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Superfood mit Beigeschmack

Sie polarisiert, sie schmeckt und ist obendrein noch gesund: Die Avocado erfreut sich auch hierzulande immer größer werdender Beliebtheit. Doch was genau macht das grüne Gold Mexikos zum Exportschlager und welche gesundheitsfördernden Effekte bringt ihr Verzehr mit sich? revue recherchierte.

Text: Gilles Schreiner (revue@revue.lu) / Fotos: Pixabay

Wer im März dieses Jahres das Hashtag #avocado auf Instagram suchte, der fand über 7,5 Millionen verschiedene Beiträge. Beachtlich, bedenke man, dass #kartoffel es nur auf knapp 150.000 Posts schafft und #wienerschnitzel auf 70.000. Das wohl meist fotografierte Obst der Welt – richtig, sie haben „Obst“ gelesen und nicht Gemüse – schaffte es aufgrund gekonnter nordamerikanischer Vermarktung und etlichen sozialen Plattformen in die europäischen Küchen und etablierte sich in den letzten Jahren zu dem Trendfood schlechthin.

Jeder möchte sie, die buttrige Avocado, auch Alligatorbirne oder Butterfrucht genannt, ob gegrillt, im Smoothie gepaart mit Ananas und Ingwer, als Guacamole-Salsa auf dem Burger oder in der California Roll beim Japaner. So öffnete 2017 beispielsweise das Restaurant „The Avocado Show“ in Amsterdam seine Türen und serviert seinen Gästen ausschließlich Gerichte rund um die Superfrucht.

Das wohl meist fotografierte Obst der Welt etablierte sich in den letzten Jahren zu dem Trendfood schlechthin.

Knapp 700 Gramm Avocado konsumiert der Europäer jährlich im Durchschnitt. Tendenz steigend, doch darüber können sie in Mexiko nur lachen, denn dort ist der Verzehr mit ungefähr sieben Kilogramm pro Einwohner rund zehn Mal so hoch. Immerhin findet die Avocado dort seit über 10.000 Jahren ihre Verwendung. Auch die Azteken verehrten die grüne Beere, der sie den Namen „ahuacatl“ verpassten, was so viel bedeutet wie „Hoden“. Nun gut, eine gewisse Ähnlichkeit ist schon vorhanden, und neben ihren heilenden Kräften sagten die Azteken ihr auch noch aphrodisierende Eigenschaften nach, was sie wohl nicht unbeliebter machte. Und doch fand die Frucht des bis zu 20 Meter hoch werdenden Avocado-Baums, welcher zur Familie der Lorbeergewächse gehört, erst mit der Schifffahrt im 16. Jahrhundert den Weg von Mittel- und Südamerika über den Ozean bis nach Afrika und Asien und erst Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte sie den europäischen Kontinent.

Die Fuerte-Avocado (links) bleibt auch während ihres Reifeprozesses grün,
während die Hass (rechts) immer dunklere Töne annimmt.

Heutzutage gehen Experten von bis zu 400 verschiedenen Avocado-Sorten aus, wobei diese in drei Hauptarten eingeteilt werden: mexikanische, guatemaltekische und westindische. Die Sorten, die wir heutzutage mit größter Wahrscheinlichkeit in den heimischen Supermärkten finden, sind die „Hass“ und die „Fuerte“, welche zum größten Teil in Südspanien, Israel oder Südafrika angebaut werden. Die „Hass“-Avocado entstand in Kalifornien aus einer zufälligen Kreuzung und gilt als besonders nussig im Geschmack. Die rundliche, bis zu 400 Gramm schwere Frucht kennzeichnet sich im Reifestadium durch eine noppige, immer dunkler werdende Schale sowie durch ein gelb bis orangefarbenes Fruchtfleisch. Die „Fuerte“ hingegen ist eher birnenförmig und die glatte Oberfläche der Schale behält während des Reifeprozesses ihre intensive grüne Farbe. Dunkle Flecken weisen auf verdorbene Stellen hin. Außerdem ist das Fruchtfleisch dieses mexikanisch-guatemaltekischen Hybrids etwas heller und mit bis zu 25 Prozent Ölgehalt cremiger als die „Hass“. Was beide Sorten jedoch vereint, sind die vielen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe, die das grüne Gold als „Sir Superfood“ in den Ritterstand erheben.

Die „Hass“-Avocado entstand in Kalifornien aus einer zufälligen Kreuzung und gilt als besonders nussig im Geschmack.

Wurde die Avocado früher oftmals wegen ihres hohen Fettgehaltes geächtet, so weiß man heutzutage, dass es sich dabei um ungesättigte Fettsäuren handelt, die dem Körper, im Vergleich zu Butter und Co., Gutes tun. Diese Fettsäuren, die übrigens nicht selbst vom Organismus hergestellt werden können, senken den LDL-Cholesterinspiegel und sind unter anderem wichtig für die Zellstruktur und den Hormonhaushalt. Neben essentiellen Aminosäuren besitzt die Avocado einen beachtlichen Gehalt an Kalium, was sich positiv auf den Säure-Base-Haushalt auswirkt und hohen Blutdruck senken kann. Außerdem enthält die kohlenhydratarme Frucht viele wichtige Vitamine, insbesondere die Vitamine A und E, beides Antioxidantien, die den Körper vor freien Radikalen schützen und das Immunsystem stärken.

Alles gut, könnte man meinen, doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Wegen der starken Nachfrage und des immer höher werdenden Preises bauen die lokalen Landwirte ihre Anbauflächen ständig aus. Allein in Mexiko, was jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Avocados exportiert, werden pro Jahr bis zu 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für neue Avocado-Felder zu schaffen, von denen immer mehr illegal betrieben werden. Außerdem wird durch den hohen Einsatz an Pestiziden das lokale Trinkwasser verschmutzt.

Ein Kilogramm Avocado benötigt laut Schätzungen von Experten ungefähr 1000 Liter Wasser. Dass in Chile ganze Flüsse verschwinden, viele Regionen der Dürre nah sind und die Menschen dort auch ohne die Avocado-Felder mit der Wasserversorgung zu kämpfen hätten, interessiert wohl die wenigsten, Hauptsache der Rubel rollt und die Freundin likt den neuen Avocado-Post auf Instagram. Die Avocado ist und bleibt eine faszinierende Frucht mit fadem Beigeschmack. Apropos Beigeschmack: Eine Avocado sollte man nicht kochen, da sonst Bitterstoffe freigesetzt werden, die sie ungenießbar werden lässt. Und dann müsste man sie wegwerfen. Und das wäre Schade, vor allem wegen der paar hundert Liter Wasser.

Guacamole

Zutaten
2 Avocados
Saft einer halben Limette
1 Zehe fein gewürfelter Knoblauch
2 mittelscharfe Chilis
1 große Tomate, entkernt und fein gewürfelt
1 kleines Bund Koriander, fein zerhackt
1 Prise Salz

Zubereitung
Avocados schälen und vom Kern lösen, in einem Mörser zerstampfen, die anderen Zutaten hinzugeben und gut miteinander vermischen.

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Author: Martine Decker

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