Luxemburg besitzt das dichteste Netz an Wanderwegen in ganz Europa. Kein Wunder, dass Wandern zum Volkssport geworden ist. Doch mehr und mehr Beliebtheit erfreuen sich auch thematische Wanderungen. Ein Beispiel im 3. Teil unser Sommerserie: „Sing by Foot“.
Fotos: Philippe Reuter
Kurz vor zehn Uhr sonntags Morgen Anfang Juni. Es ist ruhig in Lultzhausen, ein paar Nebelschwaden ziehen über den Stausee, die Luft ist feucht vom vielen Regen der vergangenen Tage, doch die Sonne zeigt sich und verspricht einen angenehmen Tag. Vor der Jugendherberge steht Christian Ries und begrüßt die eintrudelnden Leute. Einige kennt er bereits von anderen Wanderungen. Denen, die er nicht kennt, stellt er sich freundlich vor. Alle werden gleichermaßen geduzt.
Seit fünf Jahren organisiert Ries gemeinsam mit seinem Freund Camille Kerger das Wanderevent „Sing by Foot“ für das Institut Européen de Chant Choral (INECC), eine Kombination aus Chorgesang und geführter Wanderung. Mit der vier Mal im Jahr stattfindenden Veranstaltung vereinen die beiden ihre eigenen Interessen und bieten anderen die Gelegenheit, sie dabei zu begleiten. Das Konzept ist immer dasselbe: Man trifft sich vormittags, probt zwei Stunden lang Lieder einer bestimmten Sparte (dieses Jahr: Kanons), stärkt sich danach bei einem Mittagessen, geht anschließend auf Wanderung, wo dann von Zeit zu Zeit die geübten Lieder zum Besten gegeben werden. Zum Abschluss gibt es noch ein gemeinsames Konzert.
Etwa acht Kilometer lang ist die Wanderung. An den schönsten Stellen wird angehalten, geguckt und gesungen.
Pünktlich beginnt das Einsingen. Viele der 25 Teilnehmer scheinen Erfahrung im Chorgesang zu haben und legen mit ihren kräftigen Stimmen gleich richtig los, was auch die etwas zaghafteren Sänger mitreißt: Stimmungsvolle Töne erklingen im Saal. Doch Camille Kerger ist noch nicht zufrieden. Er animiert die Gruppe dazu, intensiver zu sein, die Münder beim Singen weit zu öffnen und alles herauszuholen, was Stimme, Kopf und Bauch hergeben.

Doch er hat leicht reden. Der Mann ist ausgebildeter Sänger und Komponist. Er ist es gewohnt, aus sich herauszugehen und Stimme und Körper zu präsentieren. Mit ein paar körperorientierten Klopf- und Tanzübungen möchte er die Gruppe richtig in Fahrt bringen. Dass diese Einlagen später auf einer der Brücken mitten in Esch/Sauer vor den Augen einiger überraschter Dorfbewohner wiederholt werden, ahnt zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch niemand.
Zwei Stunden Probe vergehen schnell. Am Ende hört sich alles sogar ziemlich gut an. Ob das im Wald auch funktionieren wird? Abwarten. Jetzt ist ohnehin erst einmal das Mittagessen in der Jugendherberge angesagt, es gibt Gegrilltes mit Salaten. Frisch und lecker, aber nicht zu aufwendig. Christian Ries erklärt, dass der Fokus der Veranstaltung nicht auf dem Essen liege. Zwar sollten die Leute sich satt essen können, doch ein Mehr-Gänge-Menü bräuchte man dafür nicht. Deshalb sei es auch anfangs schwierig gewesen, passende Veranstaltungsorte für die Proben und das Mittagessen zu finden. Viele gastronomische Betriebe wollten ihr Haus lieber für Gäste offen halten, die länger und ausgiebiger essen.


























