Spiritus Sancti

Home » Gastro » Spiritus Sancti

Mit seiner Brennerei „Tudorsgeeschter“ weckt Georges Schiltz nun schon seit fünf Jahren die Lebensgeister. Was früher eine Tradition war, ist heute eher Mangelware. Wie beliebt sind Schnäpse und Brände überhaupt noch im modernen Luxemburg?

Text: Françoise Stoll (francoise.stoll@revue.lu) / Fotos: Leslie Schmit, Tudorsgeeschter, Françoise Stoll, Ivan Smuk (Fotolia)

Als wir auf dem alten Bauernhof, unweit des Tudor-Museums in Rosport, ankommen, fragen wir uns eigentlich nur eines: Sind wir hier richtig? Ein Flügel des Gebäudes liegt in Schutt und Asche. „Das ist meine zukünftige Brennerei“, erklärt Georges Schiltz mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Momentan werkelt er in einem überschaubaren Zimmer am anderen Ende des Anwesens herum. Dort sind seine Brennkessel untergebracht, dort produziert er den Schnaps, aber auch Säfte, Sirupe, Liköre und Weine. Mit seinen Produkten bringt er die Fruchtaromen zur Geltung, egal in welcher Form.

„Ich trinke keine Obstbrände, die sind mir zu stark, kratzen im Hals“ – das bekommt der Jungunternehmer häufig zu hören. Ein Vorurteil, seiner Meinung nach, denn das volle Potenzial luxemburgischer Spirituosen wird gerade erst (wieder-)entdeckt. Der 28-Jährige experimentiert gerne. Nach Lust und Laune, könnte man meinen, doch er hat das Destillieren im Blut. Das Metier geht auf eine lange Familientradition, bis auf den Ururgroßvater, zurück. Ganz normal im Müllerthal, der Obstregion des Großherzogtums. „Früher stellte jeder Bauernhof seinen eigenen Schnaps her“, erklärt Georges Schiltz, „alleine Rosport besaß siebzehn Brennereien.“

Vom verstaubten Image der „Drëpp“ kann man sich so langsam verabschieden.

Um seinem Projekt gerecht zu werden, studierte er Weinbau und Önologie in Geisenheim, parallel zum Betrieb. Dabei hat sich seine Faszination zum Wein und der komplexen Welt der Früchte weiter entfaltet. Das Destillieren ist vom Prinzip her zwar recht einfach, dafür ist immer mit Überraschungen zu rechnen. Nicht nur die Inhaltsstoffe des Obstes variieren je nach Saison. Selbst bei der Gärung sind die Faktoren unstetig. „Ein guter Wein oder ein guter Brand – beides braucht viel Zeit“, so Schiltz. Die Natur sei unberechenbar, sie passe in keinen Businessplan, resümiert er treffend.

Der Urvater: Durch Henri Tudor (1859-1928) wurden die Einwohner von Rosport als "Tudorsgeeschter“ bezeichnet. Schiltz lieh sich den Namen für seinen Betrieb aus.

Der Urvater: Durch Henri Tudor (1859-1928) wurden die Einwohner von Rosport als “Tudorsgeeschter“ bezeichnet. Schiltz lieh sich den Namen für seinen Betrieb aus.

Der 28-Jährige träumt von mehr als einer klassischen Brennerei. Aus der Dauerbaustelle soll irgendwann eine interaktive Werkstatt für Genießer und Hersteller in spe werden. Vom verstaubten Image der „Drëpp“ kann man sich so langsam verabschieden. In den letzten Jahren erlebte sie bereits einen kleinen Aufschwung, wurde auf (Mittelalter-)Märkten wieder populär. Das moderne Etikettendesign und die innovativen Namen der „Tudorsgeeschter“ versprechen jedenfalls Veränderung. Was der Destillateur in seinem Repertoire hat, heißt „Speedy“, „Holua“ und „Big Äppel“. Hinter jedem Namen steckt eine Idee.

„Die Natur ist unberechenbar, sie passt in keinen Businessplan.“ Georges Schiltz

tudorsgeeschter-lu-georges-schiltz-03

Er hat sich getraut: Nach dem Geografie-Studium verwirklichte Georges seine Vision von der eigenen Firma und spezialisierte sich auf Weinbau & Co.

Genauso verhält es sich bei der neuen „Fru“-Serie. Die drei Buchstaben wurden nicht zufällig ausgewählt, sondern bedeuten Frucht, Freude (im Dialekt) und Genuss (auf Latein). Das Produktspektrum umfasst Weine, Fruchtsäfte und Tafelobst. Vor der Präsentation des 2014er-Jahrgangs im Juni wusste niemand vom diesem kleinen Sortiment an Mosel- und Sauerweinen. Und auch in dieser Sparte gilt: Probieren geht über studieren. So entwickelte der gebürtige Rosporter diesen Herbst einen ungeschwefelten „Federroten“ aus Pinot Noir-Trauben wie einen echten Wein aus vergessenen Apfelsorten, der weder Viez, noch Äbbelwoi ist. Bis er seine Community rund um die Destillation und Vinifikation aufgebaut hat, dürfte es noch eine Weile dauern. Aber hey, das Leben ist eine Baustelle.

tudorsgeeschter-20-of-1

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?