Hedwig Schmitz muss eine außergewöhnlich starke Frau gewesen sein. Als ihr Mann Alderich 1917 stirbt, steht die junge Mutter plötzlich mit fünf Kindern allein da. Die jüngste Tochter ist gerade neun Monate, die Älteste neun Jahre alt. Von Landwirtschaft und Vieh- sowie Getreidehandel hat die Frau keine Ahnung, von ihrer Familie in Deutschland ist keine Hilfe zu erwarten. Zudem nutzen die Leute aus dem Dorf die Unkenntnis der Witwe hin und wieder aus, um günstig an Ackerland zu kommen.
Doch trotz aller Schwierigkeiten gelingt es Hedwig Schmitz, ihren Kindern nicht nur eine glückliche Kindheit auf dem Birelerhof zu schenken, sondern ebenfalls eine solide Ausbildung zu ermöglichen. Was ihr stets ungemein wichtig gewesen ist: der Zusammenhalt der Familie. Kein Geburtstag wird vergessen, Namenstage werden traditionell mit einem Gugelhupf gefeiert, bei Hochzeiten und Begräbnissen erweist sich die Hofbesitzerin als begnadete Gastgeberin. Wie sehr sie während der beiden Weltkriege gelitten hat, als die Lebensmittel knapp und Soldaten auf dem Hof einquartiert werden, hält Hedwig Schmitz in ihrem Tagebuch fest. Dazu kommt, dass sie als Deutsche gewissermaßen zwischen den Fronten steht.
Aus Bildern, Erzählungen, Objekten und Schriften ist ein multidisziplinäres Projekt entstanden, das die Vergangenheit des Birelerhofs wiederaufleben lässt.
Es sind genau diese Geschichten, die Marguy Conzémius und Andrés Lejona erhalten wollen. Immer mehr Bauernhäuser werden abgerissen, die Landwirtschaft wird industrialisiert, die Familiengeschichten – und mit ihnen alte Traditionen – geraten in Vergessenheit. Dem soll „Mémoires en transitions“ entgegenwirken. Im November 2011 besuchen sie den Birelerhof, einen der drei Höfe, die sie sich für ihr langfristiges Projekt ausgesucht haben und deren Geschichten sie erzählen möchten. Jeder auf seine Weise. Während Kunsthistorikerin Marguy Conzémius die Recherche über den Hof und seine Bewohner übernimmt und aus dem gefundenen Material ein Archiv zusammenstellt, interpretiert der Fotograf Andrés Lejona, auch er ein leidenschaftlicher Sammler, dieses Material auf eine von ihm neu angewandte Methode: In einem großformatigen Bild bringt er Fotografie und Malerei zusammen, um die Vergangenheit mit der Gegenwart in einen Dialog zu setzen. Darüber hinaus zeigt eine Reihe von Dokumentarfotografien den Ist-Zustand des Birelerhofes, der um 1378 gebaut und zuletzt von Familie Schmitz bewohnt wurde.















