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Test: Opel Astra Sports Tourer 1.6 CDTI BiTurbo

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Im Rahmen der großen Motoren-Offensive von Opel wird der neue Astra Kombi mit einem 1,6-Liter-CDTI mit doppelter Aufladung und 160 PS ausgeliefert. Das ist, zumindest auf dem Papier, zwar nicht außergewöhnlich viel, aber dennoch mehr als genug, um die Lasten des Alltags entspannt und sparsam zu bewältigen.

Fotos: Opel

Mit einer Höhe von 4.702 mm, einer Breite von 2.042 mm (mit ausgeklappten Seitenspiegeln) bzw. 1.871 mm (ohne) und einer Höhe von 1.510 mm, sowie einem Radstand von 2.662 mm, ist der neue Opel Astra Sports Tourer mehr oder weniger gleich groß wie sein Vorgänger, obwohl die Raumausbeute im Innern entscheidend verbessert wurde. Der Wendekreis beträgt 11,05 m, das fahrbereite Leergewicht („kerb weight“, also mitsamt Fahrer und den diversen Antriebs- und Schmiersäften) 1.435 Kilo, ganz leer, so wie Alfa seinen 4C aus Werbezwecken wiegt, sind es nur 1.273 kg. Der Tankinhalt beträgt 48 Liter. Das reicht auch völlig, denn bei unserer Testfahrt war der Durst des Hessen eher bescheiden und ohne übertriebene Anstrengungen diesbezüglich zu unternehmen, schlug unser Durchschnittsverbrauch im Alltag mit zwischen 4,5 und 5,3 Liter pro 100 km zu Buche, was wirklich genügsam ist.

Detail_Laderaum-und-Ruckbank

Wichtig an einem Kombi ist natürlich erst einmal die Ladekapazität. Ein Knopf sitzt in der Verkleidung der Fahrertür, dient zum Verstellen der Öffnungswinkel der Ladeluke (in drei Stufen, von ganz geöffnet bis 75% offen bis halb offen). Besagter Kofferraum fasst 540 bis 1.630 Liter. Die per Fußbewegung zu öffnende Heckklappe ist schön breit, die Ladekante so tief wie möglich angesiedelt. Für einen ebenen Ladeboden muss man allerdings die Kopfstützen der Rücksitze abnehmen.

Detail_Raumaufteilung

Die Fond-Passagiere genießen jetzt mehr Kopf-, Knie-, Bein- und Schulterfreiheit als im Vorgänger, der Stauraum ist bei umgeklappter Rückbank um circa 80 Liter gestiegen. Die Rückbank ist im Verhältnis 40/20/40 umzulegen, was gegenüber dem früheren 60/40-Verhältnis einen deutlichen Vorteil darstellt. Diese Modularität hat natürlich auch ihren Weg in den fünftürigen „Hatch“ gefunden. Ein doppelter Kofferraumboden, mehr Platz in der zweiten Reihe als bisher, ein von 540 bis 1.630 Liter erweiterbares Fassungsvermögen und einige neue, sehr praktische Befestigungsgimmicks stellen die Flexibilität dar. Im Kofferraum kann der patentierte „Flex Organizer“ installiert werden, mit dem sich Ladegut in allen erdenklichen Weisen fixieren lässt, oder der „Safety Grid“ & „Cargo Tray“, der die Einkaufstüten und die Vierbeiner davon abhält, beim ersten Bremsmanöver zum gefährlichen Projektil zu werden. Die sensorgesteuerte Ladeklappe lässt sich mit einer Fußbewegung nicht nur öffnen, sondern auch schließen, der Sensor liegt dabei nicht in der Mitte unter dem hinteren Stoßfänger, sondern ist etwas nach rechts versetzt, weil die meisten Menschen ja Rechtshänder und somit auch „Rechtsfüßer“ sind. Der funktioniert allerdings auch nur, sofern man den Schlüssel bei sich trägt.

Detail_Heckklappe-mit-Bewegungssensor

Sitz und Platz

Optional haben die Ergonomie-Sitze viele Funktionen wie Massage, Heizung, Kühlung, eine verlängerbare Sitzfläche, eine Sitzwangenjustierung, Lordosestütze, Memory-Funktion und vieles mehr. Der Einstellweg ist nach Opel-Angaben mit 65 mm der höchste im Segment, mit diversen Komfort-Boni wie schweißevakuierenden Polyurethanschäumen will man, zu erschwinglichen Preisen, versteht sich, im Flottengeschäft der gestressten Vielfahrer eine positive Duftmarke setzen. Zur Komfortausstattung sind darüber hinaus auch die zahlreichen Fahrassistenten zu zählen, die tote Winkel, Verkehrsschilder, zu kleine Abstände zum Frontmann und die Müdigkeit des Fahrers erkennen, und dann natürlich das beeindruckende IntelliLux-LED-Matrix-Licht, das in dieser Preisklasse wirklich seinesgleichen sucht.

