Home » Autorevue » Test: VW e-Golf, Golf GTI Performance, GTE & R

Test: VW e-Golf, Golf GTI Performance, GTE & R

Nach den handelsüblichen TSI- und den TDI-Modellen (siehe autorevue 03/2017) stellten die Niedersachsen jetzt auch die „Outsider“-Updates Golf GTE, GTI Performance, R und e-Golf vor.

Fotos: Volkswagen

Ort des Geschehens war der Deutschen liebste Insel, Mallorca, wo die Kloschüssel bei Nacht in weiser Voraussicht von innen beleuchtet ist und die Lingua franca auf den Terrassen einem irgendwie… nicht spanisch vorkommt. Vorgestellt wurden im Schnelldurchgang – teilweise im wahrsten Sinne des Wortes – gleich vier Modelle: Der e-Golf, dessen Reichweite jetzt nach NEFZ-Zyklus berechnet auf 300 km gehievt wurde, der GTE, ein Plug-in-Hybrid, durch dessen prädiktive Steuerung relevante GPS-Daten – wie bei Rolls-Royce – in die Regelung des Antriebes mit eingeflochten werden, der GTI Performance, dessen Leistung auf 245 PS angehoben wurde und dessen „Active Info Display“ ein weiteres Highlight darstellt, sowie, last but not least, der Über-Golf mit dem „R“, den wir auf der Rennstrecke neben der Hauptstadt Palma auf klebrigen Semislicks um den Parcours jagen durften bis die Schlappen sogar bei der Beschleunigung pfiffen. Mehr Serien-Golf geht gar nicht.

Die Stoßfänger wurden neu gezeichnet, die Kotflügel und die Rückleuchten auch, das Infotainment wurde aufgeplustert und die Erkennungsmerkmale der „Ikone“ neu definiert. Hier also eine kleine Taxonomie à la Linné zur Unterscheidung der Golf-Arten in freier Wildbahn, denn der Kühlergrill und die Auspufftöpfe verraten die Herkunft. Der GTI (Performance oder nicht) hat chromierte und rote Streifen im Kühlergrill sowie seitliche „Winglets“ in den LED-Doppelscheinwerfern, und je ein Einzelrohr links und rechts am Heck, der e-Golf und der GTE setzten wie gehabt auf Blau, dort wo der GTI Rot trägt, besitzen als weitere Merkmale c-förmige Tagfahrlichter und der GTE besitzt ein Doppelendrohr auf der linken Seite (der e-Golf natürlich keines), der Golf R schließlich trägt Schwarz und gleich zwei Doppelendrohre, weil hier ja bekanntlich die Musik spielt und er für farbenfrohe Spielereien wenig Zeit hat. Die LED-Rückleuchten sind jetzt Standard, aber nur die Top-Versionen bieten das animierte Blinklicht, das beim Abbiegen von innen nach außen plätschert. Das höchste aller Infotainment-Gefühle mit Gesten- und Sprachsteuerung, Discover Pro, ist gleich als Serienausstattung in den e-Golf eingebaut – Umweltbewusstsein soll belohnt werden! Die Displays reichen von 6,5 über 8,0 bis 9,2 Zoll.

Technische Daten

31.320 (*32.940) €
6,3-6,6 l/100 km
144-150 g/km

1.984 cm3
180 kW/245 PS @ 4.700-6.200 U/min
370 Nm @ 1.600-4.300 U/min
6,2 s 0-100 km/h
250*** km/h

38.340 (*39.960/** 40.670 ) €
7,9 (*7,1) l/100 km
180 (*163) g/km

1.984 cm3
228 kW/310 PS @ 5.500-6.500 U/min
380/400 Nm @ 2.000-5.400 U/min
5,1 (*4,6/**4,8) s 0-100 km/h
250*** km/h

34.780 €
12,7 kWh/100 km
0 g/km

0 cm3
100 kW/136 PS @ 3.000-12.000 U/min
290 Nm @ 0-3.000 U/min
9,6 s 0-100 km/h
150 km/h

36.430 €
1,6-1,8 l/100 km
36-40 g/km

1.395 cm3
110 kW/150 PS @ 5.000-6.000 U/min
250 Nm @ 1.500-3.500 U/min
7,6 s 0-100 km/h
222 km/h

(*) DSG7; (**) Variant; (***) Elektronisch abgeregelt

Auf der Rennstrecke durften wir den R als Handschalter (M6) wie auch den R Variant mit siebengängigem Doppelkupplungsgetriebe ausprobieren, wobei der erste wie zu erwarten mehr nostalgiegeschwängerte Gorilla-Hormone produzierte während der zweite einfach nur schneller war. Mit 310 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment liegt der Golf R genau auf Augenhöhe mit dem neuen Honda Civic Type R. Das kann ein Zufall sein, muss aber nicht. Was die beiden jenseits der Optik – gewollt aggressiv beim Japaner, vergleichsweise dezent beim Niedersachsen – unterscheidet, sind der Preis (ein Basispreis von 33.400 € für den Japaner gegenüber 38.340 € für den Deutschen –, das Gewicht (+100 kg Handicap für den Golf R) und die Technik. Hier spielt der Golf R mit dem Allradantrieb (daher das Gewicht) und der Progressivlenkung zwei entscheidende Trümpfe aus, bei denen der Civic seinen Vorsprung wieder einbüßt. Und weil ja alles anders sein muss, hat der Japaner drei Auspufftöpfe mittig sitzen, während unser Golf, wie bereits erwähnt, zwei doppelte Orgelpfeifen außen hat. Wer ein paar extra Groschen lockermachen kann, der sollte sich die Titanabgasanlage von Igor Akrapovic als Option zulegen, mit dem der Golf R so richtig männlich klingt. Ende des Jahres dürfte der edle Topf für etwa 3.300 Euro in der Preisliste auftauchen. Der Variant kriegt diese Anlage allerdings nicht, denn der ist ja ein vernünftiger Familienvater. Aufgefallen am R ist der Umstand, dass der Beifahrersitz deutlich breiter gefasst ist als der Fahrersitz, die Seitenwangen deshalb demselben Köper weniger Seitenhalt bieten. Also sollte man nur vollschlanke Freunde mit auf die Rennstrecke nehmen oder am besten gleich alleine losbrettern, sonst fliegen die nur unnötig umher. So etwas kann die Freundschaft belasten.

Pro/Contra

PRO:
+ Gute Verarbeitung insgesamt
+ Aufwertung des Infotainments
+ Klang und Handling des R
+ e-Golf nicht so lahm wie erwartet
+ Reichweite der Elektriker
+ Ausgereifte Hybridtechnik
+ Fahrkomfort aller Modelle

MINUS:
Muskulöse Preisgestaltung
Beifahrersitz im R etwas breit

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook

Golf R und R Variant

Golf GTI Performance

Golf GTE

e-Golf

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?