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Über Wasser

Die Fährverbindung zwischen Wasserbillig und dem deutschen Oberbillig gehört zur Mosel wie der Wein, der dort angebaut wird. Doch das alte Fährschiff ist etwas in die Jahre gekommen. Ende des Jahres wird es durch ein neues ersetzt.

Fotos: Schiffstechnik Buchloh, Heike Bucher

Wer dieser Tage im deutschen Oberbillig zu Fuß unterwegs ist, kann eine schöne Entdeckung machen: Unweit der Anlegestelle der Autofähre, die nach Wasserbillig führt, nistet ein Schwanenpärchen. Für ihre Brutstelle haben die beiden nicht gerade den heimeligsten Ort gewählt – einen kleinen Grünstreifen zwischen Parkplatz und Anlegestelle. Mit ein bisschen Glück kann man sogar die Eier sehen, wenn sich der nistende Elternteil zufällig gerade bewegt.

Wachsam: Martin Schreiner ist einer
der drei angestellten Fährmänner.

Die beiden Schwäne werden aber weitestgehend in Ruhe gelassen. Zwar ist der Durchgangsverkehr durch den kleinen Ort an der Mosel recht stark, doch von der Straße aus ist das Vogelnest nicht zu sehen. Und kaum einer steigt hier aus. Die meisten wollen weiter, entweder über die 419 Richtung Grevenmacher oder Trier. Oder mit der Fähre ins luxemburgische Wasserbillig.

Seit 51 Jahren verbindet die Sankta Maria die Grenzorte Wasser- und Oberbillig miteinander. Die Jahre sieht man der Fähre an, doch der alte Dieselmotor tuckert zuverlässig. Die Verbindung über den Fluss ist willkommen, nicht nur bei den Bewohnern beider Uferseiten. Auch bei Pendlern ist sie beliebt, und an den Wochenenden tummeln sich gruppenweise Touristen mit und ohne Fahrrädern darauf. Die nächsten Brücken sind weit weg: in Grevenmacher und in Trier. Der Weg über die Fähre spart Zeit und ist schön – schließlich geht es über die Mosel, dort, wo viele Leute Urlaub machen.

„Eine Fährverbindung an dieser Stelle“, sagt der Oberbilliger Ortsbürgermeister Andreas Beiling, „gibt es bereits seit dem Mittelalter. Doch als die Mosel offiziell zur Schifffahrtsstraße wurde, musste eine her, deren Führungsseil im und nicht auf dem Wasser liegt.“ Zuvor waren die Fährboote an einem Seil befestigt, das auf der Wasseroberfläche lag. Mit Hilfe der Strömung konnten die Fährmänner das Boot zur anderen Seite bringen. Als der Fluss dann 1964 für große Schiffe freigegeben wurde, musste das Seil natürlich weg. Und die Sankta Maria wurde gebaut – eine Fähre mit Platz für sechs Autos und insgesamt 50 Personen, am 1. Mai 1966 trat sie in den Dienst.

Die Überfahrt ist kurz, sie dauert keine Minute. Feste Abfahrtzeiten sowohl von der einen als auch von der anderen Seite sind deshalb nicht vorgesehen. Es gibt zwar Kernzeiten, in denen die Fähre in Betrieb ist, doch darin fährt sie nach Bedarf. Also immer dann, wenn Gäste kommen. Die beiden Anlegestellen sind gut zu sehen, lange warten muss niemand, die Fährmänner passen auf. Es sei denn, man gerät in den Berufsverkehr hinein, dann kann es vorkommen, dass man der Fähre ein paar Mal hinterherschaut, bevor man selbst hinauffahren kann.

Martin Schreiner ist einer von drei Fährmännern auf der Sankta Maria. Seit eineinhalb Jahren ist er bei der Gemeinde Oberbillig angestellt, zuvor hatte er bereits Erfahrungen bei der Bundeswehr und in der Personenschifffahrt gemacht. „Doch in dem Job hier habe ich mehr zu tun als in meinen anderen zuvor. Vor allem im Feierabendverkehr, dann kommt es schon vor, dass sechs, sieben Fahrten hintereinander voll sind.“ Weil jeder Fährmann seine Schicht alleine macht, muss er neben dem Fahren auch noch die Gebühren bei den Gästen abkassieren, was meist länger dauert als die Fahrt an sich. Doch Martin Schreiner mag seinen Job. „Manchmal ist viel zu tun, manchmal weniger. Das gleicht sich alles aus. Ich fühle mich sehr wohl hier. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich schon viel früher hier angefangen.“

Dass er noch in diesem Jahr auf einem neuen Schiff angelernt wird, darauf freut sich der Fährmann schon. Denn Ende Oktober/Anfang November wird die neue Fähre geliefert, ein nagelneues Schiff mit emissionsfreiem Elektromotor und Solarpanelen. Letztere können zwar nicht den Antrieb sicherstellen, aber für die Elektrik, die an Bord betrieben wird, reicht der selbstproduzierte Strom aus. Der Motor wird per Akkus angetrieben, die nachts aufgeladen werden. Auf der neuen Fähre wird es mehr Platz geben, sie wird etwas breiter gebaut. Allerdings nicht, um mehr Autos zu befördern, sondern einerseits, um den Fußgängern und Radfahrern mehr Platz und eine sichere Überfahrt zu gewährleisten, andererseits, um den größeren und breiteren Autos Rechnung zu tragen, die heutzutage gebaut werden.

Die Kosten über 1,6 Millionen Euro für die neue Fähre sind bereits finanziert: 660.000 Euro kommen aus dem INTERREG-Fördertopf der EU, und die beiden involvierten Gemeinden beteiligen sich mit jeweils 170.000 Euro. Der Rest wird mit dem Überschuss beglichen, den die Fähre im Jahr 2014 eingefahren hat, als die Brücke zwischen Grevenmacher und Wellen erneuert und der Übergang dort monatelang gesperrt wurde. Die Zukunft der einzigen Fährverbindung zwischen Luxemburg und Deutschland ist also gesichert. Und Bürgermeister Beiling verspricht, die Fahrzeiten nicht zu verändern, zumindest nicht zu verkürzen.

Schön, aber kurz: Die Überfahrt auf der Sankta Maria dauert keine Minute.

Sommerfahrzeiten: montags bis freitags von 6.30 bis 20 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 9 Uhr bis 20 Uhr, Infos und Gebühren: www.oberbillig.de

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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