Home » Home » Urlaubsparadies Luxemburg?

Urlaubsparadies Luxemburg?

Der Sommer ist vorbei und für die meisten damit auch die Urlaubszeit. Als Alternative zu Ägypten, Tunesien und der Türkei wurde vor allem Spanien dieses Jahr von Touristen überrollt. Doch wie beliebt ist das Großherzogtum als Reiseziel? Horesca-Generalsekretär François Koepp klärt auf.

Fotos: Pixabay, Julien Garroy (Editpress), Paul Hilbert, Marc Lazzarini, Jonathan Godin (alle drei LFT)

Das Hotel- und Gaststättengewerbe Luxemburgs hat eher ein verstaubtes Image. Aber entspricht dieses Bild überhaupt noch der Realität? Und wer macht eigentlich Urlaub bei uns? Die meisten Gäste sind hier geschäftlich unterwegs, doch nicht nur. Aktuell liege das Verhältnis wohl bei 60 zu 40, meint François Koepp, Generalsekretär der „Fédération nationale des hôteliers, restaurateurs et cafetiers“, kurz Horesca. Dabei überwiegt der Kongresstourismus. Bei Privatleuten sind vor allem Kurztrips, sogenannte „city breaks“, überaus beliebt, was Luxemburg-Stadt zu unserer unangefochtenen Touristenhochburg macht.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Touristen in der Hauptstadt um sechs Prozent – das im Zeitraum zwischen Januar und Juni, nicht während der Hochsaison, wie aus einer Umfrage von „Luxembourg for Tourism“ (LFT) hervorgeht. „Im Durchschnitt sind die Zimmer zu 71,2 Prozent ausgelastet“, bestätigt Koepp den positiven Trend. Luxemburg zähle zu den Spitzenreitern in Europa und sei mit fast ausgebuchten Reiseorten wie London, Malta und Paris vergleichbar. Der Andrang bedeutet, dass bald mehr Infrastrukturen, mehr Hotels, hermüssen. Der wirkliche Knackpunkt liegt, laut Horesca-Generalsekretär, allerdings erst bei zwei Millionen Besuchern pro Jahr.

Außerhalb des Zentrums, im Süden, den Ardennen und insbesondere an der Mosel, konnte ebenfalls ein Plus verzeichnet werden. Im Mullerthal und im Osten sind die Zahlen hingegen leicht rückläufig. Die niederländische Kundschaft ist im ersten Halbjahr größtenteils ausgeblieben, wofür es viele Erklärungen geben kann – das Wetter etwa, oder gestiegene Zimmerpreise. Was auch immer der Grund sein mag, feststeht, dass die Landhotellerie neu definiert werden muss. In den vergangenen Jahren sind viele Anstrengungen unternommen worden, von Betreibern wie von offizieller Seite. Ein einheitliches Klassifizierungssystem von Hotels wurde eingeführt und mehrere gezielte Werbekampagnen ins Leben gerufen. Trotzdem haben es regionale Hotels, meist kleinere Gaststätten, oft schwerer. „Allein 37,5 Prozent des Gesamteinkommens gehen für die Zahlung der Gehälter drauf. Die höchsten Kosten fallen allerdings beim Wasserverbrauch an“, weiß Koepp. Zudem erschweren Steuererhöhungen und bürokratische Hürden das Geschäft.

„Im Durchschnitt sind die Zimmer zu 71,2 Prozent ausgelastet.“ François Koepp

Eines der größten Sorgenkinder ist derzeit „Airbnb“. Das Ferienwohnungsportal, das ursprünglich für Privatnutzer entwickelt wurde, befindet sich in einer Grauzone, da immer mehr kommerzielle Vermieter Gebrauch davon machen und auf diesem Wege Millionenumsätze erwirtschaften, ohne diese richtig zu versteuern. Koepp steht der Plattform nicht nur deswegen überaus kritisch gegenüber. Sie schaffe weder Arbeitsplätze, noch registriere sie ihre Gäste in irgendeiner Form. Die Identität der Kunden in Zeiten des Terrorismus nicht zu überprüfen, empfindet er als grob fahrlässig. Dabei wäre es gar nicht so schwer, den Zwist zwischen Online-Anbietern und klassischen Hoteliers beizulegen, ist er überzeugt. Was man tun müsse? Dem Konzern einen legalen Sitz in Luxemburg anbieten und ihn reglementieren, Steuernummern verteilen, um zwischen Geschäftspersonen und Privatleuten zu unterscheiden. So könnte ein ungesunder Wettbewerb verhindert werden.

„‚Airbnb‘ schafft weder Arbeitsplätze, noch registriert es seine Gäste in irgendeiner Form.“ François Koepp

Neben „Airbnb“ haben Privatunternehmen mit internationalen Hotels zu kämpfen. Eine Monokultur möchte niemand fördern, dennoch haben sich die Ketten schon vor Jahrzehnten im Großherzogtum etabliert. Die allererste war das „Holiday Inn“, erinnert sich Koepp. Dann denkt er an die Anfänge der luxemburgischen Hotellerie zurück, an die Grandhotels während der Belle Époque – „wunderschöne Betriebe, wahre Schmuckstücke.“ Die heutige Sparkasse auf der Place de Metz sei vor dem Zweiten Weltkrieg ein Weltklassehotel, „à la ‚Ritz‘“, gewesen, erzählt er. Auch das Hotel „Klees“ in der Avenue de la Gare sei außergewöhnlich gewesen.

In der Nachkriegszeit stand es gut um die Branche. 1953 existierten rund 407 Gasthäuser mit schätzungsweise 5.000 Zimmern. 2016 sind es nur noch 232 Hotels, die Aufnahmekapazität ist hingegen gestiegen: rund 7.600 Räumlichkeiten stehen zur Auswahl. Doch warum ist fast die Hälfte der Unterkünfte in den letzten sechzig Jahren verschwunden? Zwei Weltkriege und andere Tiefpunkte – die Öl- und Stahlkrise in den 70ern, das Platzen der Dotcom-Blase im Jahre 2000 und die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 – ließen zahlreiche Betriebe schließen. Erst vor fünf Jahren habe man sich von letzterer erholt.

Der aktuelle Wirtschaftsschub tut dem Tourismus hierzulande gut, wie Statistiken deutlich zeigen. „Es ist wichtig, die Zahlen im Auge zu behalten. Sie sind jedoch kein Allheilmittel“, kommentiert Koepp und fügt hinzu: „Die Gäste sind viel kosmopolitischer geworden. Man sollte sein Konzept ständig überdenken und anpassen.“ Im Hotelgewerbe wittert er noch viel Potenzial. Würde man mehr Geld in die Branche, statt etwa ins Space-Mining, investieren, könne man Tausende neue Jobs schaffen. Und viel wichtiger noch: Stellen für Menschen ohne Ausbildung, Stellen für Menschen, die lange Zeit vergessen wurden.

www.horesca.lu
www.classification.lu

Françoise Stoll

Journalistin / Gastronomie

Teilen ...Email this to someoneShare on Google+Print this pageTweet about this on TwitterShare on Facebook
Author: Philippe Reuter

Login

Lost your password?