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Von wegen Morgenmuffel

Wenn Kinder morgens müde sind, kann das viele Ursachen haben. Wichtig ist, schnell herauszufinden, woran die Müdigkeit liegt. Dann erst lässt sich verhindern, dass sie sich zu einem Dauerproblem entwickelt.

Fotos: pixabay (2), Stephanie Hofschlaeger (pixelio)

Kennen Sie das, wenn morgens der Wecker klingelt und Sie einfach nicht aus dem Bett wollen? Sie fühlen sich weder fit noch ausgeruht, und wenn Sie könnten, würden Sie einfach die Uhr zurückdrehen und die Nacht noch einmal verschlafen? Klar kennen Sie das. Das kennt jeder. Gerade im Winter fällt es schwer, morgens aus dem Bett zu kommen. Wenn es draußen kalt und dunkel ist und die Straßen vielleicht noch glatt und rutschig sind, dann möchte man sich unter der warmen Decke am liebsten umdrehen und einfach weiterschlafen. Geht aber nicht. Denn die Pflicht ruft!

Nicht nur Erwachsene haben das Problem, auch viele Kinder kommen morgens nicht aus dem Bett. Manche schlafen sogar noch so tief und fest, dass sie kaum wach zu bekommen sind. Vor allem kurz nach den Ferien kann die morgendliche Müdigkeit bei Kindern zum echten Problem werden. Dann müssen sich Körper und Geist erst einmal wieder daran gewöhnen, zeitig aufzustehen. Das ist eigentlich nicht weiter wild, weil sich das Problem nach einigen Tagen von alleine regelt.

Aber nicht nur die Umstellung durch die Ferien kann die Ursache für die Müdigkeit sein, es gibt durchaus noch andere Gründe, die es einem Schulkind schwer machen, aufzustehen. Zuallererst: zu wenig Schlaf. So einfach es klingt, so überzeugend ist es auch: Wer nach einer Nacht voller Schlaf morgens noch müde ist, hat wahrscheinlich zu wenig geschlafen. In der Regel gilt, dass Kinder mit vier Jahren etwa 11,5 Stunden Schlaf am Tag brauchen und Kinder mit sechs Jahren etwa 10,75. Danach nimmt das Schlafbedürfnis pro Lebensjahr um etwa 15 Minuten ab, bis es im Alter von 16 Jahren bei etwa 8,5 Stunden liegt.

Auch Unterforderung kann zu anhaltender Müdigkeit führen.

Diese Werte sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie lediglich Durchschnittswerte sind und das tatsächliche Schlafbedürfnis bei jedem Einzelnen abweichen kann. Es gibt durchaus Zehnjährige, die mit acht Stunden Schlaf prima auskommen, und 16-Jährige, die es durchschnittlich locker auf zehn Stunden bringen. Ob Ihr Kind zu den Viel- oder Wenigschläfern gehört, wissen Sie wahrscheinlich selbst am besten. Denn das Schlafbedürfnis nimmt zwar im Laufe des Lebens ab, wer aber in jungen Jahren mehr schläft als seine Altersgenossen, wird es höchstwahrscheinlich in fortgeschrittenem Alter ähnlich halten.

Eine andere Ursache für die Morgenmüdigkeit könnte sein, dass Ihr Kind zu den sogenannten „Abendtypen“ zählt und morgens einfach nicht richtig aktiv wird. Nicht nur der Mensch, sondern alle Lebewesen haben ihren eigenen Bio-Rhythmus, leben also mit bestimmten Abläufen, die immer wiederkehren. Bei Menschen wird das auch als „innere Uhr“ bezeichnet. Die Mehrzahl der Menschen gehört zu den „Morgentypen“, sie werden also abends früh müde, schlafen schnell ein und sind morgens am aktivsten. Die „Abendtypen“ hingegen sind morgens müde und verschlafen, werden erst nachmittags richtig fit, und bleiben abends lange munter. Leider kann sich niemand aussuchen, zu welchem Typ er oder sie gehört. Man muss es nehmen, wie es kommt und auch damit leben, dass „Abendtypen“ wohl immer ein wenig mehr leiden müssen, weil sie Schwierigkeiten haben, sich in der normalen Arbeits- und Schulwelt zurecht zu finden, wo es pünktlich um acht Uhr morgens losgehen soll.

