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Vom Set hinter den Tresen

Promis wollen oft mehr erreichen als nur berühmt zu sein. Gerade in der Schauspielerszene setzt sich scheinbar der Trend durch, neben der Karriere ein Lokal zu eröffnen. Genau das hat auch der luxemburgische Schauspieler Mickey Hardt getan.

Wenn Ruhm nicht mehr glücklich macht und beruflich schon alles erreicht ist, dann ist es für zahlreiche Prominente an der Zeit, sich eine neue Herausforderung zu suchen. Oder steckt etwa lediglich der Wunsch nach Beständigkeit dahinter?

Schauspielerin Scarlett Johansson eröffnete vor fast zwei Jahren ein Popcorn-Geschäft „Yummy Pop“ in Paris. Sie selbst steht hin und wieder mit ihrer Schürze hinter der Theke. Der Laden, der Popcorn in allen Variationen anbietet, wird von der Schwester ihres französischen Mannes geleitet. Der Hit sind die Geschmacksrichtungen „Trüffel mit Parmesan“ oder „Salbei“. Wer Käse liebt, sollte die „Vermont-Cheddar-Version“ ausprobieren.

Neben Johansson wurden aber noch andere Promis vom Gastronomiefieber gepackt. Zum Beispiel Jon Bon Jovi. Der Musiker und Schauspieler führt das „Soul Kitchen“ in New Jersey. Das Restaurant richtet sich vor allem an Bedürftige, die ihr Essen abarbeiten oder nur das bezahlen was sie können. Oder Susan Sarandon und ihre Bar „Spin“, in der man Tischtennisspielen kann. Das Konzept wurde 2009 von der Schauspielerin erfunden. Die erste Location öffnete sie in New York, mittlerweile gibt es mehrere Filialen in den USA. Oder Daniel Brühl. Der deutsch-spanische Schauspieler eröffnete, weil er in Berlin keine anständigen Tortillas de patatas fand, selbst mit ein paar Freunden 2011 seine eigene Tapasbar. Die neue Aufgabe gefiel ihm so gut, dass er noch ein weiteres Lokal übernahm, das er allerdings nach neun Monaten wieder schließen musste. Doch mit seinen innovativen Ideen steckte er seinen Schauspielerkollegen Til Schweiger an und dieser machte prompt im Oktober die Tür seines Restaurants „Barefood Deli“ in Hamburg auf. Til soll sogar öfters selbst die Bedienung übernehmen.

“Wir besuchen Bauernhöfe und suchen das Fleisch auch selbst aus, das ist uns sehr wichtig.” Mickey Hardt, Schauspieler

Auch in Luxemburg zeigen sich Prominente gerne hinter dem Tresen. Schauspieler Fernand Fox stand in seiner „Theaterstuff“ auf dem Limpertsberg gerne als Wirt hinter der Theke. Die RTL-Stars Gérard Valérius und Dan Spogen führten über zwei Jahre lang das Bistro „Louis“ in Diekirch, das leider heute schließt. Und der frühere Eldoradio-Moderator Ben Olinger betreibt mit seiner Frau und zwei Freunden die Weinbar „D’Wäibar“ in Remich. Wen wundert es also, dass der Schauspieler Mickey Hardt ebenfalls sein Faible für den Horesca-Bereich entdeckt hat?

„Ich wollte schon seit Jahren mit meinem Freund Mario Comparetto ein Restaurant in Luxemburg aufmachen. Doch wir fanden nicht die richtige Location. Vor ein paar Monaten sind wir dann endlich auf das passende Objekt gestoßen“, erzählt Hardt, der von Berlin nach Luxemburg gezogen ist. Auf dem „Knuedler“ liegt ihr Traumlokal, das eigenhändig restauriert wurde: „Ich hätte nie gedacht, dass so viel Arbeit auf uns zukommen würde, die letzten Monate stand ich jeden Morgen bereits um sieben Uhr hier um anzustreichen“. Das Duo nahm sich zur Unterstützung die Geschäftsfrau Tanja de Jager mit ins Boot. „Wir drei sind sehr gute Freunde und kennen uns schon seit dem Teenageralter. Tanja besitzt durch ihre Erfahrungen mit dem Dipso und Charlotte einfach das nötige Know-how, was mir im Moment noch fehlt“, gesteht der Schauspieler.

Das Dreiergespann reist herum, um sich zu inspirieren. In Amsterdam entdecken sie ein Restaurant, das alle begeistert. „Ein Fleischrestaurant hat es uns sofort angetan. Mario hatte mir schon öfter von dem Konzept erzählt, als ich es dann dort ausprobierte, war ich hin und weg“, erläutert der 49-Jährige. Die Grundidee war also gefunden und der „Katchi (The Beef Club)“ wurde daraus geboren. Im Mittelpunkt steht, wie der Name schon verrät, Rindfleisch und vor allem „dry aged“. „Ich habe zwar eine Zeit lang vegetarisch gelebt, doch ich kann irgendwie einfach nicht auf ein gutes Stück Fleisch verzichten“, lacht Mickey. Das Trio achtet darauf, dass nur das beste Fleisch den Weg in ihr Restaurant findet: „Wir besuchen Bauernhöfe und suchen das Fleisch auch selbst aus, das ist uns sehr wichtig“. Außerdem lieben alle drei das Kochen. Mickey schaut sich besonders gerne Kochvideos an und kocht die Gerichte dann nach. Zudem hat er zuhause seinen eigenen Kräutergarten.

“Als ich meiner Familie mitteilte, dass ich ein Lokal eröffnen werde, sagte diese zu mir, dass es auch endlich an der Zeit wäre, einen anständigen Job auszuüben.” Mickey Hardt, Schauspieler

Im Moment kümmert Mickey Hardt sich hauptsächlich um den Service im „Katchi (The Beefclub)“ und findet sich langsam in seiner neuen Rolle, fernab eines Filmsets, zurecht: „Ich brauchte einfach eine Beständigkeit in meinem Leben. Als Schauspieler ist die Zukunft nämlich immer ungewiss. Man wartet ständig auf das nächste Engagement, das Ganze ist finanziell nicht so einfach“. Als Gastronom kann er weiterhin schauspielern, doch er weiß, dass mit dem „Katchi“ eine finanzielle Basis bestehen bleibt. „Ich werde keine Soap-Rollen mehr annehmen, für die ich längere Zeit weg muss“, erklärt er weiter. „Als ich meiner Familie mitteilte, dass ich ein Lokal eröffnen werde, sagte diese zu mir, dass es auch endlich an der Zeit wäre, einen anständigen Job auszuüben“, merk Mickey lachend an.

In einer zweiten Phase soll das „Katchi“ als Club ausgebaut werden. Das DJ-Pult ist bereits installiert, doch das Restaurant genießt erstmals die volle Priorität.

Ob Gastronomie für Promis einfach nur eine neue Herausforderung darstellt oder den Wunsch nach etwas Dauerhaftem ausdrückt ist eigentlich egal, denn den meisten scheint es jede Menge Spaß zu bereiten und das ist doch am Ende das Allerwichtigste!

Fotos: Anne Lommel, Didier Sylvestre, Alain Rischard (alle Editpress), Privatarchiv

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Author: Martine Decker

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