Wintersport

Lange laufen

Anfangs ist Kari Peters Leichtathlet. Doch immer schon begeisterte ihn der nordische Skisport. In Oberstdorf lebt der 26-Jährige konsequent seinen Traum einer Sportlerkarriere.

 Es herrschen besonders kalte Tage in ganz Europa, als Kari Peters Mitte jenes Monats November 1985 auf die Welt kommt. Ist das vielleicht der Grund dieser bedingungslosen, ehrgeizigen Leidenschaft für den Ausdauersport im kalten Weiß? Oder liegt es vielleicht doch in der Familie? Den absolut sportbegeisterten Vater Nico Peters kennt man eigentlich als früheren Leistungssportler in der verflüssigten Form, auf dem Wasser, als Kajaksportler, allerdings: „Niewent der Liichtathletik sinn ech och ëmmer zwou, dräi Woche mat der Famill ob Oberhof an den Thüringer Wald gefuer. De Papp huet do op Laanglaf-Ski fir de Kajak trainéiert“, erzählt Kari Peters.

Skilanglaufen ist mit Schwimmen und Rudern eine der komplettesten Ausdauersportarten, sämtliche große Muskelgruppen werden trainiert. Im Winter betreiben einige prominente luxemburgische Ausdauersportler Grundlagentraining auf den langen Latten. Als ein junger Kari Peters seine ersten Nachwuchstitel bei den nationalen Meisterschaften sammelt und bereits als 17-Jähriger deutlich schneller als die Erwachsenen läuft, dominiert dort der Ironman der Neunziger und frühen Nuller Jahre Dan Dethier die Radsportprominenz. Während sich auch sein jüngerer Bruder Neil als Mitglied des Nationalkaders für den Triathlonsport begeistert, geht Kari Peters jedoch früh einen eigenen, ungewöhnlichen Weg und schwärmt noch heute von den Kindheitserinnerungen: „Zu Oberhof ass Laanglafen a Biathlon extrem populär, dat huet mech schonns deemools faszinéiert.“ Mit 16, 17 Jahren nimmt er an Volksläufen teil, begeistert sich immer mehr für den auch technisch anspruchsvollen Ausdauersport. Um den eigenen Ansprüchen überhaupt gerecht werden zu können, unternimmt der knapp 18-Jährige im Winter 2003/04 einen großen Schritt und wechselt an den Stützpunkt im Nordischen Ski in Oberstdorf, in den Allgäuer Alpen. In den ersten beiden Jahren schließt er im dortigen Sportinternat seine Schulausbildung ab und absolviert seither in Hamburg ein Fernstudium.

„Ech wëll eppes erreechen an an der erweiderter Weltspëtzt matfueren.“ Kari Peters

Seine Energie und Leidenschaft gilt aber dem Wintersport, wo der 19-Jährige 2005 erste, kleinere Erfolge feiert: Beim König-Ludwigs-Lauf in Oberammergau belegt er auf der 50-Kilometer-Distanz einen zehnten Platz. Als einer der jüngsten Teilnehmer der Universiade im österreichischen Seefeld wird er auf der anderthalb Kilometer kurzen Sprint-Strecke 89. unter 95 Konkurrenten. Mehr und mehr konzentriert sich der Athlet auf die kürzeste Distanz und nimmt 2007 als erster Luxemburger überhaupt an einer nordischen Ski-WM teil. Im japanischen Sapporo wird Kari Peters im klassischen Langlauf-Sprint über 1,4 Kilometer 62. unter 83 Konkurrenten. Für den Sprint entdeckte ihn der Norveger Trond Nystad: „Ech hunn een Don fir de Sprint, a sinn och am Beschte mat dem fréiere Sprinttrainer vun de Schwäizer eens ginn. Mir hunn och elo nach eng gutt, perséinlech Bezéiung“, erklärt Kari Peters. Wie die meisten Luxemburger in Randsportarten braucht er Beziehungen, muss geschickt Trainings- und Trainer-Möglichkeiten finden. Nachdem er lange Jahre mit den Schweizern trainierte, schließt er sich diesen Sommer einer russischen Privatmannschaft an. Von der „Übergangssaison“ 2012 profitiert der junge Athlet um sich weiterzuentwickeln, seine Möglichkeiten auszubauen: „Dëst Joer gëtt et kee grousst Zil wéi WM oder Olympia. Ech kann dëst Joer just no mir selwer kucken a wëll elo an der Distanz esou gutt gi wéi am Sprint.“

Natürlich bleiben die Olympischen Spiele ein großer Traum, doch nach der Enttäuschung 2010 hat er seine Ziele erweitert: „Ech wëll eppes erreechen an an der erweiderter Weltspëtzt matfueren“, sind die ehrgeizigen Ambitionen. Seit Dezember 2009 nahm er bereits an vier Weltcups teil, blieb allerdings fernab der Punkteränge. Die Olympischen Winterspiele 2010 fanden dann auch ohne luxemburgische Beteiligung statt. Der alpine Skifahrer Stefano Speck war zwar qualifiziert, musste jedoch wegen Knieproblemen verzichten. Kari Peters hatte die Norm eines besseren Resultates als 120 FIS-Punkte bis zum Beginn der Spiele nur einmal erreicht. Die geforderte Bestätigung dieser Leistung läuft er mit seiner bisherigen Bestleistung von 107,98 FIS-Punkten ausgerechnet während dieser Spiele im schweizerischen Feutersoey.

