Der erste VW Scirocco lief im Frühjahr 1974 bei Karmann in Osnabrück vom Band, im gleichen Jahr wie der Golf. Er blieb trotz inzwischen einer Million verkauften Exemplaren ein Nischenprodukt. Zwischen 1982 und 2008 ward er auf Eis gelegt, stieg dann wie Phönix aus der Asche und erlebt jetzt sein Facelift der dritten Generation.
ei der Fahrvorstellung ab Frankfurt durften wir die zwei Topversionen der sechs neuen Motorisierungen testen, den 184 PS starken Diesel mit manuellem Sechsganggetriebe (Basispreis: 29.090 Euro) sowie den 280 PS starken Benziner im Scirocco „R“ mit DGS6 (36.580 Euro).
Was gibt’s neues gegenüber dem Vorgänger? Ein aus dem Golf GTI bekanntes aber leicht modifiziertes Sportlenkrad, sehr schicke, tiefe dreidimensionale Rundinstrumente, einen Toter-Winkel-Assistenten, einen Parkassistent und ein Dynaudio-Excite-Soundsystem mit 400 Watt, zum Beispiel. Das aus anderen Modellen bekannte Schwenkemblem zum Öffnen der Kofferraumklappe wurde jetzt auch im Scirocco übernommen. Der variable Kofferraum fasst zwischen 312 und 1.006 Litern.
Beim Design hat sich auch einiges geändert. Es gibt eine neue Frontpartie mit präziser gezeichneten Linien, einer neuen Lichtsignatur der Scheinwerfer und so genannten „Blades“ (aerodynamische Elemente seitlich am Stoßfänger), einem in Schwarz gehaltenen, breiten Lufteinlass und dem VW-Logo auf der Motorhaube (und nicht im Kühlergrill). Eine geschwungene LED-Linie unterhalb der Scheinwerfer fungiert als Tagfahrlicht, Blinker und Nebelscheinwerfer wurden separat in den Stoßfänger eingearbeitet. Das breite Heck wird durch horizontale Gestaltungselemente hervorgehoben, die trapezförmigen Rückleuchten reichen nun weiter als bisher in die Heckklappe hinein, und auch der neue Diffuser wirkt nun flacher und weniger aufdringlich als zuvor.

Foto: Volkswagen
Zur Serienausstattung gehören Sportfahrwerk, Doppelendrohre, LED-Blinker in den Seitenspiegeln, Berganfahrassistent und Klimaanlage. Das adaptive Fahrwerk bietet drei Fahrmodi (Comfort, Normal, Sport), aber nur der Scirocco R verfügt serienmäßig über die Querdifferenzialsperre, eigentlich eine Weiterentwicklung des elektronischen Diffs EDS, welche das zu sehr entlastete kurveninnere Rad abbremst und so das Untersteuern nahezu eliminiert. Ein optionales Glasdach erstreckt sich von der A- zur B-Säule. Die sechs neuen TDI- und TSI-Motoren, allesamt Turbodirekteinspritzer, sind durch die Bank kraftvoller, spurtstärker und sparsamer geworden, mit einem Leistungsspektrum von 125 bis 280 PS. Alle verfügen sie über ein serienmäßiges Start-Stopp mit Rekuperation.
Nach dem Eingriff über die Schaltwippen schaltet das DSG nicht mehr automatisch zurück in den Automatik- oder Sport-Modus, sondern verweilt im zuletzt eingelegten Gang. So viel kreative Freiheit gönnt man dem Fahrer bei VAG nicht immer. Drei extrem coole Zusatzuhren für Öltemperatur, Rundenzeiten (Stoppuhr) und Turboladedruck, mittig über dem Navibildschirm platziert, lassen Rennnostalgie aufkommen. Der Diesel klingt gar nicht wie ein Diesel, sondern hat einen kernigen aber nicht zu aufdringlicher Klang und der Scirocco überrascht durch liebevolle Details, wie den in den zentralen Halter integrierten Flaschenöffner (insofern ein Flaschenöffner als „liebevoll“ bezeichnet werden kann). Für den Einstieg nach hinten muss man allerhand gelenkig sein, ist man aber einmal im Fond angekommen, verfügt man auf den beiden gut konturierten Rücksitzen über reichlich Platz für Knie und Kopf, zumindest bis zu einer Körpergröße von 1,80 m.

















