Euro Meet

Im Glanz der Stars

Einen starken Auftritt der einheimischen Schwimmer toppen die beiden Aushängeschilder Laurent Carnol und Raphaël Stacchiotti mit Siegen und Meetrekorden gegen internationale Prominenz.

 Ein paar Techniker wickeln einige Kabel auf, Freiwillige rollen letzte Werbebanderolen zusammen, eine letzte Bahnmarkierung dümpelt trist im unschuldigen Nass. Nur wenige Schritte entfernt im aufgeregten, euphorischen Stimmengewirr des Restaurants „La Coquille“ erahnt man, welches in Luxemburg so nicht gekannte Fest des Schwimmsports hier noch vor einer Stunde tobte.

Auch ohne zu glänzen, sorgte der Superstar des Schwimmsports Ian Thorpe für ein volles Haus und leuchtende Augen bei den begeisterten Kindern, Jugendlichen und einigen Aktiven, die zwischendurch zur stampfenden Musik tanzen. Angepeitscht vom zahlreichen Publikum schwimmt Raphaël Stacchiotti zum Abschluss des Euro Meet noch einen weiteren Landesrekord auf den 100 Meter Freistil. Zeitgleich und unmittelbar neben der Ikone Ian Thorpe. „Ee grousse Merci un de Public. Déi huet een esou hard héieren, dat huet enorm gepusht“, bedankt sich zwischen fleißigem Autogrammeschreiben auf Trikots und Kärtchen ein letztlich doch glücklicher Raphaël Stacchiotti für das „Top-Weekend“. Am Vortag überwog noch die Enttäuschung trotz einer famosen Leistung: Auf seinen bevorzugten 200 Meter Lagen schwimmt er in sehr starken 2’00“22 Minuten Meet-Rekord. „Ech wor gëscht e bëssi ze nervös an hunn mech selwer ze vill ënner Drock gesat. Ech duecht, wann ech mech e Freideg op den 400 Meter konnt ëm zwou Sekonne verbesseren, packen ech op den 200 Meter déi hallef Sekonn bis zur A-Norm.“ Getragen von einem euphorischen Publikum scheitert er am Samstagabend nur um winzige fünf Hundertstel an diesem vor allem symbolischen Wert. Da das Starterfeld in London mit den besten B-Normen aufgefüllt wird, muss er bereits fast sicher englische Vokabeln pauken.

Laurent Carnol war der Schuldige, der kurz zuvor im starken 200 Meter Brustfinale an der Spitze liegend erst für Begeisterungsstürme, dann ungläubiges Staunen und letztlich diese Euphorie sorgte. „Ech sinn vun Ufank un dobäi, mä hunn esou eppes nach ni erlieft. Et wor genial, esou vill Leit. Du hues gemengt, et géing explodéieren“, ist auch die erfahrene Christine Mailliet, die im Olympiajahr mit neuem Landesrekord aus einer Verletzungsphase auftaucht, vom Publikum auf den erstmals ausverkauften Rängen restlos begeistert. Ähnlich äußert sich Nationaltrainer Ingolf Bender: „Ich habe bereits die erste Auflage erlebt, aber was hier in den letzten drei Jahren entstanden ist, ist gigantisch, Wahnsinn.“ Mit Freudentränen in den Augen umarmt die Präsidentin des Schwimmverbandes Nancy Kemp-Arendt Laurent Carnol noch im Becken. Er unterbietet die A-Norm um zwei Sekunden, übertrifft damit sämtliche Erwartungen. Bei den letzten Olympischen Spielen in Peking und auch bei den letztjährigen Weltmeisterschaften hätte diese Zeit sogar für das A-Finale gereicht. Erst 13 Schwimmer weltweit waren bisher auf dieser Distanz schneller. Als momentan Führender der aktuellen Weltrangliste und mit seiner Wiederholung der besten Leistung des Euro Meet nach FINA-Punkten (internationaler Schwimmverband) kann er sich mit breiten Schultern in Ruhe auf den sportlichen Höhepunkt in London vorbereiten. Auch wenn der zurückhaltende Athlet unmittelbar nach dem Rennen sichtlich die Fassung verloren hat: „Ech weess net wat ech soe soll. Ech sinn iwwerglécklech. Ech sinn qualifizéiert fir London an ënnert 2’10. Wow! Wow!“

 

STECKBRIEFE im Überblick

Laurent Carnol
Spitzname: Larry (in UK)
Geburtsdatum: 17. Oktober 1989
Maße: 1,86 m, 81 kg
Wohnort: Préitzerdaul
Schulbildung: Chemiestudent in Loughborough
Leistungssportler seit: 10., 11. Lebensjahr
Vorbilder: Rafael Nadal, Kosuke Kitajima
Freizeit: mit Freunden Filme und Fußball schauen, Playstation spielen
Motto: Pain is temporary, pride is forever
Stärke: Ausdauer, mental und mich quälen können
Schwäche: Wende, Egoismus
Größter Erfolg: 5. der EM (Sieg 1/2 Finale) Halbfinale WM
Ziel für London: Halbfinale der 200 m


Jean-François Schneiders
Spitzname: Fränz
Geburtsdatum: 22. Juni 1990
Maße: 1,85 m, 78 kg
Wohnort: Nocher
Schulbildung: Student (Génie civil), uni.lu
Leistungssportler seit: 10. Lebensjahr
Vorbilder: Michael Phelps
Freizeit: mit Freunden ins Kino, unter Leute gehen
Motto: Go big or go home
Stärke: Kombination aus Sport und Studium funktioniert, gutes Zeitmanagement
Schwäche: Trainingsmotivation
Größter Erfolg:* 2008 Sechster der Jugend-EM über 50 m Rücken, Qualifikation zur WM in Shanghai
Ziel für London: einfach nur nach London, wird aber schwer


Raphaël Stacchiotti
Spitzname: King Fish
Geburtsdatum: 9. März 1992
Maße: 1,83 m, 78 kg
Wohnort: Bissen
Schulbildung: 1ère Sportlycée (Splitting)
Leistungssportler seit: 9. Lebensjahr
Vorbilder: Michael Phelps
Freizeit: zu Hause relaxen
Motto: Wie Laurent, 2008 im olympischen Dorf von einem dänischen Plakat kopiert
Stärke: zielstrebig und verlässlich, gebe nicht auf bis ich das Ziel erreiche
Schwäche: faul (Schule)
Größter Erfolg: Peking, 2-facher Junioren-Europameister
Ziel für London: Halbfinale


Sarah Rolko
Spitzname: keiner
Geburtsdatum: 22. Juni 1994
Maße: 1,78 m, 68 kg
Wohnort: Luxemburg
Schulbildung: 2e/3e Sportlycée (Splitting)
Leistungssportlerin seit: 12. Lebensjahr
Vorbilder: viele, Natalie Coughlin, Ryan Lochte
Freizeit: wenig, etwas Kino und unterwegs sein
Motto: Never give up, even if it seems hopeless
Stärke: Ich gebe nie auf
Schwäche: Brustschwimmen, im Training noch zum Schluss beißen
Größter Erfolg: 2009 Jugend-EM in Prag mit Landesrekorden
Ziel für London: heimlicher Traum, den ich weiter probiere

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Im Glanz der Stars

Roland Miny

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