Erlesene Spirituosen und feine Schokolade: Der Whisky Club Luxembourg hat die beiden Edelprodukte in vier Kombinationen zusammengestellt. revue war zur Premiere des ersten „Whisky & Chocolate“-Tasting eingeladen.
Fotos: Philippe Reuter
Der bärtige Mann im grün-blau-karierten Kilt hat die Augen geschlossen. Genüsslich führt er das schmale Glas mit dem goldgelben Inhalt an seine Lippen. Whisky ist für Herman van de Keer nicht einfach nur ein Getränk. Er liebt die Vielfalt, die die Spirituose zu bieten hat. „Cognac war mir irgendwann zu monoton, der Geschmack war immer gleich. Whisky hat dagegen eine Vielzahl an Geschmacksrichtungen.“ Ob rauchig, fruchtig, torfig oder würzig: Verantwortlich für diese Unterschiede sind unter anderem die Art der Trockung des Malts (des gemälzten Getreides), die Form des Destillierapparates und die Wahl der Fässer, erklärt der Präsident des Whisky Club Luxembourg.
Um diese Vielfalt zu präsentieren, aber auch, um eine Innovation vorzustellen, haben die Luxemburger Whisky-Freunde zu einem ganz besonderen Pröbelabend eingeladen: der Premiere ihres „Whisky & Chocolate“-Tastings. Weit hergeholt ist die Kombination dieser beiden Produkte nicht. „Bei Whisky-Dinners bekommt man zum Dessert oft einen getorften Whisky und schwarze Schokolade serviert. Dass diese beiden hervorragend zueinander passen, ist schon lange bekannt. Doch nicht jeder Whisky passt zu jeder Schokolade“, erklärt Herman. So entstand bald die Idee, vier Sorten Schokolade zu entwerfen, die mit einer jeweils anderen Whiskysorte perfekt einhergehen.
„Nicht jeder Whisky passt zu jeder Schokolade.“ Herman van de Keer, Präsident des Whisky Club Luxembourg
Das Ergebnis des langwierigen Suchens und Zusammenstellens steht nun in Reih und Glied vor uns: vier Flaschen schottischen Whiskys und vier Teller mit mundgerechten weißen und schwarzen Schokoladestückchen. Vorstandsmitglied Fernand Schaack und dessen Frau Sylvie – wie Herman van de Keer im Kilt bzw. Kiltrock – haben bereits die erste Flasche geöffnet und füllen nun die schmalen Gläser mit dem ersten Whisky, einer leichten, blumigen Glenlivet Founder’s Reserve. Dazu servieren sie weiße Schokolade mit Bourbon-Vanille. Es ist fast wie bei einer Weinprobe. Ich nehme ein Schlückchen Whisky, kaue und lasse die temperierte Flüssigkeit ein wenig im Mund verweilen. „So, und jetzt nehmen Sie ein Stück Schokolade und lassen sie im Mund schmelzen. Dann trinken Sie noch etwas Whisky hinterher, wenn Sie die Schokolade heruntergeschluckt haben“, fordert mich Herman auf. Mein erstauntes Gesicht spricht wahrscheinlich Bände. Einfach unglaublich dieser Geschmack! Herman freut sich sichtlich über meine Überraschung: „Die Süße der Schokolade schmeckt man vorne im Mund, den Whisky hinten. Durch diese Kombination erlebt man eine bombastische Explosion von Vanillearoma, die den ganzen Mund ausfüllt“, erklärt er.
Die Schokolade, die der Whisky Club Luxembourg ausgesucht hat, ist in Zusammenarbeit mit einem belgischen Chocolatier entstanden. „Wir haben auch Produzenten in Luxemburg gefragt, ob sie mit uns etwas zusammen machen wollen, aber leider war keiner daran interessiert“, bedauert der aus Flandern stammende Herman. Einen guten Partner haben sie schließlich bei Belgian Chocolate Design gefunden, mit dem sie monatelang verschiedene Kombinationen ausprobiert haben. So unter anderem die schwarze Grenade-Schokolade mit Chili, die wir nun mit einem Bruichladdich Scottish Barley serviert bekommen. Das Zusammenspiel der sanften Mandelnote des Whiskys und der leichten Schärfe des Chilis ist ein ganz anderes als das vorige. „Hier bekommt man einen schönen, cremigen Gesamtgeschmack, den ich sehr gelungen finde. Beim Bruichladdich muss man allerdings aufpassen, da er 50 % Alkohol hat. Oder 50 % Wasser“, scherzt Herman.