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Tipps für einen guten Schlaf

Müdigkeit ist meistens ein Zeichen für einen Mangel an Schlaf, Bewegung, Flüssigkeit, Sauerstoff oder ausgewogener Ernährung. Deshalb:

• Sorgen sie dafür, dass Ihr Kind ausreichend schläft, schicken Sie es also früh genug ins Bett.
• Kinder (und eigentlich alle Menschen) müssen sich ausreichend bewegen. Nicht nur im Sportverein, sondern generell, am besten draußen an der frischen Luft.
• Genügend Flüssigkeit und eine ausgewogene Ernährung sind wichtig, nicht nur um wach und fit, sondern auch, um gesund zu bleiben.
• Lüften Sie regelmäßig, schlechte Luft in Wohnräumen macht müde.
• Morgenmuffel und Langschläfer sollten nicht erst in der letzten Sekunde aufstehen. Mit etwas mehr Zeit am Morgen fällt der Start in den Tag leichter.
• „Abendtypen“ schlafen immer zu wenig, wenn sie in der Woche früh raus müssen. Deshalb sollten sie unbedingt am Wochenende ausschlafen können, um den fehlenden Schlaf nachholen zu können.
• Schläft Ihr Kind trotzdem schlecht und ist morgens müde, suchen
Sie einen Arzt auf. Der kann abklären, ob vielleicht eine körperliche
Ursache zu der Müdigkeit führt oder auch ein psychischer. Stress,
Leistungsdruck und soziale Probleme wirken sich bei Kindern oft so
aus, dass sie am Morgen nicht in die Schule wollen.
• Manche Kinder haben Alpträume, sind Schlafwandler, knirschen mit
den Zähnen oder wachen nachts weinend auf. Auch in diesen Fällen
sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen.

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Müdigkeit an sich ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil, der Körper signalisiert mit seiner Müdigkeit, dass er sich ausruhen möchte. Oder dass ihm etwas fehlt. Manchmal reagiert der Körper auch mit anhaltender Müdigkeit, wenn er unterfordert ist, sich also zu selten oder wenig bewegt. Wahrscheinlich kennen Sie den Effekt, den Bewegung auf uns hat: Man wird wacher und fitter. Wer hingegen seine Zeit vorwiegend im körperlichen Ruhezustand am Schreibtisch oder auf dem Sofa verbringt, wird zwangsläufig müde.

Ein anderer Grund für anhaltende Müdigkeit kann ein Flüssigkeitsmangel sein. Erwachsene sollen täglich zwei bis zweieinhalb Liter trinken, zu empfehlen sind Wasser und ungesüßte Tees, keine zuckerhaltigen Getränke, diese verzögern die Wasseraufnahme. Kinder brauchen zwar weniger Flüssigkeit, aber doch meist mehr, als sie gerne zu sich nehmen. Bis zum Alter von vier Jahren sollten es etwa 800 Milliliter sein, bis zehn Jahre ein knapper Liter, 13-Jährige brauchen 1,2 Liter und 15-Jährige schon 1,5 Liter. Ein großer Teil der Flüssigkeit kann über die Nahrung aufgenommen werden, trotzdem sollten sich Kinder schon früh daran gewöhnen, regelmäßig zu trinken. Am besten klappt das, wenn die Eltern es ihnen vormachen und das Glas Wasser zum Essen eben einfach dazugehört.

apples-428075Auch auf eine ausgewogene Ernährung sollte geachtet werden. Diese ist ohnehin der beste Garant für ein gesundes Leben: viel Obst und Gemüse, ausreichend Kohlenhydrate und Fette, wenig Zucker. Sollte Ihr Kind trotz ausreichendem Schlaf, regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung Schlafprobleme haben und eine anhaltende Müdigkeit entwickeln, kann dies auch ein Zeichen dafür sein, dass seine körperliche oder auch seelische Verfassung gerade nicht gut ist.

Beides klärt man am besten mit dem Kinderarzt ab, für Letzteres wäre es zudem ratsam, mit dem Kind zu sprechen und auch die zuständige Lehrerin zu Rate zu ziehen. Psychische Probleme bei Kindern sind nicht selten, oftmals wissen sie aber selbst nicht genau, was mit ihnen los ist. Probleme in der Schule, zu viel Leistungsdruck, mobbende Mitschüler, Unter- oder Überforderungen können alles Gründe dafür sein, dass ein Kind aus dem Gleichgewicht gerät. Mit Ruhe, Geduld und Verständnis lässt sich da im Gespräch mit dem Kind oft schon viel erreichen. Zumindest einen Anhaltspunkt zu finden, der auf die Gründe für die Probleme schließen lässt, um sie dann so schnell wie möglich zu beseitigen.

Denn mit der Müdigkeit ist das wie mit der Katze, die sich in den Schwanz beißt: Die Gründe für die Müdigkeit werden durch die Müdigkeit selbst weiter verschärft. Fehlende Konzentration und völlige Antriebslosigkeit sind die Folge. Deshalb gilt es, den Kreislauf zu durchbrechen, so schnell wie möglich.

288502_original_R_K_B_by_Stephanie--Hofschlaeger_pixelio.de

Heike Bucher

Journalistin

Ressort: Wissen

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Author: Philippe Reuter

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