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Test: Mercedes-Benz GLC Coupé

Weniger ist mehr… und umgekehrt: Die von BMW mit dem X6 eingeläutete Masche der SUV in Coupé-Form ist der Wunschtraum eines jeden Buchhalters: Weniger Auto für mehr Geld verklickern, davon haben diese Krämerseelen seit jeher geträumt und nun wird das Hirngespinst Realität und andere Hersteller wie Land Rover, Audi und Mercedes-Benz springen auf den Zug auf.

Fotos: Mercedes-Benz

Mazda hat soeben sein erstes Ding in Schanghai vorgestellt, doch dieser CX-4 soll erst einmal für den chinesischen Markt reserviert sein. Andere Hersteller sind da weiter. Nach einem ersten bulligen Wurf aus Stuttgart mit dem mächtig aufgeblähten GLE Coupé, kommt jetzt ein zweites, etwas kleineres SUV-Coupé auf Basis der C-Klasse, daher der Name GLC Coupé. Der Plug-in-Hybrid und die AMG-Version folgen Ende 2016, vorab durften wir aber den 350 d 4Matic, einen Dreiliter-Diesel mit 248 PS, Allradantrieb und serienmäßigem Sportfahrwerk durch das wunderschöne Aos-tatal lenken.

Der Einstieg in das sauber verarbeitete Interieur erfolgt über eine beleuchtete Einstiegsleiste, durch eine sehr weit zu öffnende Tür, so dass man fast aus dem Auto fällt, wenn man die Pforte hinter sich zuziehen möchte. Die sehr breite Mittelkonsole mit dem so genannten „Handschmeichler“ (für die Bedienung des Infotainments per Touchpad) bietet zwei geräumige Staufächer mit diversen USB- und SD-Steckern. Vorne sitzt man wie gewohnt prima, auf den Rücksitzen ist genügend Platz, allerdings müssen sich etwas größere Zeitgenossen wegen der abfallenden Dachlinie nach vorne beugen, sobald sie aus dem Seitenfenster schauen möchten. Die Beinfreiheit ist ausreichend aber nicht enorm, die Kopffreiheit ebenfalls. Auf der Rückbank ist lediglich Platz für zwei Passa-giere. Drei Erwachsene passen da nur rein, insofern diese Menschen auch als Rankhilfe in der Gärt-nerei eingesetzt werden können.

Das GLC Coupé ist acht Zentimeter länger und vier Zentimeter flacher als der SUV und hat den für die Mercedes-Coupés reservierten Diamantgrill mit einer einzigen horizontalen Lamelle. Dann na-türlich eine nach hinten abfallende Dachlinie und eine stärker geneigte A-Säule, die dem Ganzen die optische Dynamik verleihen soll. Ein Unterbodenschutz, ein kurzer Überhang vorne, große seit-liche, wenn auch Potemkinsche Lufteinlässe (ohne reelle Funktion) sollen für visuelle Sportlichkeit sorgen. Die Trittbretter sind eine Option. Schmale, geteilte Heckleuchten, ein für diese Gewichts-klasse eher sinnloser Diffusor, die abgerundete Heckscheibe, das unter den Stoßfänger ausgelagerte Kennzeichen sorgen zumindest für einen sportlichen Auftritt. Die ausgefeilte Aerodynamik sorgt dafür, dass das Coupé gänzlich ohne Heckscheibenwischer auskommt.

Serienmäßig kommt das GLC Coupé bereits mit einem Sportfahrwerk mit Dynamic Select mit fünf Fahrprogrammen, darüber hinaus gibt es ein noch etwas sportlicheres Fahrwerk mit Dynamic Body Control, mit Stahlfedern und verstellbaren Dämpfern, dann, am Ende der Fahnenstange, ein Fahr-werk mit Mehrkammer-Luftfederung namens Air Body Control, das u.a. das Auto in den Einstel-lungen Sport und Sport+ um 15 mm absenkt. Gegenüber dem SUV ist die Federung härter, die Wankneigung geringer geworden. Die Luftfederung an beiden Achsen besitzt mehrere Volumina, die je nach Fahrsituation über Magnetventile zu- oder abgeschaltet werden. Die Lenkung ist, Coupé oblige, im Verhältnis 15,1:1 etwas direkter eingestellt als beim klassischen SUV (16,1:1). Im Sport-Modus wird das Ansprechverhalten von Motor und Getriebe verschärft, die Kennlinie der Lenkung progressiver gestaltet, je nach der gefahrenen Geschwindigkeit.

