Mehr als 350 bedürftige Kinder hat Steve Schneider innerhalb von fünf Jahren bereits mit Hilfe seiner Organisation „Tam-Tam White and Friends“ für Weihnachten beschenkt. Eine Aktion, die Freude und Hoffnung verbreitet.
„Ich bekomme kein Arbeitslosengeld und habe nur das Kindergeld zur Verfügung, da ich bei meinen Eltern lebe“, erklärt Sandra Schwirtz. Die 35-Jährige ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Die älteste Tochter, 12 Jahre alt, stammt aus einer ersten Ehe und die drei jüngsten Kinder, im Alter zwischen fünf Jahren und fünf Monaten, aus einer Beziehung, die, aus diversen Gründen, in die Brüche ging. „Ich bin in eine schwierige finanzielle Lage geraten und habe meine Wohnung aufgeben müssen. Es war mir einfach nicht mehr möglich, die Miete zu bezahlen. Das war nicht einfach. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen und musste dann auch noch meinen Beruf aufgeben.“ Seitdem lebt sie mit den Kindern bei ihren Eltern, in einem eher bescheidenen Haus, dessen Platzmangel das Zusammenleben nicht vereinfacht. „Meine Eltern ziehen uns mit durch, aber auch sie haben nicht unendlich viele finanzielle Mittel. Das ist schon einen schwierige Situation.“
Sie selbst gönnt sich schon lange nichts mehr. Das wenige Geld, das ihr jeden Monat zur Verfügung steht, gibt sie für das Wohlbefinden ihrer Kinder aus. „Sie beschweren sich zwar nie, aber trotzdem möchte ich, dass ihnen nichts fehlt. Ich kann natürlich nicht alle Wünsche erfüllen, aber ich tue mein Bestes.“ Für Kinder, die in bedürftigen Familien aufwachsen ist die Weihnachtszeit eine Periode, die soziale Unterschiede häufig und mit einer gewissen Brutalität in den Vordergrund schiebt, wenn der Wunschzettel an den Weihnachtsmann leider ohne Antwort bleibt und unter dem Weihnachtsbaum schlussendlich nur totale Leere herrscht. Eine unerträgliche Situation für Steve Schneider, der Gründer der Organisation „Tam-Tam White and Friends“.
„Wir leben in einer Gesellschaft in der viele von uns eigentlich genug haben, doch viele Leute reagieren eher egoistisch anstatt mit den Notleidenden zu teilen.“ Aus diesem Grund kam ihm 2015 ganz spontan, die Idee, auf einem sozialen Netzwerk 150 Euro für bedürftige Familien anzubieten, damit diese ihren Kindern Weihnachtsgeschenke kaufen können. Sein Post wird innerhalb von wenigen Stunden viral. Freunde, Bekannte und auch Unbekannte melden sich bei Steve und möchten ihn bei seiner Aktion finanziell unterstützen. Ein echter Schneeballeffekt. „Damals kamen 600 Euro zusammen und ich habe drei Kinder beschenkt“, erinnert sich Steve. „Dieses Jahr sind bereits mehr als 13.000 Euro gespendet worden. Am 30. November haben wir die ersten 83 Kinder beschenkt. Und am kommenden 15. Dezember sind noch weitere 72 geplant.“
„Die Eltern sind überwältigt und die meisten können ihre Tränen nicht zurückhalten, wenn sie das Strahlen in den Augen ihrer Kinder sehen.“ Steve Schneider von der Organisation „Tam-Tam White and Friends“
Jedem Kind stehen 100 Euro zur Verfügung, mit denen es im „Cactus Bascharage“ die Spielzeuge aussuchen kann, die es sich für Weihnachten wünscht. Hier entscheiden nicht die Eltern und Bargeld gibt es auch nicht. An der Kasse zahlt Steve. „Es handelt sich meistens um Kinder, die leider noch nie reichlich beschenkt wurden. Der Geldbeutel der Eltern erlaubt es einfach nicht. Deshalb sollen sie hier einmal so richtig zugreifen können und sich nicht einschränken. Das ist mir sehr wichtig.“
Auch die Kinder von Sandra Schwirtz konnten dieses Jahr von diesem Projekt profitieren. Schon Tage vorher haben sie immer wieder ungeduldig bei der Mutter nachgefragt, wann sie denn endlich die Geschenke aussuchen können. „Das ist dieses Jahr schon etwas ganz Besonderes für die Kleinen“, betont Sandra. „Ich selbst hätte ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit auch etwas zu Weihnachten gekauft, aber sicherlich nicht in dieser Preislage und auch nicht in diesen Mengen.“
„Meine Eltern ziehen uns mit durch, aber auch sie haben nicht unendlich viele finanzielle Mittel.“ Sandra Schwirtz, alleinerziehende Mutter
Steve Schneider kommt selbst aus einer eher bescheidenen Familie. Der 40-jährige Koch weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht immer einfach ist über die Runden zu kommen, wenn die finanzielle Lage der Familie sich in einem kritischen Zustand befindet und der arbeitslose Vater so gut es nur geht versucht die sich anhäufenden Rechnungen zu zahlen. „Es kam schon mal vor, dass der Strom bei uns abgeschaltet wurde und wir bei Kerzenlicht die Abenden verbrachten“, erinnert er sich. „Unser Nachbar hat uns damals regelmäßig ermöglicht bei ihm ein warmes Bad zu nehmen. Er hat uns viel geholfen und wenn jemand einem so unter die Arme greift, das geht einem ein ganzes Leben nicht mehr aus dem Kopf.“
Eine Lebenserfahrung, die ihn sichtlich geprägt hat und wahrscheinlich, auch wenn vielleicht ungeahnt, der Motor für seine Weihnachtsoperation war. Es ist eine Herzensangelegenheit, die er jedes Jahr ehrenamtlich mit viel zeitlichem und körperlichem Einsatz zu Stande bringt. An die betroffenen Familien kommt er vor allem durch Mundpropaganda, aber auch mit Hilfe der Sozialarbeiter, anderen Hilfsorganisationen, der eigenen Familie, Freunden und Bekannten. Manche Betroffene schämen sich und es fällt ihnen zunächst schwer, sich zu melden. Aber auch, wenn der Kontakt bereits hergestellt ist, bleibt die Überreichung der Geschenkpäckchen sehr häufig mit emotionalen Komponenten verbunden.
„Die Eltern trifft es ganz besonders“, erklärt Steve. „Sie sind überwältigt und die meisten können ihre Tränen nicht zurückhalten, wenn sie das Strahlen in den Augen ihrer Kinder sehen.“
Fotos: Didier Sylvestre, Claude Lenert (beide Editpress), Steve Schneider (2), Pixabay
Weitere Informationen finden Sie auch auf der Facebook-Seite von Tam-Tam White and Friends.


