Euro Meet
Im eigenen Stil
04.02.2012, 15:45 –
Täglich trainieren die schnellsten Schwimmer in den Katakomben der Coque. Mit dem untrüglichen Killerinstinkt und Schwimmtalent einer Bleiente nimmt sich Super Chrëscht dort Laurent Carnol zur Brust.
Olympische Idee: Da niemand seine Olympiabewerbung haben will, strickt sich das 2009 geborene Alter Ego von Chrëscht Beneké eine andere Herausforderung mitsamt eigenem olympischen Motto: „Dagegen sein ist alles!“ Gegen die Athleten mit Olympiachancen wird die hoffnungslose REVUE-Schöpfung Super Chrëscht antreten und sie bis zu den Spielen in London auf die etwas andere Art vorstellen.
Raphaël Stacchiotti übergibt mir seinen alten, verbotenen Wunderanzug mit den Worten: „Dee schenkt dir eng hallef Sekonn op de 50 Meter.“ Brauch ich, nehm ich, danke! Trotz der Kritik von Nationaltrainer Ingolf Bender: „Schwimmen wurde ein Windhundrennen nach dem schnellsten Material, jetzt gilt allein wieder die beste sportliche Leistung. Sie haben die Technik egalisiert und Kraft war wichtig.“ Ich mag Hunde, und Kraft statt Technik klingt verlockend. Abgesehen davon habe ich keine Lust, mir mit zweimal Training am Tag etwas so Ominöses wie Wasserlage und -gefühl anzueignen. Lieber würge ich mich eine Viertelstunde lang in den engen Wunderstoff, um einen Sekundenbruchteil zu gewinnen. Auch das Wassergefühl findet sich besser mit großen Paddeln an den Händen und Flossen an den Füßen.
„ Es gilt allein die beste sportliche Leistung.“ Nationaltrainer, Ingolf Bender
„Du muss fillen, wous de muss zéien, wou den Drock ass, fir virun ze kommen“, erklärt Laurent Carnol das Geheimnis vom schnellen Schwimmen. Brustschwimmen war für mich bisher die effektivste Art, mein Ertrinken zu vermeiden, doch er bricht mit meinen Gewissheiten: „Technesch ass Brasse dat Schwéierst wells de permanent brems a beschlainegs. Ee Schwëmmer muss säi Stil fannen fir wéineg ze bremsen an gläichzäiteg de gréissten Ofdrock ze hunn.“ Also besser im freien, wilden Stil druchs Wasser pflügen, schließlich tippen trotz sämtlicher Hilfsmittel sowohl Ingolf Bender als auch Raphaël Stacchiotti auf den schnellsten luxemburgischen Brustschwimmer aller Zeiten. Vor dem Euro Meet hat die Trainingsgruppe gezielt den Trainingsumfang reduziert, aber die Geschwindigkeit erhöht. Zum ersten großen Saisonhöhepunkt steuern sie mit diesem „Tapern“ punktgenau auf die Topform zu. „Das Euro Meet ist zu Hause eine große Chance, die olympische Norm zu schwimmen. Das heißt aber bei allen Bestzeit und Landesrekord“, weiß Ingolf Bender um die Schwierigkeiten für seine Schwimmer. Auf sein Pfeifen hin schäumt das vorher so trügerisch ruhige Wasser, Wellen branden, die Athleten schlagen mit den Beinen, winden sich durchs Wasser und kraulen genau nach Plan. Sie versuchen mich wohl zu beeindrucken, es gelingt. Am Ende vom Training steigt die Spannung, jedenfalls bei mir. Neben mir auf dem Startblock wartet ein lockerer Laurent auf den Startpfiff. Ohne Sturz komme ich vom Block, die Flossen geben richtig Vortrieb und mit dem Anzug liege ich schön flach auf dem Wasser. Es fühlt sich richtig schnell an, hey, Schwimmen kann Spaß machen! Ich suche Laurent, suche das Wassergefühl und vergesse das Atmen. Die Beine werden schwer, die Schultern melden sich, wieso müssen schlappe 50 Meter im trägen Element Wasser so anstrengend sein? Nach dem Anschlagen huste und pruste ich mich aus. Raphaël Stacchiotti grinst auf der Bahn neben mir, als nächstes gratuliert ein lächelnder Laurent Carnol. Gewinnen fühlt sich gut an. Mit seinen 30,11 ist er fit für das Euro Meet in wenigen Tagen. Falls die Jury meine Kleiderordnung und den unorthodoxen Stil akzeptiert, sollten auch meine 29,62 fürs Finale reichen.



Kommentare