15 Punke auf seinem Konto hat. Ein Spieler, der die Scheibe gefangen hat, darf sich nicht von der Stelle bewegen. Er hat zehn Sekunden Zeit, um sie an einen Mitspieler, mit einem mehr oder weniger gekonnten Wurf, weiterzugeben. Neben dieser Variante gibt es noch zahlreiche andere, wie etwa Weitwurf, Zielwurf oder Freistil-Frisbee, bei denen man sein Können mit der Scheibe unter Beweis stellen kann.

„ Mich fasziniert, dass man, egal wo man hinkommt, immer mit der Eintrittskarte Frisbee angenommen wird“ Ole Metzdorf

Dort, wo eben noch gekickt wurde, füllt sich der Trainingsplatz nach und nach mit Frisbee-Aficionados. Umkleidemöglichkeiten gibt es keine. Es ist eine bunte Gemeinschaft, die sich hier dem Ultimate Frisbee verschrieben hat. Michele aus Italien, Omar aus Mexiko, Braam aus Namibia, Bryan aus Amerika, Swantje aus Deutschland, Gregor aus Österreich, Mathieu aus Frankreich, Lautaro aus Argentinien und Hélène Massard aus Luxemburg. Die 33-jährige Juristin schätzt den multikulturellen Touch an ihrem Verein, zu dem sie durch ihre Freundin Anne Haag gestoßen ist. Er ist für sie eine Plattform zum Austausch vieler Kulturen. So nimmt sie gerne mal hausgemachte Cookies entgegen und erklärt ihren amerikanischen Freunden im Gegenzug, wie man eine gute „Bouneschlupp“ zubereitet. Mit dem argentinischen Mannschaftskollegen vertieft sie im Moment ihre Spanischkenntnisse. „In- oder Outdoor, bei Sturm, Matsch oder Schnee zu spielen, fasziniert mich beim Frisbee am meisten. Der oft zitierte Team Spirit und die Tatsache, dass man in gemischten Teams spielen kann, sind weitere Argumente, die für diesen Sport sprechen.“ Schade findet sie nur, dass sich nicht mehr Frauen dem Frisbee zuwenden. Berührungsängste hat Hélène keine. Zum einen ist der direkte Körperkontakt nicht erlaubt, zum anderen wird beim Frisbee Fairness, wie bei keiner anderen Sportart, sehr groß geschrieben. Der Sport kommt ohne Schiedsrichter aus. Streitigkeiten gibt es kaum. Unstimmigkeiten werden von den beteiligten Spielern gleich beigelegt.

Das schätzt auch Thierry Fulconis an der Sportart, die Luxemburg noch nicht ganz erreicht hat. Der Franko-Amerikaner, der 2005 den Verein mitgründete und ihn präsidiert, lässt mit seinen Leuten nichts unversucht, um Ultimate Frisbee weiter bekannt zu machen. Sie setzen sich unermüdlich ein, um ihren Sport an der Uni Luxemburg, den Schulen und in Jugendherbergen zu verbreiten. „Wir wollen mit hochklassigem Sport werben, damit die Leute erkennen, dass Frisbee sich nicht auf das Spielen am Strand oder mit dem Hund beschränkt, sondern eine technische, intensive und strategische Sportart ist.“ Sorgen bereiten den Verantwortlichen jedoch die mangelnden Infrastrukturen. Finanzielle Hilfe hat es bislang auch noch nicht gegeben. Aber der gebürtige New Yorker gibt nicht auf, ist positiv gestimmt und hofft, dass die Bekanntheitswelle, wie sie etwa in Deutschland zurzeit herrscht, auch bald in Luxemburg ankommt.

Mehr Infos unter www.ultimatedelux.org

Text: Nico Tedeschwilli (revue@revue.lu) / Fotos: Hervé Montaigu/Editpress, Nico Tedeschwilli

Frisbee

In den 1940er Jahren begannen Kinder mit weggeworfenen Tortenformen der Bäckerfirma Frisbie Pie Company an der amerikanischen Ostküste zu spielen. Walter Fredderick Morrisson griff die Idee auf und brachte 1948 erstmals eine Kunststoffscheibe auf den Markt. 1964 wurde mit der International Frisbee Association (IFA) der erste Verband gegründet und 1968 stellten Studenten der Columbia High School in New Jersey Ultimate Frisbee als Mannschaftssportart der Öffentlichkeit vor. Heute wird es von rund fünf Millionen Menschen in mehr als 40 Ländern gespielt.

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?