Detail_BiTurbo-LogoBiTurbo heißt, dass der Sports Tourer einen kleinen Lader mit variabler Geometrie sowie einen großen Turbo mit fixer Geometrie einsetzt. Das Resultat ist ein geschmeidiges Hochdrehen mit einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmetern, die bereits ab 1.500 Umdrehungen bereitstehen. Der manuelle Schalter ist ganz okay, hakelt manchmal ein wenig bei schnellen Wechseln, hat etwas zu lange Wege für eine wahrlich sportliche Fahrweise, macht seine Sache aber insgesamt sehr ordentlich.

Die Sicht nach hinten ist wegen des schmalen Fensters und den breiten C-Säulen etwas begrenzt, eine Rückfahrkamera erscheint demnach nicht als mutwillig. Ein horizontaler Bügel unter dem zentralen Display sieht aus wie der Griff einer Schublade, dient aber lediglich als Fixierung für einen Smartphone-Halter. Man zieht, schiebt und drückt, dann fällt der Halter auf den Boden und verschwindet unter dem Sitz. Dort bleibt er dann erst einmal liegen, mit an Verachtung grenzender Gleichgültigkeit ignoriert.

Technische Daten

Astra Sports Tourer Innovation 1.6 CDTI BiTurbo ecoFlex M6 160
26.400 €
4,2 l/100 km
112 g/km

1.598 cm3
118 kW/160 PS @ 4.000 U/min
350 Nm @ 1.500-2.250 U/min
8,9 s 0-100 km/h
220 km/h

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PRO/CONTRA

↑PRO:

+ Elastischer Diesel ohne größeres Turboloch
+ Motor „dieselt“ viel weniger als der Vorgänger
+ Gutes Matrix-LED-Licht
+ Cockpit wurde ordentlich entrümpelt
+ Komfortable Sitze mit ein paar Tücken
+ Gute Raumaufteilung mit reichlich Platz
+ Humane Aufpreisliste und solide Grundausstattung

↓CONTRA:

Kleine Verarbeitungsmängel mit etwas Hartplastik
Das Familienauto könnte mehr Staufächer vertragen
Fahrwerk poltert etwas auf schlechten Straßen

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Der Optionskatalog des Testfahrzeugs beinhaltete ein Launch and Alloy Pack für 920 €, das ein Radio Navi 900 IntelliLink mit 8-Zoll-Touchscreen (581 €) und 17-Zoll-Alufelgen (339 €) auflistete, und dann noch einmal für 5.123 € Optionen, deren teuerste Posten das Interieur in Siena-Leder mit den Sportsitzen für 1.789 € und das LED-Matrix-Licht mit 1.403 € waren. Die elektrisch verstellbaren und von der Aktion Gesunder Rücken e.V. zertifizierten Sitze kosteten dann nochmal zusätzliche 581 €. Trotzdem, das ist alles „Ringelpiez“ für Insider der hohen Stuttgarter oder Ingolstädter Schulen der ruinösen Aufpreis-Korinthen. Überhaupt ist die Optionsliste, wenn auch nicht gerade klein, doch sehr human in ihrer Preisgestaltung: Sight & Light Pack (Regensensor, automatischer Lichtschalter) kostet 170 €, Driver Assistance Pack & Opel Eye-Kamera 822 €, Park Pilot (vorne und hinten) 484 €, Keyless Entry 339 €, Nebelleuchten vorne 242 €, Geschwindigkeitsregler mit integriertem Begrenzer 146 €, das Schnellheizsystem Quick Heat 291 €, die elektrische Heckklappe mit dem Öffnungsmechanismus per Fußbewegung 387 €, zwei USB-Stecker im Fond gerade mal 49 € und eine bewegliche Anhängerkupplung 677 €, das elektrisches Schiebedach 822 €.

Zwei negative Punkte, die allerdings nicht unbedingt zu verallgemeinern sind, da es sich wohl um eine Fehlfunktion dieses Exemplars handelte, waren erstens, dass beim Testauto der elektrische Fahrersitz nach dem Einstieg nicht mehr in die Ausgangsposition zurückgleiten wollte, nachdem der Sitz zwecks leichterem Zugang nach hinten gefahren war Wir mussten uns also sehr lang machen, um das Kupplungspedal zu erreichen, den Motor zu starten und den Sitz dann per Memory-Knopf wieder in die gespeicherte Wunschposition zu bringen. Und zweitens funktionierte einer der beiden Knöpfe zum Umlegen der Rückbank vom Kofferraum aus ebenfalls nicht mehr. Den hatte wohl ein Pressekollege vor uns, einer mit wohl etwas zu viel Adrenalin in Daumen, bis aufs Blech gedrückt. Auf jeden Fall saß der billige Knopf jetzt schräg in seiner Fassung und verweigerte den Dienst. Gegen Vandalismus ist auch der Sports Tourer machtlos.

Astra-Sports-Tourer_dynamisch_Flanke_2

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

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Author: Martine Decker

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