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Willkommen im Paradies

1000 Gipfel, 150 Täler und 615 Seen, mondäne Ferienorte und kleine Bergdörfer, eine historische Schmalspurbahn und berühmte Spezialitäten wie Bündnerfleisch und Capuns – nach Graubünden reist man nicht einmal, sondern immer wieder. Fotos: Gaudenz Danuser, Rhätische Bahn, Graubünden Ferien

ie ist rot, gehört zur Landschaft wie die Steinböcke und die umliegenden Berge und war eigentlich ganz anders geplant. Richtig groß sollte sie nämlich werden, aber weil das nötige Geld dafür fehlte, haben die Bündner eine Schmalspurbahn gebaut. Heute ist die Rhätische Bahn eine touristische Attraktion. Und gleichzeitig der Stolz der Einheimischen geblieben. Wer vom Intercityzug in Chur oder in Landquart auf die RhB steigt, betritt eine neue Welt. Die Fahrt führt an klaren Flüssen entlang, durch blühende Sommerwiesen oder zwischen meterhohen Schneemauern hindurch. Und wenn der Schaffner in Deutsch oder Italienisch, mitunter auch in Romanisch um die Fahrkarten bittet, weiß der Besucher: Jetzt bin ich im Paradies angekommen.

Fast elf Millionen Passagiere bringt die Rhätische Bahn – übrigens UNESCO-Welterbe – jährlich an ihr Ziel. Wanderer fahren in den rot gestrichenen Wagen an den Ausgangspunkt ihrer Streifzüge, Kulturinteressierte zu alten Klöstern und Burganlagen oder zu Ikonen der modernen Architektur, Familienausflügler ganz einfach in die Natur oder zu einem der zahlreichen Erlebnisparks. Wer bei Flims auf der kühn in die Rheinschlucht hinaus gebaute Aussichtsplattform steht und in die Tiefe schaut, darf erstens keine Höhenangst haben und sich zweitens bewusst sein, dass Kinder – ob mutig oder nicht spielt keine Rolle – prompt die Frage stellen werden: „Gehen wir morgen da runter?“

Abseits der touristischen Ferienzentren gibt es auch kleine Orte, in denen Traditionen groß geschrieben werden.

Die Antwort sollte gut überlegt sein, denn unten warten das Riverrafting und Nervenkitzel pur. Es gibt durchaus Alternativen: ein Besuch des Weilers, in dem Heidi aufgewachsen ist und in den sie zurückgekehrt ist, als in Frankfurt vor Heimweh krank geworden war. Junge Naturforscher können sich derweil auf der Alp Flix in der Region Bivio/Savognin/Albula darauf vorbereiten, Tierspuren zu gießen, Insekten zu beobachten oder Wasserräder zu bauen. In Lenzerheide ist es der legendäre Globi, der Klein und Groß auf dem einzigen ihm gewidmeten Wanderweg der Schweiz zeigt, was die Jahrringe eines Baumes über dessen Lebenszeit aussagen und welches Fell zu welchem Tier passt.

RhB2-(c)-Rhätische-Bahn

UNESCO-Welterbe: Die Albula-Bernina-Linie ist ein Beispiel dafür, wie harmonisch sich menschliche Eingriffe in die Natur einfügen lassen.

Egal für welche Attraktion man sich entscheidet, in Graubünden ist die Natur ein wichtiger Bestandteil, und überall wird die Natur zum Erlebnis. Idyllische Waldseen laden zum Baden ein, an Bergbächen lassen sich Staumauern bauen, bei kleinen Spaziergängen erzählen moosbedeckte Steine, bizarre Felsformationen und glasklare Teiche von wütenden Berggeistern und zauberhaften Feen. Einem realen Sagenwesen kann man allerdings nur begegnen, wenn man etwas höher hinaufgeht: der Steinbock, das Wappentier des Kantons. Rund 6.500 der behäbigen Tiere leben in den Bündner Bergen, und weil sie die Menschen oft nahe an sich herankommen lassen, gibt es im Nachhinein viel zu erzählen. Nicht ganz so urtümlich, dafür aber umso putziger sind die Eichhörnchen, die einem in Arosa aus der Hand fressen. Und im ersten und größten Schweizer Nationalpark erwacht im Sommer ein Murmeltier, das sogar sprechen kann und Kinder mit Hilfe eines GPS-Gerätes mit anderen Tieren bekannt macht. Ganz ohne pädagogische Erklärungen geht es am Medelserrhein bei Disentis zu. Dort, wo das größte Nugget des Landes gefunden wurde, dürfen sich Jung und Alt auf eigene Faust als Goldwäscher betätigen.

(c)-Gaudenz-Danuser

Weiße Wunderware: Im Winter warten über 40 Top-Skigebiete auf Schneesportler.

