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The Last Dance

Michael Jordan ist eine Legende. Nun bietet sich die Möglichkeit seine Karriere in einer Netflix-Serie noch einmal Revue passieren zu lassen. Zehn Episoden voller Überraschungen, historischer Momente und Intrigen.

Weniger als zehn Sekunden bleiben zu spielen. Die Chicago Bulls liegen mit 86:85 gegen die Utah Jazz zurück. Der Ball ist in den Händen von Michael Jordan. Ein Antritt, ein Schritt zurück, ein Wurf. Drin! Fünf Sekunden vor Schluß übernehmen die Chicago Bulls die Führung. Ein letzter Versuch von Jazz Spielmacher Stockton schlägt fehl. Die Bulls und Jordan gewinnen den dritten Titel in Folge und das nach der Serie von 1991 bis 1993 zum zweiten Mal!

Die NBA-Saison 1998 stand für eine der dominantesten Mannschaften aller Zeiten früh als Endstation fest. Obwohl man in den beiden Spielzeiten zuvor den Meistertitel an die Ostküste holte, war für Manager Jerry Krause klar, dass nach diesem Jahr Schluss sei und die Mannschaft neu aufgebaut werde. Im Kontext dieses finalen Aktes einer Dynastie erlaubten die Chicago Bulls, in Absprache mit ihrem Superstar, Kameras einen bis heute einzigartigen Blick hinter die Fassade der NBA und deren wohl größte Legende zu werfen.

„The Last Dance“ verbindet nicht nur die Bilder aus der Saison 1998, sondern kramt auch Videomaterial aus den vorherigen Jahren aus den Archiven.

Diese intimen Einblicke in das letzte Jahr der besten Chicago-Bulls-Mannschaft aller Zeiten werden bei Netflix gewährt. Die dokumentarische Serie mit dem Namen „The Last Dance“ („Der letzte Tanz“) verbindet dabei nicht nur die Bilder aus der Saison 1998, sondern kramt auch Videomaterial aus den vorherigen Jahren bis hin zu der Pre-Jordan Ära aus den Archiven. Komplettiert werden diese Bilder durch exklusive Interviews mit den Protagonisten der damaligen NBA und natürlich Jordan selbst.

So wird nicht nur die Geschichte von Scottie Pippen, dem Superstar an Jordans Seite, erzählt, sondern auch seine ärgsten Konkurrenten wie Magic Johnson, Larry Bird oder Isaiah Thomas kommen zu Wort. Selbst dem erst rezent verstorbenen Kobe Bryant, für den Jordan eine Art Mentor war, wird das verlängerte Intro zu einer Episode gewidmet. Aber es sind nicht die bereits bekannten Aufeinandertreffen oder die unglaublichen Spiele des Michael Jordan, die die Serie zu dem machen, was sie ist. Es ist das wahre, scheinbar ungefilterte Gesicht dieser Ikone, in all seinen Facetten.

Man sollte seinen Helden nie kennenlernen. So sagt man zumindest. Für viele Verehrer von Michael Jordan könnte auch diese Serie den ein oder anderen Charakterzug hervorbringen, der nicht gefällt. So erhalten unter anderem die Probleme der Legende mit der Spielsucht Einzug. Auch die kontroversen Beziehungen zu seinen Mitspielern werden in der Serie mehrmals thematisiert. Von Menschen, die ihn lieben, über solche, die von Jordan nahezu verprügelt wurden, bis hin zu denen, die er mobbte. In dieser Serie erleben sie Michael Jordan so wie er eben war. Egal ob positiv oder negativ.

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Ähnlich wie die Facetten des Jordan fallen auch die Kritiken über die Serie aus. Neben den absoluten Liebhabern der Serie, gibt es auch diese, die dem Spektakel nicht viel abgewinnen konnten. Einige sportliche Zeitgenossen klagen ob der Einseitigkeit vieler Geschichten und hätten sich eine weitere Perspektive gewünscht. Dazu wird Jordan in der Serie beschuldigt, ein Lügner zu sein. Schlimmer noch: Mittlerweile wurde ein Interview ausfindig gemacht, in welchem Jordan erst vor wenigen Jahren eine kontradiktorische Aussage zu einer aus der Serie tätigte. Ob Jordan nun in dem Interview gelogen hat oder in der Serie, weiß wohl nur er selbst. Fest steht allerdings: Seine Leistungen auf dem Parkett waren konstanter als seine Aussagen daneben. Auch, dass die Ausstrahlung der fertigen Serie der Erlaubnis von Michael Jordan selbst unterlag, wirft Fragen bezüglich deren Authentizität auf.

Ein Dorn im Auge dieser Dokumentation ist vielen letztlich die Art und Weise, wie der damalige Manager der Chicago Bulls Jerry Krause dargestellt wurde. Als „angesäuertes fettes Kind“ wurde der Manager von Michael Jordan unter anderem bezeichnet. Wenngleich die Personalie Krause nicht unumstritten war, und er sicherlich auch die eine oder andere persönlich Fehde mit Jordan führte, schmeckt diese negative Darstellung in Anbetracht seines Todes im Jahr 2017 besonders bitter. Anders als beispielsweise Isaiah Thomas, welcher ebenfalls den ein oder anderen negative Kommentar von Jordan entgegennehmen musste, konnte sich Jerry Krause nicht verteidigen und seine Seite der Geschichte darlegen. In Anbetracht dieser Hilflosigkeit der Personalie Krause ist sein dermaßen negatives Porträt für viele eines der negativen Highlights der Serie.

Trotz der zwiegespaltenen Kritik bleibt die Serie ein Must-Watch für alle Sportfans, insbesondere diese, die mit der Legende Michael Jordan groß geworden sind. Zwar sollte man alle Aussagen mit Vorsicht genießen, doch bleiben seine Leistungen auf dem Parkett und sein unnachahmliches Konkurrenzdenken für jeden Zuschauer unvergesslich. Die NBA wird wohl erst Ende Juli wieder den Spielbetrieb aufnehmen, bis dahin sollte genügend Zeit bleiben, um die zehn Episoden des letzten Tanzes zu konsumieren. Wie schon erwähnt: trotz der nicht gerade astreinen Ausführung der Serie eigentlich ein Muss für jeden Sportliebhaber.

Text: Daniel Baltes / Fotos: Netflix

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Author: Martine Decker

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