Die CSV gibt sich neue Statuten und will ihre Mitglieder mitentscheiden lassen. Der Abgeordnete Serge Wilmes sieht die Oppositionsrolle seiner Partei als Gelegenheit zur Erneuerung.
Foto: Philippe Reuter
Die Liberalen haben ihre Führungsriege beim letzten Sonderparteitag stark verjüngt. Bei der CSV blieb der Verjüngungsprozess bisher aus. Warum?
Die DP profitierte vom Regierungswechsel, weil dadurch eine Reihe von Nachwuchsleuten ins Parlament kam. Die CSV hingegen hatte den Nachteil, dass sie zwar einige Junge bei den Wahlen auf der Liste hatte, die aber durch den Wechsel auf die Oppositionsbank nicht ins Parlament kamen, so dass wir eine Reihe von älteren Abgeordneten haben und nur wenige junge. Außer mir, dem einzigen unter 40, sind das Léon Gloden (43) und Laurent Zeimet (41), der nachgerückt ist.
Die auch nicht gerade die Jüngsten sind…
Es stimmt, dass es bei uns ein Generationenloch gibt. Das ist also eine große Herausforderung für die Partei. Spätestens bei den Gemeindewahlen 2017 müssen wir es schaffen, dass auch die Unter-30-Jährigen gute Resultate erzielen und dann eine gute Ausgangsposition für die Parlamentswahlen 2018 haben.
Der CSV-Parteinachwuchs aus CSJ und der Dräikinneksgrupp, der Sie angehören, hat nach der Wahlniederlage 2013 Reformen angemahnt. Was ist daraus geworden?
Nach dem schweren Gang in die Opposition, mit dem wir uns abfinden mussten, setzte ein Prozess ein, der noch nicht abgeschlossen ist. Vor allem die Jungen in der CSV haben sich mit der Situation leichter abgefunden. Der Statutenkongress wurde von der Dräikinneksgrupp und der CSJ auf den Weg gebracht. Wir sagten, die Opposition müsste als Opportunität genutzt werden, um zu hinterfragen, was uns in diese Situation geführt hat und was wir anders machen müssen. Unsere Analyse war klar: Die CSV war hauptsächlich eine Partei, die es gewohnt war, an der Macht zu sein. Die Regierungsmitglieder gaben den Ton an und die Partei war eher eine passive „Dabeiseinpartei“. Aber es war nicht wirklich eine „Mitmach- oder Mitentscheidungspartei“. Wir waren es also nicht gewohnt, auf lange Sicht zu arbeiten, sondern Tag für Tag die Regierungsarbeit umzusetzen. Nun bietet sich die Gelegenheit für einen längeren Reflexionsprozess.
Man könnte glauben, die Opposition sei eine tolle Sache.
Die Opposition ist wichtig in einem demokratischen System. Nun kommt es viel mehr auf die Fraktion und auf die Partei an.
Hat sich die CSV mit ihrer Rolle als Oppositionspartei abgefunden?
Ja. Es fehlt aber noch etwas. Sie muss sich eine neue Struktur geben. Die Mitglieder sollen mehr Mitsprache erhalten und mitentscheiden können. Unsere Gruppe fordert, dass sich die Partei verändert. Vom Wahlverein zur Denkfabrik.
Mit Ihrer Forderung nach einer Urwahl des Spitzenkandidaten kamen Sie nicht durch.
Wir müssen einfach mehr Diskussionskultur entwickeln. Das dürfte eine Stärke sein bei mehr als zehntausend Parteimitgliedern, die mitreden und mitentscheiden sollen. Daher kam auch die Forderung nach der Urwahl als einer Form von Basisdemokratie. Als Gegenargument hieß es, dies würde verstärkt zu Konflikten führen. Ein seltsames Argument, ist doch die Diskussions- und Streitkultur eine Essenz der Demokratie. Zwar wurde eine Mitgliederbefragung verankert, aber der Schritt nicht vollständig ausgeführt. Die Mitglieder sollten nicht nur zu Inhalten befragt werden, sondern auch bei personellen Fragen mitentscheiden dürfen.
Die CSV definiert sich als Volkspartei, und eine solche ist heterogen. Hat sie sich verändert?
Wir stehen für unterschiedliche gesellschaftliche Modelle. „C wie Choix“ steht für Pluralismus als unsere Stärke. Wir stehen im Zentrum der Gesellschaft. Choix bedeutet die Wahl verschiedener Familien-, Schul-, aber auch wirtschaftlicher Modelle. Sie steht zudem für kulturelle Vielfalt. Besonders in einer zunehmend postmateriellen Gesellschaft, die nicht mehr nur an Konsum orientiert ist.