Größtes Hemmnis in seiner Karriere ist die Gesundheit. Nachdem er im Mai 2008 Aufnahme in die Elitesportsektion der Armee gefunden hat, kann er sich in Oberstdorf eigentlich ganz auf seinen Sport konzentrieren. Doch die Saison 2011 fällt nahezu vollständig einer Entzündung des Herzmuskels zum Opfer. „Ech wor bis elo ëmmer mindestens zwee Mol krank an der Saison. An och am Summer“, erklärt er sein größtes Problem. Auch wäre er wohl oft zu fleißig und habe deshalb Phasen des Übertrainings. Jedenfalls würden seine Wettkampfergebnisse nicht das Niveau im Training widerspiegeln. Die im Langlaufsport so entscheidende Materialfrage mit dem Wachsen hätten sie, oder besser gesagt der Vater, im Griff: „Déi Leit iwwert Weltcupplaz 25 hunn keng aner Ski wéi mir. A Schi-Wuessen ass Erfahrungswäert, wou den Nico ëmmer besser gëtt.“ Zu jedem Rennen reist der Vater extra aus Luxemburg an und präpariert oft noch Skier anderer Fahrer der Mannschaft mit. Für die beiden Disziplinen Klassisch und Skating benutzt Kari Peters je 12 Paar Skier. Wenn die Temperatur etwa voraussichtlich bei minus fünf Grad liegen wird, können die Skier für besonders kalte und feuchte Bedingungen zur Seite gelegt werden und Nico Peters wachst bereits am Vortag sorgsam die verbleibenden vier, fünf Paar Skier vor. Diese testet er morgens und legt dem Sohn normalerweise dann zwei Paar zur Auswahl hin. Bei Weltcups wird das diese Saison allerdings nicht mehr der Fall sein: „Ech kéint eréischt am Mäerz a Skandinavien starten, an dee Risen-Opwand fir een dräi Minutte Sprint bréngt näischt.“ Stattdessen wird der Engadiner Skimarathon zu einem größeren Saisonhöhepunkt: Deutlich über 10.000 Skilangläufer stellen sich dieser größten Schweizer Skiveranstaltung.

Sportler der SSEA *
1. Steve FOGEN - Radsport - Feb. 97 - Dez. 02
4. Kim KIRCHEN - Radsport - Nov. 97 - Nov. 00
7. Fränk SCHLECK - Radsport - Okt. 99 - Dez. 02
14. Alain KOHL - Turmspringen - Okt. 02 - März 06
19. Marc SCHMIT - Segeln - Feb. 04 - Mai 09
22. Dirk BOCKEL - Triathlon - Jan. 06
23. Marcel EWEN - Reiten - Jan. 06
24. David FIEGEN - Leichtathletik - Jan. 06 - Apr. 11
25. Guy ROSEN - Tanzen - Jun. 06
27. Kari PETERS - Langlauf - Mai 08
28. Ben PAYAL - Fußball - Jan. 08 - Mai 08
32. Eric SCHROEDER - Handball - Jan. 09
35. Marie MULLER - Judo - Apr. 09
36. Sascha PALGEN - Turnen - Apr. 09
37. Gilles MICHELY - Tischtennis - Aug. 09
38. Thierry HENSEN - Handball - Jan. 10
39. Illaria MELMER - Karate - Jan. 10
40. Lyn MOSSONG - Judo - Jan. 10
42. Max KOHL - Handball - Jan. 11
43. Alexander VERSCHAEREN - Golf - Apr. 11
44. Lis FAUTSCH - Fechten - Sep. 11
45. Alexandre Rodenbourg - Basketball - Sep. 11
46. Elmin Sabotic - Karate - Sep. 11

Steve Fogen war 1997 der erste und Elmin Sabotic ist der 46. und rezenteste von aktuell 16 aktiven Soldaten, denen die „Section de Sports d‘Élite de l‘Armée“* ermöglicht, ihren Sport Vollzeit mit einem Sold, Kranken- und Pensionsversicherung auszuüben.

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Lange laufen

Mike Kremer, Kari Peters, Roland Miny

Durchtrainiert: Im Skilanglauf muss die Kraft und Ausdauer aus den Beinen, aber auch den Armen über eine starke Rumpfmuskulatur in den Schnee gepresst werden.

Mike Kremer, Kari Peters, Roland Miny

Überlegen: 2007 stürmt Kari Peters bei den nationalen Meisterschaften in Adelboden vorneweg.

Mike Kremer, Kari Peters, Roland Miny

Kari Peters: Der Wintersportler wurde am 17. November 1985 geboren und wuchs in Remich auf. Als Junior wurde er luxemburgischer Juniorenmeister im Triathlon, doch seit acht Jahren lebt der 17-fache luxemburgische Langlauf Landesmeister von und für seinen Sport im süddeutschen Oberstdorf.

Mike Kremer, Kari Peters, Roland Miny

Kari Peters: „Ech wëll eppes erreechen an an der erweiderter Weltspëtzt matfueren.“

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