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Wenn es im Job funkt

Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir am Arbeitsplatz. Sich im Job zu verlieben, ist daher keine Seltenheit. Neben Gefühlen wie Herzklopfen und Schmetterlingen im Bauch stehen frisch Verliebte aber oft vor einem Berg Fragen.

Fotos: Julien Garroy (Editpress)(2), Anne Lommel

Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa haben sich in Deutschland ein Viertel der Befragten schon einmal am Arbeitsplatz verliebt. Interessant ist es aber festzustellen, dass für 43 Prozent eine feste Beziehung mit einem Arbeitskollegen nicht in Frage kommt. Wenn es nämlich im Job funkt, ist Vorsicht geboten. Im Namen der Liebe ist nicht alles erlaubt und toleriert. Sowohl beim frisch verliebten Paar als auch beim Arbeitgeber gibt es Regeln, die man beachten sollte.

„Man darf auf dem Arbeitsplatz flirten, vorausgesetzt man hält gewisse Regeln ein“, erklärt der Escher Rechtsanwalt Andrea Sabbatini. „Der Flirt ist ein Gefühl, das zu privaten Angelegenheiten gehört. Man kann so weit gehen, wie es der andere zulässt, vorausgesetzt, man hält sich anderen Mitarbeitern und dem Arbeitgeber gegenüber an gewisse Regeln.“ Flirten unter Kollegen ist ein normales Phänomen und gehört eigentlich zum Büroalltag. Seine Arbeitskollegen als Freiwild zu betrachten, ist allerdings ein absolutes No-Go. Ordinäre Anmachsprüche oder sogar unerlaubten Körperkontakt können schnell in einer unangenehmen Situation enden.

„Das Arbeitsgesetzbuch ist in solchen Fällen ganz klar“, warnt Maître Sabbatini. „Die Firma muss die nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Belästigung zu unterbinden, und das Opfer muss frei über die Tatsachen reden können und die Möglichkeit haben, den Vorfall zu melden. Wegen einer Denunzierung darf der Angestellte nicht vom Arbeitgeber zur Rechenschaft gezogen werden. Weder durch Disziplinarmaßnahmen noch durch eine Entlassung. Eine Versetzung oder gar Herabstufung des Opfers, sind ebensowenig zulässig.“

Viele Angestellte kennen meistens diese Regelungen, die sie eigentlich schützen, gar nicht. Noch zu oft bangen sie um ihren Arbeitsplatz. Inakzeptable Vorfälle gibt es sicher mehr als bekannt sind, aber sie gehören nicht zur Allgemeinheit. In den meisten Fällen wird aus dem Flirt irgendwann Liebe. Auch wenn es nicht immer direkt Liebe auf den ersten Blick ist. „Wir haben nur wenig auf dem Arbeitsplatz miteinander geredet. Ich konnte eigentlich damals nur wenig mit ihr anfangen“, verrät der 34-jährige Dean mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht. Seine Frau Anja hat er vor zehn Jahren auf dem gemeinsamen Arbeitsplatz in einem Kinderheim kennengelernt.

„Wir haben uns Anfangs auch nur wenig gesehen, da wir zu unterschiedlichen Schichten arbeiteten“, verrät Anja. „Es war eine Freundin, die uns im Grunde, die Augen aufgemacht hat.“ Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Nach einem gemeinsamen Abendessen „ist es dann passiert“, schildert Dean die Situation. Frisch verliebt sein, ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Sein Glück ins Open Space der Firma hinaus schreien, ist eine Option, die man sich aber eher überlegen sollte. Obwohl, vom Gesetz her, eigentlich nichts dagegen spricht. „Eine Kündigung aufgrund einer Beziehung mit einem Arbeitskollegen ist nicht zulässig“, erklärt Maître Sabbatini „wie auch immer die hierarchischen Verhältnisse zwischen Arbeitskollegen sind. Es ist erlaubt und gehört zum Privatleben.“

Es ist eher ratsam, einige Wochen zu warten, bevor man der ganzen Belegschaft von seiner neuen Liebe erzählt. Unsere Gefühle können wir in diesem Bereich nur selten hundertprozentig kontrollieren. Was uns vielleicht von Anfang an als eine potenzielle feste Beziehung erscheint, ist im Endeffekt vielleicht nur eine Schwärmerei, die so schnell, wie sie begonnen hat, wieder beendet ist. Gefundenes Fressen für skrupellose Mitarbeiter. Den Beziehungen sind oft der Auslöser von Lästereien oder sogar Mobbing.

Einfach mal abwarten! Diese Entscheidung haben Anja und Dean getroffen. Ganze fünf Monate haben sie ihre Beziehung vor den Arbeitskollegen und dem Chef geheim gehalten. „Ich wollte erst mal sehen, wo uns das alles hinführt“, verrät Anja. „Ist es etwas Seriöses oder nicht? Als es sich dann zu einer festen Beziehung entwickelte, haben wir mit offenen Karten gespielt. Unsere Direktorin war eher perplex, genauso wie unsere Arbeitskollegen, die sich zwar für uns gefreut haben, aber nichts von der Situation ahnten. Probleme gab es aber keine.“
Auch wenn man sie nicht verbieten darf, lösen Beziehungen am Arbeitsplatz in manchen Fällen Konflikte aus. Rücksicht auf Kollegen nehmen und sich eher diskret verhalten, sind die Goldregeln der perfekten Liebesbeziehung im Büro. Auch Beziehungsdetails sollten sie nicht mit den Kollegen austauschen. Privates sollte am allerbesten auch privat bleiben.

„Es darf öffentlich bekannt sein, dass man eine Beziehung mit einer Arbeitskollegin/einem Arbeitskollegen hat, aber Zeichen der Zuneigung haben nichts auf dem Arbeitsplatz verloren“, rät Maître Sabbatini. „Dauernd rumknutschen oder gar Sex im Besprechungszimmer, das wird nicht toleriert. Solche Situationen können die Mitarbeiter verwirren oder irritieren – und der Arbeitgeber kommt dann nicht umhin, folgenreiche Maßnahmen zu ergreifen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass der Arbeitsplatz zum Arbeiten genutzt werden soll.“

Beziehungen zwischen unterschiedlichen Hierarchiestufen können auch zu neidvollen Lästereien führen. Hier ist Vorsicht geboten. Mitarbeiter könnten ihrem Vorgesetzten einen Mangel an Objektivität und sogar Vetternwirtschaft vorwerfen. Dies zu beweisen, bleibt allerdings relativ kompliziert. Liebeleien unter Mitarbeitern steht generell aber nichts im Weg, denn Klauseln im Arbeitsvertrag die Liebesbeziehungen zwischen Mitarbeitern strengstens verbieten, wie es sie zum Beispiel in den USA oder in Großbritannien der Fall ist, brauchen wir hierzulande nicht zu befürchten.

„Wir haben eine Gesetzgebung, die so etwas nicht vorsieht“, erklärt Maître Sabbatini. „Nicht zuletzt betont der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in seiner Rechtsprechung eindeutig, dass Angestellte ihr Privatleben auf dem Arbeitsplatz in gewissem Maße ausleben dürfen. Angestellte sollen sich aber darüber im Klaren sein, dass bei Liebe auf dem Arbeitsplatz Diskretion walten soll.“

Das Arbeitsgesetzbuch kann kostenlos online konsultiert werden:
http://www.luxembourg.public.lu/de/travailler/droit-travail/index.html

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

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Author: alommel

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