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Tarnweste auf Abwegen

Nach dem Sorento, dem bis vor kurzem extrem populären SUV (Tendenz leicht sinkend), ist der KIA cee’d der zweitbeste Brötchenverdiener der seit einigen Jahren das Feld von unten aufrollenden koreanischen Automobilbauer. Seit 2007 gibt es ihn als drei- oder als fünftürige Limousine bzw. als Kombi, jeweils mit einem Fließheck. Doch die Zeiten ändern sich.

Text: Eric Netgen / Fotos: KIA (Julian Mackie)

Der Hersteller ist damit im C1-Segment unterwegs, der untere Mittelklasse, auch als Kompakt- oder gar Golfklasse bekannt, die nach den unantastbaren SUV immer noch am meisten Brot unter die Butter schieben. C1 liegt allerdings auch unterhalb der Premiumliga C2, ihrerseits von Audi, BMW, Mercedes-Benz und jüngst auch Volvo bevölkert. Wo man nur noch untereinander bolzt und nicht mehr gegen Kontrahenten wie Ford Focus, Seat Leon, den namenstiftenden Golf, einen Citroën C3 oder Peugeot 308 und dergleichen kickt.

Mit drei Türen heißt das Ding pro_cee’d, als Transporter für Leute mit viel Kind und Kegel erhält es zusätzlich noch das Kürzel „SW“ für „Station Wagon“. Nach elf Jahren und einer munter ansteigenden Verkaufsbilanz kommt nun bereits die dritte Generation des cee’d – oder vielmehr Ceed – mitsamt einer Auffrischung der Schreibweise sowie zwei brandneuen Motoren. In Genf beim Autosalon soll sie zwar erst nächsten Monat Weltpremiere feiern, doch die „autorevue“ dufte den vermummten Prototypen in Barcelona bereits kurz Probe fahren. Verklebt, vernäht und in sizilianische Witwenmode eingemummelt, aber dennoch: ein paar Qualitäten ließ der neue Ceed bereits erkennen.

Vorab erst einmal ließ man den Namen kielholen und die doch sehr irritierende Schreibweise mit dem Apostroph fallen: aus cee’d wir jetzt Ceed und der pro_cee’d geht eh gleich baden: Aus die Maus, der Dreitürer konnte die Absatzerwartungen nicht erfüllen und wird nun ersetzt, und zwar nicht nur durch eine, sondern gleich zwei neue Karosserievarianten. So werden nach dem demnächst erscheinenden Hatchback mit fünf Türen und der kurz danach auftretenden Kombivariante SW vor Ende 2018 noch eine Shooting Brake, also ein Kombi mit Coupédach, sowie ab 2019 eine Abhandlung als SUV-Crossover erwartet, die dann vermutlich unter dem Namen Xed firmieren wird.

Probefahrt

Unser Ceed war zwar fast bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, doch einige Merkmale konnten wir enttarnen, zumal wir den nackten Wagen im Nachhinein auch kurz in vollem blauem Glanz zu sehen bekamen. Die Kanten sind jetzt klarer, weniger verspielt und chaotisch, schlichtweg erwachsener geworden. Das Heck ist breiter und das Dach tiefer angesetzt, vorne sowie hinten wurden moderne Optiken eingebaut, die der um Einiges sportlicheren Tigernase jetzt die passenden „Eckdaten“ verleihen. Zu Anfang wird es erst einmal fünf Motoren geben: einen 1.4 MPI-Benziner, drei Turbo-GDi-Benziner mit 1,0, 1,4 bzw. 1,6 Liter Hubraum sowie einen 1,6-Liter-CRDi-Diesel. Eine elektrische Variante wird es vorerst nicht geben, denn diese alternativen Antriebe werden von KIA zur Zeit in anderen Modellen, wie dem Soul, verbaut. Das muss fürs Erste reichen.

Bei der Ausfahrt fiel vor allem die verbesserte Lenkung auf, deren Übersetzung vergrößert wurde und die nun mehr Feedback von der Straße in die Handgelenke vermittelt. Als Vorserienfahrzeug ließ der leicht knarzende und manchmal rasselnde Ceed zwar derzeitig kaum Schlüsse über den finalen Fahrkomfort zu (Abrollgeräsche sehr wohl, Windgeräusche viel weniger), doch die Dämpfung gegen Schall und Vibration scheint durchaus gelungen zu sein. Das Cockpit ist mit zahlreichen Knöpfen gesegnet, die ergonomisch gut platziert sind, die Sitze sind hingegen etwas kurz geraten, aber dafür sehr komfortabel und gut verarbeitet. Das Lenkrad ist griffig, die verwendeten Materialien insgesamt okay. Das Platzangebot ist in beiden Reihen akzeptabel, auch wenn der Einstieg in den Fond wegen dem tieferen Dach und der nicht so weit öffnenden Tür nichts für allzu ungelenkige Zeitgenossen ist. Der Kofferraum ist gewachsen, die Schulterbreite im Innern auch.

Als Getriebe stehen ein mittelknackiger Handschalter mit sechs Vorwärtsgängen sowie ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Stufen parat. Letzteres funktionierte ganz ordentlich im Zusammenspiel mit einem 136 PS starken Diesel, der in Wirklichkeit viel munterer zu Werke ging, als seine Angaben auf dem Papier vermuten ließen. In der nächsten „autorevue“ werden wir etwas intensiver auf den neuen KIA Ceed eingehen – darin werden Sie auch in den Genuss von unzensierten Bildern kommen.

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

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Author: Martine Decker

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