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Stressfrei on tour

Verreisen mit Kindern macht Spaß, ist aber nicht immer so einfach. Damit Eltern und ihr Nachwuchs sich im Urlaub auch gut erholen, gibt Dr. Isabelle Kieffer (48), Kinderärztin und Leiterin CHL-Kannerklinik, nützliche Ratschläge.

Was gehört in eine kindgerechte Reiseapotheke?
Gegen Fieber und Schmerzen hilft Paracetamol-Saft (15 mg/pro Kilo pro Dosis, max. alle sechs Stunden), gegen Durchfall wasserlösliche Elektrolytlösungen, ein Fieberthermometer, eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50, Insektenschutz gegen Moskitos bei Reisen in den Süden, in die Tropen oder in Gewässernähe und je nach Gebiet auch Malariaschutz. Man sollte immer ein Moskitonetz und den richtigen Hautschutz einpacken, besonders für Babys unter sechs Monaten.

Was lindert Reiseübelkeit?
Einen Familienurlaub mit Kindern sollte man stets ausgeruht antreten, denn bei Müdigkeit tritt die Reiseübelkeit häufiger auf. Die Kleinen sollten nicht weit nach vorne sehen, nicht direkt ins Auto schauen oder lesen. Ablenkung und spezielle Medikamente können auch weiterhelfen. Wer mit dem Schiff unterwegs ist, sollte nach draußen gehen, aufs Meer schauen, durchatmen oder an Deck spazieren gehen. Nicht vergessen: Kinder sollten vor der Abfahrt genug essen – etwas leicht verdauliches, ohne viel Fett.

Was hilft gegen Durchfall?
Eine Elektrolytlösung, die in der richtigen Wassermenge aufgelöst wird. Eltern sollten ihrem kranken Kind davon 10 ml/pro Kilo nach jedem Durchfall anbieten, um den Verlust an Wasser und Elektrolyten aufzufangen. Besonders bei Kindern unter zwei Jahren sollte man gut aufpassen, dass der Nachwuchs auch genug davon trinkt. Im Zweifelsfall sollte man zu einem Arzt gehen. Falls Blut oder Schleim im Durchfall ist, unbedingt direkt zum Mediziner. Paracetamol lindert die Bauchschmerzen.

„Falls das Kind fiebert, sollte man ihm keine Reise zumuten.“ Dr. Isabelle Kieffer

Vertragen Kinder die dünne Bergluft?
Bis 1.800 Höhenmetern ist das kein Problem. Für Kleinkinder unter 18 Monaten ist es nicht ratsam, denn sie brauchen eine Adaptationszeit von einigen Tagen. Man kann aber, wenn man langsam zu Fuß wandert, auch mit Kleinkindern über 2.000 bis 2.500 Meter hochsteigen. Allerdings sollte man sich nicht mehr als ein paar Stunden so hoch aufhalten.

Ab wann dürfen Babys fliegen?
Eltern mit einem Baby unter drei Monaten sollten grundsätzlich große Menschenmengen wie an Flughäfen, Bahnhöfen oder in Supermärkten meiden. Vor allem im Winter! Dann können die Kleinen schneller einen viralen Infekt bekommen. Stillbabys sind weniger anfällig, weil sie durch die Muttermilch geschützt sind.

Skispaß: Schulkinder haben kein Problem mit der dünnen Luft in den Bergen, für Kleinkinder unter 18 Monaten ist ein Urlaub über 1.800 Höhenmetern nicht ratsam. (Foto: aleksey ipatov - Fotolia)

Skispaß: Schulkinder haben kein Problem mit der dünnen Luft in den Bergen, für Kleinkinder unter 18 Monaten ist ein Urlaub über 1.800 Höhenmetern nicht ratsam. (Foto: aleksey ipatov – Fotolia)

Was kann man tun, um seinem Kind den Druckausgleich zu erleichtern?
Stillbabys kann man beim Start und bei der Landung an die Brust legen. Sonst kann man dem Baby auch ein Fläschchen mit Wasser anbieten, damit es gut schlucken kann. Älteren Kindern (ab sechs Jahren) helfen Kaugummis ohne Zucker.

