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Test: Hyundai i40 Wagon – Die Achillesferse des Tiefstaplers
Test: Hyundai i40 Wagon – Die Achillesferse des Tiefstaplers
Korean Motors alias Hyundai-Kia machen rasante Fortschritte auf allen Fronten, das ist hinlänglich bekannt. Nur mit den etwas größeren Modellen tun sie sich in Europa immer noch schwer, womöglich liegt es am hartnäckigen Prestige-Defizit der koreanischen Marke(n).
Fotos: Hyundai
Die Preise für die neuen Hyundai i40, der größten Limousine bzw. dem größten Kombi im Sortiment, starten bei 24.849 € für die Limousine als Benziner (1.6 GDi Style 135 PS) und 26.541 € als Diesel (1.7 CRDi Style 115 PS). Den i40 Wagon, den Kombi also, gibt es ab 25.913 € (Benzin) bzw. 27.605 € (Diesel). Die Kombi-Version mit 141 PS und siebengängigem Doppelkupplungsgetriebe, die wir im Test bewegten, ist in Luxemburg nicht ab dem Einstiegsniveau „Style“ erhältlich, sondern kostet als „Premium“ 33.299 € und als „Executive“ 39.049 € Basispreis. Da ist dann allerdings auch schon eine ganze Menge Zeugs im Preis mit inbegriffen, wie ein Navigationssystem mit Touchscreen und Rückfahrkamera, Schaltwippen am geheizten Lenkrad, ein elektrisches Panoramadach, geheizte Sitze in beiden Reihen (vorne sind sie auch gekühlt, der Fahrersitz ist zudem mit einer Memory-Funktion ausgestattet), Xenon-Scheinwerfer, Keyless-Go, eine elektrische Heckklappe usw. usf. Dazu gibt es – übrigens etwas zu weit rechts auf der Mittelkonsole platziert – einen Knopf für die drei Fahrmodi Normal, Eco und Sport.
PRO/CONTRA
↑PRO:
+ Viel Platz in beiden Reihen
+ Großer Kofferraum mit tiefer Ladekante
+ Komfortabler Langstreckenläufer
+ Ordentliche Verarbeitung trotz Hartplastik
+ Ordentliche Serienausstattung
+ Sparsame 6,1 l im gesamten Test
↓CONTRA:
– Zu hohe Sitzposition, hinderlicher Rückspiegel
– Starke Spiegelungen in der Frontscheibe
– Doppelkupplung nicht die schnellste
– Etwas altmodischer Bordcomputer
– Zu weich gefedert für schnelle Kurven
– Selbstbewusst hoher Basispreis
Technische Daten
i40 Wagon 1.7 CRDi DCT7 Executive
Ab 39.049 €
5,0 l/100 km
129 g/km
1.685 cm3
104 kW/141 PS @ 4.000 U/min
340 Nm @ 1.750-2.500 U/min
11,0 s 0-100 km/h
200 km/h
Unter den gängigsten Optionen und Packs findet wir eine Metallic-Lackierung für 600 €, das Leder-Paket für 1.900 € und das „Premium Luxus“-Paket für immerhin 3.150 €. Drinnen bietet sich ein Bild mit vielen Knöpfen, sowohl am Mitteltunnel wie auch am Lenkrad. Die Sitze sind etwas kurz geraten, die tiefstmögliche Sitzposition ist immer noch viel zu hoch angesetzt, so dass man nicht nur wie auf einem Hochsitz ruht – einige Leute mögen das ja, aber wir gehören nicht dazu – und als direkte Konsequenz verdeckt der Mittelspiegel einen großen Teil des Sichtfeldes in der Windschutzscheibe. Die Dachkante leistet dann das Ihre und die Übersicht ist halbwegs ruiniert. Abgerundet wird die generelle Beeinträchtigung der Sicht durch eine Scheibe, die zusätzlich durch starke Spiegelungen des Armaturenbretts geplagt wird. Gar nicht gut!
