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Sport im Doppelpack

Laurent und Lex Reichling sind Zwillinge, die jeweils in ihrer Sportart Gas geben. Während Ersterer sich eher dem Laufen verschrieben hat, sattelt der Zweite das Rad. Ein Porträt.

Venus und Serena Williams, Michael und Ralf Schumacher, Karl-Heinz und Michael Rummenigge oder hierzulande Frank und Andy Schleck sind Geschwisterpaare, welche in ihrer jeweiligen Sportart ein unumstrittenen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Zwillingspaare sind in dieser Liste Fehlanzeige. Doch Laurent und Lex Reichling sind Zwillinge und in der Luxemburger Sportwelt keine unbekannten Gesichter.

„In unserer Kindheit haben wir beide Fußball gespielt“ erklärt Lex. Und weil immer ein gleichaltriger Mitspieler bereitstand, hätten beide oft auf dem Platz in der Nähe des Elternhauses gekickt und waren nicht unbedingt darauf angewiesen, dass der ein oder andere Freund Zeit zum Bolzen hatte. „Im Alter von zwölf Jahren konnten wir aufgrund von schulischen Verpflichtungen nicht mehr regelmäßig am Fußballtraining unseres Vereins teilnehmen und sind dann beide im Alter von 14 Jahren beim Rennradfahren gelandet“, führt Lex aus. Und auch im Sattel genossen die beiden heute 27-Jährigen die Tatsache die Trainingseinheiten gemeinsam bestreiten zu können. Vor allem, weil man immer jemand dabei habe, mit dem man sprechen oder scherzen könne, und nicht zuletzt würde es dazu führen, dass man sich gegenseitig hochpushen würde. Schließlich möchte man seinem eigenen Zwillingsbruder nicht unbedingt zugestehen, dass er stärker oder schneller ist. Langweilig würde es deshalb beim Training als Duo nie werden.

Diese Verbindung der beiden Brüder hat dazu geführt, dass beide sogar eine erste gemeinsame Wohnung gekauft hatten. Obwohl mittlerweile jeder in seine eigene gezogen ist, pflegen die beiden regelmäßigen Kontakt. „Wir sehen uns nach wie vor mindestens einmal die Woche, um gemeinsam zu essen oder etwas zu unternehmen. So manch einer wird diese enge Verbindung zwischen uns beiden wohl nicht so ganz recht verstehen“ sagt Laurent. So wundert es kaum, dass auch der Freundeskreis der Reichling-Zwillinge fast identisch ist. Beide haben übrigens das gleiche Studium absolviert und arbeiten auch beide im Bildungswesen.

Langweilig wird es beim Training als Duo nie.

F91A6655-KopieDie gemeinsamen Ausfahrten auf dem Rad sind allerdings seit geraumer Zeit rarer geworden, denn Laurent hat während seines Studiums seine Liebe zum Laufen entdeckt. „Wie jeder weiß, benötigt der Radsport ein sehr zeitintensives Training. Ich konnte und wollte diese Zeit einfach nicht mehr aufbringen und habe mich umorientiert“, weiß Laurent und hängt an, dass er ziemlich schnell mit positiven Resultaten aufwarten konnte. Unter anderem als Vizemeister im Marathon und im Trail-Laufen. Neben 10-Kilometer-Läufen und Semi-Marathons liegt sein Fokus vor allem auf den Meisterschaften im Marathon. In den Wintermonaten nutzt er die Cross-Läufe, um sich auf die kommende Saison vorzubereiten. „Laufen ist demnach nicht viel weniger zeitintensiv“, gesteht er lachend.

Lex sitzt nach wie vor am liebsten auf dem Rad. Neben dem Fokus im Winter auf die obligatorischen Cyclocross-Rennen ist das Hauptziel auf der Straße vor allem das Etappenrennen „Flèche du Sud“. Neben dem Training und dem Sport würde nicht ganz viel Zeit bleiben um anderen Hobbies nachzugehen, mal mit Freunden essen gehen oder mit dem Hund spazieren gehen, sei aber durchaus drin.

„Das ist auch ein Grund, wieso ich dies nicht ewig auf kompetitivem Niveau machen werde. Ich glaube, irgendwann mit Anfang dreißig werde ich wohl aufhören mit den Wettkämpfen“, sagt Laurent und auch Lex glaubt, dass er wohl auch mit Mitte dreißig das kompetitive Radfahren ad acta legen wird. Bis dahin wollen beide sich aber noch voll reinhängen. Und sogar anderen will das Brüderpaar vor allem die Freude am Sport, und insbesondere am Radfahren vermitteln. Zeitgleich wird noch etwas für den guten Zweck gemacht. Bei der zweiten Auflage des „Taste on Wheels“ wurde am 14. September wieder fleißig Geld für die Recherche gegen Krebs gesammelt.

Das Konzept, welches das Brüderpaar zusammen mit den Restaurant-Betreibern „Concept and Partners“ auf die Beine gestellt hat, wendet sich an Sportler von verschiedenen Levels und die Route führt von einem Restaurant von „Concept and Partners“ zu einem anderen und wieder zurück. „Wir hatten eigentlich angefragt, ob „Concept and Partners“ uns nicht sponsern möchte. Das ist zwar mittlerweile der Fall, kam aber am Anfang nicht zustande. Aber die Idee von Taste on Wheels wurde geboren“ führt Lex aus. Dieses Jahr ging es von Mersch nach Grevenmacher und wieder zurück. Drei Gruppen mit unterschiedlich angepeilten Durchschnittsgeschwindigkeiten, Höhenmetern und zwei verschiedenen Strecke, konnten bewältigt werden, so dass jeder sein Glück finden konnte.

„Es spricht nichts dagegen, dieses Event regelmäßig zu wiederholen, schließlich sind wir in Sachen Einschreibungen immer relativ schnell ausgebucht“, sagen beide. „Es bringt Menschen zusammen, um Fahrrad zu fahren ohne den kompetitiven Aspekt“, umschreibt Lex eines der Elemente, wieso „Taste on Wheels“ diesen Anklang findet. „Nicht zu vergessen, dass wir dieses Jahr sehr viel Glück mit dem Wetter hatten“, hängt Laurent an. Einer dritten Auflage des Charity-Sport-Events im kommenden Jahr dürfte also nicht sehr viel im Weg stehen.

Fotos: Rom Helbach

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Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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