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Von Wissen und Leugnen

(Ausgabe 36/2014)
 

Es war an einem Samstag. Genauer am Samstag, dem 9. September 1944. 70 Jahren ist es her, seit amerikanische Truppen dazu übergingen, unser Land vom Naziterror zu befreien. 70 Jahre – das ist eine lange Zeit. Aus diesem Grund haben wir diesem Jubiläum, das landesweit begangen wird, unsere Coverstory gewidmet. Ein solch historisches Datum verlangt regelrecht danach, weshalb wir uns auch auf die Spuren der Befreier ge- macht haben. Hinzukommen Fotos von damals – Fotos, die die Begeisterung zeigen, mit der die Befreier empfangen wurden. Fehlen dürfen da natürlich nicht die historischen Aufnahmen von Prinz Jean und Prinz Félix. All das soll belegen, dass 70 Jahre Befreiung nicht irgendein Jubiläum ist, sondern vielleicht das Jubiläum schlechthin.

Doch worauf wollen wir hinaus? Ganz ein- fach: 2014 ist in Sachen Jubiläen ein historisches Jahr. Es gab und gibt in den vergangenen und kommenden Wochen und Monaten viel (neu) zu entdecken und zu erfahren. 175 Jahre Unabhängigkeit. 100 Jahre Erster Weltkrieg, 70 Jahre Battle of the Bulge… Erinnerung an Gewesenes, das nie vergessen werden darf. Weil die Geschichte einen Großteil unsere Kultur und unserer Identität ausmacht. Die Zeiten ändern sich, die Geschichte aber bleibt – und Jubiläen kommen und gehen.

Zudem: Nur wer die Geschichte kennt und versteht, kann auch die Gegenwart ein- ordnen. Das gilt sowohl für unser Land, das vor großen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen steht, als auch weltweit, wo einem gegenwärtig die kriegerischen Auseinandersetzungen zwi- schen Russland und der Ukraine bzw. Europa sowie der anhaltende Konflikt im Gazastreifen sofort ins Auge springen. Man sollte wissen, dass das Erste eine Folge des Kalten Krieges ist. Verbunden mit dem Zusammenbruch der UdSSR. Und das Zweite seine Wurzeln ebenfalls im Zweiten Weltkrieg hat. Seit seiner Gründung im Jahr 1948 werden Politik und Geschichte des Staates Israel jedenfalls vom Nahostkonflikt bestimmt.

Nur wer die Geschichte versteht, kann auch die Gegenwart einordnen.

Zurück zu den Jubiläen. Gleich zu Beginn des kommenden Jahres, genauer am 27. Januar 2015, jährt sich der 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Es soll ja Leute geben, die nicht wissen, dass Auschwitz das Symbol der Shoa ist – des Völkermordes an den Juden also. Allein im größten Vernichtungslager während des Nationalsozialismus wurden 1,1 Millionen Juden umgebracht. Dies nicht zu wissen, ist schlimm. Schlimmer ist da nur, dass es Leute gibt, die all das nicht wahrhaben wollen und den Holocaust leugnen.

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Author: Georges Noesen

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