GLC-Coupé_dynamisch_Front_1

Technische Daten:

GLC Coupé 350 d 4Matic

PREIS: n. b.
6,0 l/100 km
155 g/km

2.987 cm3
190 kW/258 PS @ 3.400 U/min
620 Nm @ 1.600-2.400 U/min
6,2 s 0-100 km/h
238 km/h

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Salamitaktik

Die einstweilige Modellpalette, von der noch nicht alle Preise bereitstehen, umfasst vier Diesel mit zwischen 136 und 258 PS, zuzüglich vier Benziner mit zwischen 211 und 367 PS, Letztere wie zu erwarten im AMG-Modell GLC 43 4Matic untergebracht. In so gut wie allen Modellen, mit einer einzigen Ausnahme, kommt das optimierte Neun-Stufen-Getriebe 9G-Tronic zum Einsatz, nur im GLC 350 e 4Matic Coupé wurde ein speziell für den Hybrid-Einsatz angepasstes 7G-Tronic Plus eingebaut. Der permanente Allradantrieb 4Matic wurde grundlegend von den Ingenieuren kielge-holt, um ihn mit dem Automatikgetriebe zu harmonisieren. Im Gegensatz zur früheren Auslegung wird das einstufige Verteilergetriebe jetzt nicht mehr in den Automaten integriert, sondern als ei-genständiges System an das 9G-Tronic geflanscht. Derartig „veräußert“ bleibt die Konstruktion ähnlich kompakt wie vorher, doch diverse Vorteile werden von dieser „Add on“-Bauweise bewerk-stelligt, wie eine größere Leistungsfähigkeit, getrennte Ölkreisläufe, ein um 12 Kilo verringertes Gewicht (dank Magnesiumgehäuse) sowie ein verbesserter Wirkungsgrad mit einer ausladenderen Gangspreizung und geringerer Reibung. Wie bei anderen Modellen vor ihm ist auch das Coupé als Edition 1 zum Verkaufsstart zu haben, mit Lederpolstern in Bi-Color-Optik, mit AMG Line Exteri-eur und diversen optischen Happen, die diesem Vehikel einen (Zitat aus Stuttgart) „hohen Auf-merksamkeitsgrad“ bescheren. Und darum geht es im Endeffekt ja schließlich.

Die Fahrmodi und die Auswahl der Fahrwerke sind gewohnt subtil abgestimmt und vielseitig, auch wenn man dem vermeintlichen Sportler zu jedem Zeitpunkt anmerkt, dass er alles andere als ein Leichtgewicht ist. Er ist allerdings sehr geräuscharm, klingt im Sport- bzw. Sport+-Modus sogar etwas kernig, lässt sich präzise lenken, das alles bei beeinträchtigter Sicht nach hinten (wegen dem Coupédach) sowie nach vorne (wegen den flacheren A-Säulen), und dann natürlich unter dem Da-moklesschwert der zu bewegenden Masse, die stets präsent ist. Der Materialmix im Cockpit ist wohl auch nicht jedermanns Sache, aber die Materialien sind mit einigen Ausnahmen hochwertig und die Verarbeitung eher tadellos. Die Bremsen sind kräftig und gut dosierbar, drosselnden Vorwärtsdrang des dicken Potts mit Nachdruck. Die Luftfederung ist ihrerseits sehr, sehr komfortabel. Das Blechkleid ist schön anzusehen, die muskulösen Wülste und Wölbungen teilweise eine richtige Augenweide, diverse Details wie die Trittbretter und Lufteinlässe ohne wirkliche Funktion erschei-nen weniger sinnvoll.

GLC-Coupé_Juventus-Stadium_1

All jene, die sich nicht zwischen einem Coupé und einem SUC entscheiden können, die den BMX X6/X4 aus irgendeinem Grund nicht haben wollen oder können, sollten sich das GLC Coupé von Mercedes-Benz anschauen und es ausgiebig Probe fahren, dann kriegen sie nämlich weder das eine noch das andere: Kein Coupé, kein SUV, sondern ein zugegebenermaßen sehr ansehnliches Mittel-ding mit einem Hochsitz, mit weniger Offroad-Kompetenz als insinuiert, mit einem verkleinerten Kofferraum und auch etwas weniger Kopffreiheit im Fond, das Ganze für eine höhere Rechnung. Aber das Auge isst ja bekanntlich mit. Und Geld macht ja auch nicht glücklich. Also…

Pro/Contra

↑Pro

+ Kraftvoller Diesel mit viel Drehmoment
+ Exzellente Sitze im schmucken Rautenmuster
+ Schliches Kombiinstrument, logisches Infotainment
+ Drei gute Fahrwerke stehen zur Wahl
+ Geschmeidiger 9G-Tronic-Wandler
+ Komfortabel, gediegen und fast lautlos

↓Contra

Schlechte Sicht nach hinten
Weniger Platz für mehr Geld
Geschmolzener Kofferraum mit hoher Ladekante

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Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

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Author: Philippe Reuter

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