Der Genießer: Clubpräsident Herman van de Keer liebt die Vielfalt, den Whisky zu bieten hat.

Zünftig im Kilt: Die Clubmitglieder Sylvie und Fernand Schaack haben sich zum ersten „Whisky & Chocolate“-Tasting in Schale geworfen.
Überhaupt geht es bei diesem Tasting alles andere als steif und ernst zu. Der Club, der vor acht Jahren gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Whisky-Enthusiasten zusammenzubringen und die edlen Eigenschaften der Spirituose mehr ins Rampenlicht zu rücken, sieht sich aber auch als Ort des geselligen Beisammenseins. Dabei sind alle Gesellschaftsschichten willkommen: „Unsere Mitglieder reichen vom Studenten über den Arbeiter bis zum Großindustriellen. Wo die Leute herkommen und welchen Job sie haben, ist egal. Wir haben einen gemeinsamen Nenner und das ist die Liebe zum Whisky“, meint Herman gut gelaunt. Ernst wird der 55-Jährige aber, als er ein typisches Vorurteil anspricht: „Oft wird gesagt, Whisky sei nur gut zum Betrunkenwerden. In unserem Club gibt es jedoch keinen einzigen Trinker. Wir hatten in all den Jahren nur einziges Mitglied, dem wir aus diesem Grund die Mitgliedschaft nicht verlängert haben. Wir haben viel eher die Reputation, ein Club von Bonvivants zu sein, Menschen, die gerne gut essen und trinken – aber alles in Maßen.“
Nach ein paar Schlucken Wasser, um die Geschmacksnerven „auf null“ zu stellen, schenken Fernand und Sylvie nun einen 15 Jahre alten Glenfarclas mit ausgeprägter Zitrusfruchtnote aus. Passend dazu: schwarze Madagaskar-Schokolade mit karamellisierten Haselnüssen. „Die kommt bei vielen sehr gut an“, sagt Herman und greift sich noch ein Stückchen. Mir selbst sagt diese Schokolade nicht so zu, dafür verschafft mir aber die letzte Kombination einen sagenhaften Genuss. Denn zum Abschluss des „Whisky & Chocolate“-Tastings erwartet uns etwas besonders Ungewöhnliches: ein Talisker Skye und Ecuador-Schokolade mit… Salz. „Das ist kein gewöhnliches Salz, sondern rosa Gourmet-Salz aus dem Himalaya, das dort aus den Gletschern herausgeschlagen wird“, beschreibt Herman das exquisite Stück. „Und, wie schmeckt Ihnen diese Kombination?, fragt Herman gespannt. Mir hat es die Sprache verschlagen. Dass Whisky, Kakao und Salz so harmonieren können, hätte ich im Leben nicht erwartet. „Der Whisky stammt von der Isle of Skye, wo das Malt mit Torf getrocknet wird. Das verleiht ihm diesen typischen rauchigen Geschmack. Was das Salz angeht, kommt es auf die Dosierung an. Beim ersten Versuch hatte der Chocolatier zu viel Salz hineingetan. Geschmeckt hat das überhaupt nicht“, lacht Herman.
Mein persönliches Traumpaar steht fest: Talisker Skye mit Salz-Schoki, dicht gefolgt vom Glenlivet mit der weißen Schokolade. „Es gibt Leute, die mögen den Salzgeschmack nicht, sind dafür aber begeistert von der Chili-Schokolade. Andere lieben die mit den Nüssen. Aber alle finden die weiße Schokolade toll.“ Aber Geschmäcker seien eben verschieden: „Wenn jeder den gleichen Geschmack hätte, dann stünde hier nur eine Flasche Whisky“, zwinkert Herman und prostet mir zu.