Darf man mit einem erkälteten Kind fliegen?
Achtung, falls die Nase stark verstopft ist, hat das kindliche Ohr Schwierigkeiten, den Druck auszugleichen. Das kann bei Start und Landung schmerzhaft sein. Tipp: Die Nase vorher gut ausspülen und Paracetamol-Saft mit ins Handgepäck nehmen, um Schmerzen zu lindern. Falls das Kind fiebert, sollte man ihm keine Reise zumuten. Erkältete Kids sind oft müde und brauchen Ruhe und die volle Aufmerksamkeit der Eltern.

Was sollten Eltern in Sachen Klimaanlage im Flieger beachten?
Babys unter neun Monaten sollten eine leichte Mütze während des Fluges tragen. Und unbedingt auf kalte Füße achten! Kindern immer warme Strümpfe anziehen, die nicht zu eng anliegen. Und an eine Decke denken, falls der Nachwuchs einschläft.

„Eltern sollten dem Kind erklären, wie der Flug abläuft, mit dem guten Beispiel voran gehen und bei Turbulenzen möglichst ruhig bleiben.“ Dr. Isabelle Kieffer

Was hilft den Kleinen bei Flugangst?
Ablenkung ist das Beste! Singen, spielen, malen oder etwas aus dem Buch vorlesen. Eltern sollten dem Kind erklären, wie der Flug abläuft, mit dem guten Beispiel vorangehen und bei Turbulenzen möglichst ruhig bleiben. Bei starker Flugangst kann man auch die Crew um Hilfe bitten. Hin und wieder erlaubt der Pilot auch, dass man ins Cockpit gehen darf. So versteht das Kind das Fliegen besser.

Wie schaffen Kinder die Zeitumstellung?
Die Kleinen lässt man einschlafen, wenn sie müde sind. Kinder kann man mit Zwang nur schwer „umstellen“. Ältere Kinder sollte man auf die neue Uhrzeit einstellen, ein kleiner Mittagsschlaf von weniger als zwei Stunden wirkt Wunder.

Warum ist Insektenschutz so wichtig?
Insekten, insbesondere Moskitos, können verschiedene Krankheiten übertragen. Zudem nervt das Jucken und kann den kindlichen Schlaf beeinträchtigen. Die Kleinen können sich die Haut aufkratzen und infizieren. Deshalb stets reinigen und desinfizieren.

Dr. Isabelle Kieffer

06-Vereisen-mit-Kids-Dr-Kieffer-IsabelleJahrgang 1966, ist Kinderärztin und leitet seit Juli 2013 die CHL-Kannerklinik. Die Luxemburgerin ist selbst Mutter von zwei Kindern. (Foto: Paul Foguenne)

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Ist es riskant, mit einem Baby in die Tropen zu reisen?
Das hängt von der Reise ab. Wenn man dort in einem Hotel übernachtet und nur am Strand bleibt, dann reicht ein guter Sonnenschutz, eine Kopfbedeckung und lange Ärmel. Die Sonne sollte man in tropischen, heißen Gegenden zwischen 10 und 17 Uhr meiden. Aufpassen beim Leitungswasser, das sollte nie getrunken werden! Im Dschungel muss man auch besonders auf Moskitostiche, andere Insektenstiche und Tiere stets aufpassen. Eltern sollten sich bewusst sein, dass ein Baby oder Kleinkind keine Freude an einer abenteuerlichen Reise hat. Ab vier bzw. sechs Jahren kann das Abenteuer aber eine tolle Erfahrung sein. Die Reise sollte gut geplant werden und Eltern sollten sich über das Ärztenetz in der Umgebung informieren.

Vertragen Kleinkinder schon Malariaprodukte?
Ab der zehnten Woche ist die Malariaprävention laut der Weltgesundheitsorganisation (WGO) sinnvoll, vor allem wenn man länger als zwei Wochen im gefährdeten Gebiet unterwegs ist. Zur Vorbeugung helfen auch imprägnierte Moskitonetze. Die Kinderimpfungen müssen je nach Alter gemacht werden bzw. aufgefrischt werden. Eine Gelbfieber-Impfung kann man beispielsweise ab dem sechsten Monat machen. Besser ist es jedoch, wenn das Kind schon ein Jahr alt ist. Eine Hepatitis A-Impfung kann man auch schon ab einem Jahr machen. Es ist wichtig, sich schon drei Monate vor dem Urlaub gut zu informieren und die Impfung früh genug (mindestens zehn Tage vor Abreise) zu machen, um den nötigen Schutz aufzubauen.

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Author: Philippe Reuter

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