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Weingeschichten

Im Dipso – The Wine Republic bekommt das Weintrinken eine ganz neue Dimension. Denn zu jeder Sorte und jedem Gut weiß Inhaberin Tanja de Jager eine passende Anekdote zu erzählen.

„Si mon père savait“ – wenn mein Vater wüsste… Ja, was eigentlich? Dass ich gemütlich ein Glas Wein genieße, umgeben von jahrhundertaltem Gemäuer, in Luxemburgs historischem Viertel „Fëschmaart“? Das darf er gerne wissen. Der Stoßseufzer stammt sowieso nicht von mir. Es ist der Name des dunkelroten Roussillon, der sich in meinem Glas befindet. Bernard Magrez, „l’homme au 40 domaines“, hat ihn so genannt, ein französischer Selfmade Man, der es zum Weinmagnaten geschafft hat. Die poetischen Namen einiger seiner Cuvées sollen zum Träumen oder Nachdenken anregen. So wie eben Si mon père savait, aber auch Jamais renoncer oder Mon seul rêve. Im „Dipso – The Wine Republic“ gibt es Poesie im Glas. Denn Inhaberin Tanja de Jager liebt nicht nur den Wein an sich, sondern auch die Geschichten, die oft dahinterstecken. Und die möchte sie ihren Gästen gerne weitergeben.

Mit dem „Dipso“ hat sich die 43-jährige RTL-Journalistin einen Wunschtraum erfüllt: „Ich wollte schon immer eine Brasserie oder etwas Ähnliches aufmachen“, erzählt Tanja de Jager. Eine einzigartige Gelegenheit dazu bot sich überraschend, als ein guter Bekannter von ihr, Jeannot Weis, sich letztes Jahr entschloss, seine Weinstube „Kniddelkinnek“ aufzugeben. Ihr Entschluss war schnell gefasst: Die Location im geschichtsträchtigen Fischmarktviertel war genau richtig, um die Vorstellung vom eigenen Lokal in die Tat umzusetzen. Vom „Kniddelkinnek“ ist nicht viel übrig geblieben. „Außer den alten Steinmauern ist alles ganz neu“, bestätigt die frischgebackene Weinstubeninhaberin. Tische und Stühle stammen frisch vom Schreiner, ein neuer Tresen und Trennwände verleihen dem Raum eine moderne und zugleich gemütliche Atmosphäre. Auch die uralten elektrischen Leitungen wurden ersetzt und sicherheitskonform neu verlegt. Am 30. September war die offizielle Eröffnung, an Tanjas Geburtstag. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Mario Comparetto sowie Barmann Patrick Bernimont zelebriert sie seitdem den Genuss guten Weins.

„Alle Gäste haben eines gemeinsam: Sie sind Genießer“ Tanja de Jager

Foto: Ute Metzger

Foto: Ute Metzger

Ihre Gästeschar setzt sich aus allen Altersschichten zusammen. „Von 25 bis über 70 Jahre sind alle dabei. Doch sie haben eines gemeinsam: Sie sind Genießer.“ Daher legt Tanja de Jager Wert darauf, dass ihre Location gewissen Standards entspricht. „Mich hat gestört, dass es in der Stadt kaum Lokale gibt, in denen man rund um die Uhr eine Kleinigkeit essen, in normaler Lautstärke ein Gespräch führen und dabei einen guten Tropfen zu angemessenen Preisen im Glas haben kann“, erklärt Tanja ihre Vorstellung. Vor allem Frauen schätzen es, dass sie im „Dipso“ allein oder zu mehreren auf ein Gläschen einkehren können, ohne alle paar Minuten angemacht zu werden. „Einen Türsteher, der unerwünschte Gäste abweist, brauchen wir zum Glück nicht“, lacht Tanja.

Bemüht um ein interessantes Weinsortiment, ist Tanja de Jager viel auf Weinproben unterwegs. „Unsere Weine stammen aus aller Welt. Am wichtigsten ist mir, Außergewöhnliches anzubieten, keine Weine, die man in jedem Supermarkt bekommt.“ So hat sie zum Beispiel Tannat-Weine aus Brasilien und Uruguay aufgestöbert, aus einer Traubensorte, die hierzulande kaum bekannt ist.

Das Unbekannte kommt gut an: „Es gefällt den Leuten, Neues zu entdecken.“ Auch Tanjas Anekdoten wecken die Neugier, ihre Weine zu probieren. So erzählt sie von ihrer Begegnung mit Prinz Felix, dessen Gut Château Les Crostes ebenfalls auf ihrer Weinkarte vertreten ist, und von der Erfahrung, in aller Herrgottsfrühe Wein zu probieren: „Es ist unglaublich, wie der Geschmackssinn sich im Lauf des Tages verändert. Das war eine völlig neue Erfahrung.“

Natürlich steckt auch eine Geschichte hinter dem Namen der Weinstube selbst. „In einem englischen Kochbuch bin ich über das Wort ,dipsomaniac‘ gestolpert und wollte wissen, was das bedeutet. Im 18. Jahrhundert bezeichnete man so jemanden, der von einem Moment zum anderen unglaubliche Lust hat, Alkohol zu trinken“, erklärt Tanja. „Auf Altgriechisch bedeutet ,Dipso‘ soviel wie ,Durst‘“. Das passt doch, oder?

Foto: Ute Metzger

Foto: Ute Metzger

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Author: Philippe Reuter

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