Mit 141 PS ist der nicht gerade zierliche Wagen allerdings ausreichend motorisiert, er legt sich beschwingt ins Zeug und schafft die Tempiwechsel nahezu mühelos, nur aus dem Stand zögert er ein bisschen zu lange, ehe er sich in Bewegung setzt. Auch wird das Brummen des Diesels unangenehm unter Belastung, dazu gesellen sich bei zügiger Fahrt bemerkbare Wind- und Abrollgeräusche. In Sachen Geräuschisolierung ist hier noch etwas Luft nach oben. Unter dem Strich ist der Selbstzünder aber ausreichend elastisch für die anvisierte Klientel.
Das neue Doppelkupplungsgetriebe mit seinen sieben Stufen ist ganz in Ordnung für gemütlichere Fahrten und jene Zeitgenossen, die eine entspannte Gangart zu schätzen wissen, stellt aber letztendlich keineswegs das letzte Wort in dieser hochkomplexen Disziplin dar. Auch hier ist noch Nachholbedarf, denn das können die meisten Europäer, an deren Erwartungen man sich ja orientiert hat, zum Teil wesentlich besser: die Schaltzeiten sind zu lang, nicht fließend genug, der gewählte Gang ist auch nicht immer der richtige. Zum Glück ist das Drehmoment, für den Fall, dass der i40 in den Tourenkeller fällt – und das wird er früher oder später – ausreichend, um den großen Wagen wieder auf Trab zu bringen. Die Dämpfung ist dann auch wie zu erwarten auf Komfort ausgelegt, macht ihre Sache im Großen und Ganzen gut, auch wenn sie nicht alle Ungereimtheiten im Asphalt ausbügelt und das eine oder andere Schlagloch ungefiltert zum Allerwertesten durchlässt, und aufgeblähte Bremsschwellen, wie man sie immer öfter vor Schulen und Altersheimen antrifft, mag sie überhaupt nicht, so viel stand nach ein paar Kilometern fest. Die gutmütige aber anonyme Lenkung ist nicht der Rede wert: sie funktioniert und man nimmt sie früher oder später gar nicht mehr zur Kenntnis.
Neben dem guten Platzangebot in beiden Reihen überzeugen auch der großzügig bemessene Kofferraum mit den vielen Schienen, Haken und Ösen zum Befestigung der Ladung, sowie die tiefe Ladekante und der breite Zugang. Der Laderaum fasst zwischen 553 Liter, bei umgeklappter Rückbank sogar 1.719 Liter. Der VW Passat Variant und der Skoda Superb Kombi könnend das noch quantitativ übertrumpfen, die meisten Konkurrenten, wie der Ford Mondeo, BMW 3er Tourer oder die C-Klasse T-Modell, können das allerdings nicht. Zusammen mit seinen zahlreichen Ablagen biete der i40 Wagon so ein klares Plus an Familientauglichkeit.
Fahrbereit wiegt der i40 Wagon dann 1.549 Kilo, sein Tank fasst 70 Liter. Dabei ist er sparsam im Betrieb, über mehrere hundert Kilometer lag der reelle Durchschnittverbrauch schließlich ohne jegliche Anstrengung – um sparsam unterwegs zu sein – bei sehr frugalen 6,1 Liter pro hundert Kilometer. Seine Fahrdynamik ist wie gesagt ausreichend, wenn man jedoch vier Personen und deren Gepäck hinzulädt, dann könnte es unter Umständen eng werden, denn 141 PS hauen nun einmal nicht den sprichwörtlich „dicksten Eskimo“ vom Schlitten.
Der i40 scheint sein Blechkleidchen an den Europäern inspiriert zu haben, seine Manieren ähneln jedoch mehr dem eines souverän unaufgeregten Toyota Avensis, denn beide fahren „middle of the road“ ohne in irgendeinen Extremismus zu verfallen. Ab vierzig Riesen Basispreis ist das eventuell (trotz allem) vielleicht schon etwas zu wenig, denn in dieser Preisklasse spricht leider nicht nur der Preis: Ab dieser finanziellen Hemmschwelle ist ein Bisschen Status verlangt, und das ist noch immer die Achillesferse des eigentlich recht guten Hyundai.
Eric Netgen
Chefredakteur autorevue
Author: Martine Decker