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Weltmeister an der Wahlurne

Luxemburg ist Weltmeister – im Tischfußball. Erst kürzlich hat das Team um Yannick Correia und Pablo Ferreira im Finale den Titelverteidiger und hohen Favoriten USA geschlagen. Zumindest Europameister ist das Großherzogtum auch in der Fondsindustrie. Im vergangenen Jahr verwaltete sie sage und schreibe dreitausend Milliarden Euro, ein neuer Rekord. Damit liegt Luxemburg in Europa an der Spitze und wird weltweit nur von den US-Amerikanern getoppt.

Die Affäre Lux-Leaks hat dem Land sicherlich geschadet. International sieht sich Luxemburg häufig als Steuerparadies gebrandmarkt. Andererseits hat es auf der diplomatischen Ebene zwei Jahre lang als Mitglied des UN-Sicherheitsrats gepunktet. Und in der zweiten Hälfte dieses Jahres kann es sechs Monate lang mit der EU-Präsidentschaft glänzen.

Ein politisches System, das nicht die Gesellschaft des jeweiligen Landes widerspiegelt, birgt demokratische Defizite. Dies gilt nicht zuletzt auch für das Wahlrecht und in besonderem Maße für die Diskussion über das sogenannte Ausländerwahlrecht. Luxemburg wird eine Pionierrolle in ganz Europa spielen, wenn nicht-luxemburgische Einwohner zum nationalen Urnengang zugelassen werden.

Schließlich tragen die ausländischen Mitbürger – mittlerweile 46 Prozent der Bevölkerung – zu einem großen Teil zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes bei. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt. Nicht nur als Steuerzahler. Sie zeigen Risikobereitschaft als Existenz- und Firmengründer.

Ihr gesellschaftlicher Beitrag ist nicht zu unterschätzen – ebenso in der Kultur und im Sport. Die sechs Tischfußballweltmeister mit den Namen Ferreira, Correia, Gonçalves, Dias und Stamerra zum Beispiel sind allesamt Kinder von Einwanderern. Umso schöner wäre es, wenn Luxemburger bald Weltmeister an der Wahlurne wäre – mit den Wählerstimmen von 16-Jährigen.

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

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Author: Philippe Reuter

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