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Virun der Dier

Zwei sehr unterschiedliche Naturschutzgebiete, zwei seit Jahren befreundete Fotografen, eine gemeinsame Ausstellung in Remerschen. Zum Staunen und sich Bewusstwerden, wie schön und vielfältig Flora und Fauna in Luxemburg sind.

Guy Conrady und Raymond Gloden sind seit Jahren beste Freunde. Was beide verbindet, ist die Liebe zur Natur. Und die Fotografie. Während der eine am liebsten im Süden des Landes mit seiner Kamera unterwegs ist, liegt der andere meist in Naturschutzgebiet Haff Réimech auf der Lauer. „Et muss een net wäit reesen, fir aussergewéinlech Villercher oder seele Planzen ze gesinn“, so der ehemalige Winzer aus Schwebsingen. Daher trägt die gemeinsame Ausstellung in der Fondation Valentiny denn auch den Titel: „Virun der Dier“.

Während die Aufnahmen von Raymond Gloden vor allem der Vogelwelt des rund 350 Hektar großen und wichtigsten Feuchtgebietes im Moseltal gewidmet sind, zeigen die Fotos von Guy Conrady, wie die Natur im Minettebecken es geschafft hat, nach dem Verstummen der Bulldozer erneut Oberhand zu gewinnen und sich in ein fruchtbares Gelände zu verwandeln. Wo einst über und unter Tage in Erzminen gearbeitet wurde, blühen heute seltene Orchideenarten, ist der Fransenenzian zurückgekehrt, sind die verwüsteten Mondlandschaften wieder grün. In den verlassenen Gruben überwintern Fledermäuse.

Stück für Stück erobert sich die Natur im Minette-Becken und im Haff Réimech ihren Raum zurück.

10„Mir präsentéieren an eiser Ausstellung zwar zwee ganz verschidde Naturreservater, an dach gëtt et Gemeinsamkeeten“, erklärt Guy Conrady. In beiden Gebieten griffen einst gewaltige Schaufelbagger tief ins Erdreich, „fir zerwullte Landschaften ze hannerloossen“. An der Mosel wurde und wird nach wie vor Kies und Sand abgebaut. Im Minettebecken war es, wie bereits erwähnt, Eisenerz. Der Wandel vollzog sich allerdings nicht von heute auf morgen. Auf den steinigen Böden wuchsen zunächst nur Flechten und Moose sowie Pilze und Algen. War noch etwas Erde vorhanden, begannen Trockenwiesen zu sprießen. Später tauchten Pionierwälder auf. Und irgendwann gab es erneut einen Wald. In diesem Wald sind derzeit rund 450 Pflanzen- und Kräuterarten zu Hause, die in etwa die Hälfte sämtlicher Arten des Großherzogtums ausmachen. Guy Conrady erwähnt den Wilden Salbei und spricht im gleichen Atemzug von einem Kreislauf, der sich geschlossen hat.

Im Feuchtgebiet Haff Réimech, das sich zwischen Schwebsingen und Schengen erstreckt, sind andere Pflanzen und Tiere heimisch geworden. Die sehr seltene Zwergdommel zum Beispiel. Ein typischer Schilfbewohner, der in ganz Mitteleuropa vom Aussterben bedroht ist und erst durch das Schaffen neuer Flachwasserzonen im Baggerweihergebiet Remerschen als Brutvogel nach Luxemburg zurückgekehrt ist. Zu erkennen ist dieser recht scheue Zugvogel durch seine froschartigen Rufe während der Brutzeit. „Mir si keng reng Knipser“, räumt Guy Conrady in dem Moment lachend ein. „Mir si virun allem Beobachter.“ Um Tiere fotografieren zu können, muss man nämlich ihr Verhalten kennen. Farbenfrohe Landschaftsaufnahmen gelingen derweil nur, wenn man sich auf die Topologie und unverhoffte Wetterumschwünge einstellt. Und ein Auge für die Besonderheit der Natur hat.

Ech ginn ëmmer nees op déi selwecht Plazen, an et ass ëmmer anescht. Anescht schéin. Déi Schéinheet gëtt een ni midd. Guy Conrady

Genau darum geht es Raymond Gloden und Guy Conrady. Weil sie wissen, wie einmalig der Artenreichtum in den Biotopen an der Mosel und im Land der roten Erde ist, möchten sie diese schützenswerte Einzigartigkeit mit anderen teilen. Und gleichzeitig den Gedanken des Naturschutzes stärken. „Mir sinn och scho mol zesummen a Finnland an op nach villen aneren interessante Plaze gewiecht, mee wat et virun eiser Dier z’entdecke gëtt, ass dacks gradsou schéin“, betont Guy Conrady noch einmal. Bereits in dem vor 15 Jahren erschienenen Bildband „Himmelslichtungen“ lenkt der mittlerweile pensionierte Ingenieur den Blick auf die unvermutete Schönheit der Minette-Gegend. Seitdem scheint sich wenig verändert zu haben. „Dat stëmmt net. Ech ginn ëmmer nees op déi selwecht Plazen, an et ass ëmmer anescht. Anescht schéin. An et gëtt een déi Schéinheet ni midd.“

Lallengerbierg

Lallengerbierg

Mit beeindruckenden Felswänden und seltenen Orchideen kann das Biotop Haff Réimech nicht dienen. Stattdessen schwärmt Raymond Gloden von der Bedeutung des Naturreservats als Überwinterungsgebiet für Zugvögel. Für kleine Singvögel, die lediglich 200 bis 300 Kilometer weit fliegen, seien die Schilfbestände die ideale Tankstelle. Besonders stolz ist er ebenfalls auf die Tatsache, dass die Reiherente seit 1988 im Baggerweihergebiet brütet und der Drosselrohrsänger sich dort (und nirgendwo anders) dauerhaft angesiedelt hat. 2010 werden dort bis zu sieben Reviere festgestellt, wie in „Vögel Luxemburgs“ nachzulesen ist. Beide Fotografen arbeiten übrigens regelmäßig an den Publikationen der Lëtzebuerger Natur- a Vulleschutzliga mit. Ihnen muss man nicht näher erläutern, dass der Schutz der Biodiversität ein gemeinsames Anliegen der Menschheit und integraler Bestandteil der Entwicklung ist. Und damit auch andere sich dessen bewusst werden, fotografieren sie die Farbenpracht eines Eisvogels oder die des Giele Botter.

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Birke

Fotos: Guy Conrady, Raymond Gloden

Infos:

Austellungsdauer: bis zum 23. Februar

Ort: Fondation Valentiny in Remerschen

Am 20. Februar um 19.30 Uhr präsentieren Guy Conrady und Raymond Gloden eine Power Point-Schau, während Hobbybotaniker Jos Lahr einen Vortrag über die Orchideenvielfalt im Minette-Becken hält.

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Author: Philippe Reuter

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