7.106 Quadratkilometer ist der Kinderspielplatz Graubünden groß, doch da auch Erwachsene gerne spielen, wartet der Kanton mit 15 Golfplätzen auf, die entweder in wilde Bergtäler oder in liebliche Seen- und Waldlandschaften gelegt wurden. Wer hier seine Golfpartie unterbricht, tut es meist nicht aus Atemnot, sondern weil die Landschaft derart schön ist. „Und wo kann und darf man seine Ruhe haben?“

Kinder träumen von Heidi, Steinböcken und Badespaß, ihre Eltern vom Riverrafting in der Rheinschlucht.

Graubünden-Ferien

Erholung pur: Wer auftanken will, hat mit entspannenden Erholungslandschaften die Qual der Wahl.

In Dörfern mit Namen wie Tenna, Guarda oder Lü. Dort werden Besucher mit einem „Allegra!“ begrüßt. Dort wird man zudem Zeug vom Kampf der Menschen mit der Natur. In der Viamala, zum Beispiel. Im gleichnamigen TV-Film, der in den 1920er Jahren in den Bündner Alpen spielt, schlüpft Mario Adorf in die Haut eines tyrannischen und trinksüchtigen Mannes, der seinen Sohn zum Krüppel schläft, die Frau misshandelt und sich an der ältesten Tochter vergreift – keine schöne Familiengeschichte. „Gedreht wurde die Produktion im Berner Oberland“, erklärt der Führer, doch die Bilder sind genauso eindrucksvoll wie vor Ort. Die hölzernen Stegen und kleinen Brücken, die über einen tosenden Bergbach führen, lösen jedenfalls tiefe Bewunderung für die Leute aus, die diese wilde Natur mit einfachen Mitteln zu bezwingen versucht haben.

Buon appetito!

Capun„Wie habt ihr gegessen?“ ist wohl die meistgestellte Frage nach einem Urlaub – und im Fall von Graubünden ein besonders ergiebiges Thema. Vor allem weil dort drei Kulturen aufeinander treffen. Im deutschsprachigen Teil des Kantons wurde das berühmte Bündnerfleisch erfunden. Die Küche der italienischsprachigen Südtäler ist derweil für eine Speise bekannt, die ebenso ungewöhnlich schmeckt wie sie klingt: die Pizzoccheri, eine Art Nudeln aus Buchweizenmehl. Den Rätoromanen schließlich verdankt man die Capuns, die Stars der bäuerlichen Esskultur. Für die Capuns werden frische Kräuter, Salsiz (Würste) und Mehl zu einem Teig gemischt. Dieser wird in Mangoldblätter gewickelt, in heißem Salzwasser gekocht, mit Käse überstreut und mit warmer Butter übergossen. Mittlerweile sind die Krautwickel so bündnerisch wie der Steinbock. Was u.a. einem ehemaligen Journalisten zu verdanken ist, der in zwei Büchern mehr als 200 Varianten beschrieben hat. In Flims gibt es sogar eine „Capunseria“, in der sich alles um die Capuns und um die Geselligkeit dreht.

www.capunseria.ch

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Mit der Kooperation „klein und fein“ leistet Graubünden Ferien (GRF) einen touristischen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im Berggebiet. Um ihren alpinen Lebensraum zu erhalten, sind die angeschlossenen Ferienorte auf die Berglandwirtschaft und auf einen bescheidenen Fremdenverkehr angewiesen, der die Menschen und ihre Kultur, die Landschaft und einheimische Produkte in den Mittelpunkt stellt. Dank dieses Konzepts lernen Gäste nicht nur preisgekrönte Spezialitäten wie luftgetrocknetes Bündnerfleisch kennen, sondern auch Würste, die Andutgel und Salsiz heißen. Dass klein nicht gleichbedeutend mit langweilig ist, beweisen die originellen Übernachtungsmöglichkeiten abseits der Touristenzentren. Da ist die Alphütte, die zur Herberge umfunktioniert wurde. Ein ganzes Dorf namens Vnà, das zum Hotel wurde. Ein alter Palazzo oder ein ehemaliges Walserhaus. Ferienwohnungen und Strohlager bei Bauernfamilien. Wer dann, kurz vor dem Einschlafen, nochmals ans Fenster tritt, wird einen großartigen Sternenhimmel sehen. Es kommt zugegebenermaßen selten vor, dass sich auf der Weide vor dem Gästehaus Fuchs und Steinbock einander gute Nacht wünschen. Doch es ist durchaus möglich, dass man ein Reh erblickt. Vielleicht auch einen Hirschen. Oder zumindest eine Kuh.

www.graubuenden.ch

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

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Author: Philippe Reuter

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