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Wer schlank sein will, muss frieren

Der neue Abnehm-Trend, auf den Hollywood Stars schwören, heißt Kryolipolyse. Weg mit den Fettpolstern, ohne Sport und ohne Diät? Fettreduktion durch Kälteschock, das muss getestet werden.

Text: Jérôme Beck (jerome.beck@revue.lu) / Fotos: Philippe Reuter

„Ich habe elf bis zwölf Zentimeter Bauchumfang verloren“, verrät Liliane Seyler ganz begeistert. Die 66-Jährige ist ihrer Zeit voraus. Bereits 2014 entdeckt sie in einem Schönheitsinstitut in Ettelbrück die Kältebehandlung Kryolipolyse. „Und es funktioniert. Auch drei Jahre später. Ich habe nicht wieder zugenommen!“.

„Coolsculpting“ nennt sich der neue Trend. Laut Presse, ein Wundermittel. Speckröllchen ade und das in nur wenigen Minuten. Aber was taugt diese Methode in der Praxis? Mein Ziel: Den Bauchumfang, die Problemzone vieler Männer, reduzieren.

„Das überflüssige Fett wird regelrecht eingefroren und die zerstörten Fettzellen werden dann über die Leber aus dem Körper ausgeschieden“, erklärt Conny Pertl. Sie ist zertifizierter Sportcoach und Gesundheitsberaterin. Mit der Kältetherapie kennt sie sich besonders gut aus.

„Coolsculpting“ nennt sich der neue Trend. Laut Presse, ein Wundermittel.

Zuerst werden der Umfang und der Fettwert an der Stelle ermittelt, an der die Kryolipolyse später eingesetzt wird. Dann wird diese mit einem Gelstreifen überdeckt um den Vakuumeffekt des Gerätes zu erleichtern und schlussendlich kommt die hochtechnisierte Apparatur zum Einsatz. Das Fettgewebe wird zwischen zwei Kälteplatten gesaugt. Schmerzhaft ist es nicht, eher unangenehm. Doch dieses Gefühl vergeht schon nach einigen Sekunden. Aber wo bleibt der Kälteeffekt? „Die Temperatur geht nicht in den Minusbereich. Vier Grad genügen, um die Fettzellen einzufrieren“, betont Conny Pertl.

Das Gefühl von Kälte ist eher gering und absolut schmerzlos. Der Eingriff dauert ungefähr 40 Minuten und wird im Liegen durchgeführt. Für Sportmuffel, die perfekte Position. Wer Angst vor einem chirurgischen Eingriff hat und vor der nicht ganz schmerzlosen Fettabsaugung, für den ist Kryolipolyse die perfekte Alternative. Hier werden keine Spritzen, kein Skalpell und keine Anästhesie benötigt.

„Für mich ergibt diese Methode nicht viel Sinn. Es ist eher eine überflüssige, technische Spielerei, obwohl der Prozess interessant und ungefährlich ist,“ meint die Ernährungsberaterin Sophie Van Ossel. „In unserem Körper befindet sich weißes und braunes Fettgewebe. Das Letztere ist zum Beispiel bei Babys sehr präsent. Seine Funktion: Uns vor Kälte schützen. Durch die Kälte werden die braunen Fettzellen aktiviert und verheizen so weißes Fett. Bei Menschen mit Übergewicht reicht dieses Verfahren aber nicht zum Abnehmen.“

Das größte unzerstörbare Wunder ist der Menschenglaube an Wunder, meinte der deutsche Dichter Johann Paul Friedrich Richter. Ganz unrecht hatte er mit dieser Überlegung wohl nicht. „Zaubern können wir nicht“, möchte Conny Pertl klarstellen. „Man kann sich nicht mit 150 Kilogramm hinlegen und denken man würde nach einer Kryolipolyse nur noch 80 Kilogramm wiegen. Das funktioniert natürlich nicht ohne Sport und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten.“

Gedacht wurde das Verfahren eher für diejenigen, die überschüssiges Fett haben, das eigentlich sonst nur schwer wegzubekommen ist. Kleine, hartnäckige Fettpölsterchen, die auch mit Sport und einer Ernährungsumstellung nicht verschwinden wollen. „Die Kryolipolyse sollte beim Abnehmen eine Unterstützung sein. Bei 80 Prozent unserer Patienten haben wir sehr gute Resultate mit dieser Methode.“

„Die Kryolipolyse sollte beim Abnehmen eine Unterstützung sein.“ Conny Pertl

Nach der Behandlung ist die Haut allerdings leicht gerötet und etwas verhärtet. Eine Massage macht dem aber schnell ein Ende. Eine kleine Enttäuschung gibt es aber schon, denn wo bleibt bloß der so sehr erhoffte Vorher-Nachher-Effekt?

„Ein endgültiges Ergebnis sieht man erst nach sechs bis acht Wochen. Während dieser Zeit soll auch nicht auf ein bisschen Bewegung verzichtet werden und vor allem wird geraten viel Wasser zu trinken, das hilft beim Ausscheiden des Fettes. Man unterstützt damit die Leber. Das Endresultat wird sich auch nicht direkt auf der Waage bemerkbar machen, da die Fettzellen ja nicht so viel wiegen. Aber man merkt es natürlich am Umfang, wenn das Fett weg ist“, betont Conny Pertl.

Schockschwerenot: Bei der Kryolipolyse sind kein Skalpell und keine Anästhesie nötig. Mit einer hochtechnischen Apparatur wird das überflüssige Fett bei einer Temperatur von vier Grad regelrecht eingefroren.

Die Fettzellen an der behandelten Zone werden sich nicht mehr zurückbilden. Das heißt wiederum nicht, dass man nicht Fettpolster an anderen Körperstellen bekommen kann, wenn man weiterhin eine schlechte Ernährung hat und keinen Sport macht. Man muss halt auch an sich arbeiten und das sollte nicht vergessen werden.
„Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Ich mache aber auch viel Sport wie zum Beispiel Fitness, Yoga, Aerobic und Wanderungen“. verrät die Kundin Liliane Seyler. Im Durchschnitt kostet eine Behandlung 400 Euro und auch wenn die Methode ungefährlich ist, ist sie nicht für jeden geeignet. Risiken und Nebenwirkungen gibt es. Bei starkem Übergewicht, Leber- und Nierenerkrankungen, Durchblutungsstörungen oder bei einer Schwangerschaft sollte auf eine Kryolipolyse verzichtet werden. Vor einer Behandlung sollte auf jeden Fall auf eine fachkompetente Beratung nicht verzichtet werden.

Kryolipolyse wird unter anderem angeboten bei Fitnesscoach (www.fitnesscoach.lu), bei Hypno-Body Institut (www.fett-weg.lu), bei Mediskin (mediskin-spa.lu) oder bei Beauty-Lounge by Ana (www.beauty-lounge.lu)

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Author: Martine Decker

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