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Von oben

Die Fähigkeit, ohne Pilot in der Luft zu fliegen, machen Drohnen zu beliebten Objekten des Militär. Doch die Technologie hat sich längst demokratisiert und ist mittlerweile fester Bestandteil von Video- und Fotoreportagen.

Die Inszenierung ist durchdacht. Militärisch geplant bis ins letzte Detail. Auch die Bilder, die vom russischen Fernsehen produziert werden, um den von Wladimir Putin gewollten propagandistischen Effekt der Veranstaltung voll und ganz zu erfüllen. Als der russische Dauerpräsident sich Mitte Mai bei der Einweihung der Krim-Brücke – mit 19 Kilometern die längste Brücke Europas – hinter das Steuerrad eines Lastwagens schwingt und die neue Verbindung zwischen dem russischen Festland und der Halbinsel abfährt, wird die symbolträchtige Fahrt aus jedem erdenklichen Blickwinkel gefilmt. Und als der vom russischen Staatschef angeführte LKW-Konvoi einen Brückenbogen durchfährt, liefert passend zur hollywoodreifen Darstellung eine Drohne die Bilder aus der Vogelperspektive.

Auch wenn der Einsatz der Kameradrohnen bei Putins Show Richtung Halbinsel Krim in Sachen Effekthascherei besonders gelungen war, der Einsatz der „fliegenden Kameras“ hat sich längst demokratisiert und die „Bilder aus der Luft“ finden sich – fast schon inflationär werden einige behaupten – in immer mehr Reportagen wieder. Egal ob als Videobilder für eine Fernsehreportage, als besondere Perspektive bei Live-Sportübertragungen, Werbeproduktionen oder auch als Fotoapparat, um Fotos mit einem gewissenen Aha-Effekt zu schießen. Die Diskussion, ob es sich dabei eher um ein Spielzeug oder ein Arbeitsgerät handelt, ist sehr müßig, schließlich kann man schon alleine anhand des Preises in der Regel die Spreu vom Weizen – sprich das Spielzeug vom professionellen Equipment – trennen. Wer 150 Euro ausgibt, kann nicht erwarten, ein ähnlich wertiges Produkt, was ähnlich gute Fotos und Videos schießt, in den Händen zu halten, wie jemand, der 1.000 Euro und mehr ausgibt. Ein Dacia Sandero ist eben auch nur bedingt mit einem Porsche 911 zu vergleichen. Einleuchtend, oder?

Die Diskussion, ob es sich dabei eher um ein Spielzeug oder ein Arbeitsgerät handelt, ist sehr müßig.

„Für mich ist es keineswegs eine Spielerei“, sagt Fotograf Georges Noesen, „es ist eine zusätzliche Kamera, die ich sehr gezielt für verschiedene Dinge einsetze. Ich fliege auch nicht einfach so zum Spaß. Angesichts der Preise für Einsteigermodelle gibt es natürlich einen Haufen Leute, die es als Spaß und Spielerei tun. Für mich geht es vor allem um eins: Fotos aus Perspektiven zu schießen, welche anders gar nicht möglich wären“, erklärt Georges Noesen, der sich schon etwas länger mit Drohnen und der Möglichkeit, sie fotografisch zu nutzen, auseinandersetzt. Dabei ginge es ihm nicht mal primär um klassische Luftaufnahmen, welche direkt als Drohnenbilder zu erkennen sind, sondern auch um Bilder aus anderen Blickwinkeln, die sonst eventuell nur mittels Helikopter möglich wären. Durch Drohnen werden gestalterische Freiräume neu definiert. Sie sind ein neues Arbeitsinstrument mit der perfekten Möglichkeit, andere Sichtweisen zu zeigen.

Dabei ist die in professionellen Drohnen verbaute Kameratechnik heute schon sehr ausgereift und macht es dem Foto- oder/und Videografen ziemlich einfach. „Aktuell sind dank Live-Bild-Funktion auf dem Smartphone oder Tablet gute Bilder keine Hexerei mehr. Bei meiner ersten Drohne sah das noch etwas anders aus. Ich bin drauflos geflogen, und die GoPro hat jede Sekunde ein Bild geschossen. Am Ende war man dann glücklich, wenn ein paar vernünftige Bilder dabei waren.“ Erinnert fast ein wenig an Zeiten von analoger Fotografie, wo der eigentlich spannende Moment der war, als man in den Fotoladen seines Vertrauens pilgerte, um die entwickelten Bilder abzuholen.

Durch Drohnen werden gestalterische Freiräume neu definiert.

Immer wieder für Diskussionen, vor allem seit die Kameradrohnen erschwinglicher geworden sind, sorgen die Sicherheitsbedenken und der Schutz der Privatsphären. In Luxemburg ist der Einsatz von Drohnen reglementiert, so gelten zum Beispiel rund um den Findel aber auch andere Flugfelder und Helikopterlandeplätze als Sicherheitszonen. Es ist außerdem untersagt, über Privatgrundstücke, Menschen oder Tiere, Zugstrecken oder Autobahnen zu fliegen. Die meisten Versicherungen hierzulande verlangen, um etwaige durch abstürzende Drohnen verursachte Schäden überhaupt abzudecken, dass man die Flüge bei der „Direction de l’aviation civile“ anmeldet.

Dieser Antrag muss drei Wochen im Vorfeld gemacht werden. „Wenn es dann natürlich an dem Tag regnet, dann ist es blöd gelaufen“, sagt Noesen. In Deutschland ist der Einsatz seit April 2017 von einer sogenannten „Drohnen-Verordnung“, umgangssprachlich als Drohnen-Führerschein bezeichnet reglementiert. Jeder, der eine Drohne einsetzt, welche über zwei Kilogramm wiegen, muss diese Kenntnisnachweise erbringen, bei Drohnen über fünf Kilogramm ist zudem eine Erlaubnis erforderlich. „Alles kann man natürlich angesichts der großen Vielfalt der Drohnen nicht reglementieren“, schätzt Noesen ein. Und vor allem dürfte es nicht so einfach sein, jedes Mal den Piloten der Drohne auf Anhieb ausfindig zu machen. Außer man ist vielleicht russischer Staatspräsident…

Fotos: Georges Noesen

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Stellvertretender Chefredakteur
Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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