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Winterwunderland

Mit Glühwein, Reibekuchen und Bratwurst stärken wir uns im Winter. Doch womit versüßen sich unsere Nachbarn die Wartezeit bis Heiligabend? revue hat sich auf Weihnachtsmärkten im nahen Ausland umgeschaut. Aachen, Lüttich und Metz im Vergleich.

Text: Françoise Stoll (francoise.stoll@revue.lu) / Fotos: Andreas Steindl (Aachen), Roland Dumoulin, Isabella Finzi (Editpress), Christian Legay, Marc-Royer (Ville de Metz) / Illustrationen: Martine Decker

aachenFür ihre Weihnachtstradition sind vor allem die Deutschen bekannt. Der Markt in Aachen zählt zu den bekanntesten und schönsten und wurde dieses Jahr erneut auf Platz 3 der besten Weihnachtsmärkte Europas gewählt, gleich nach Zagreb und Straßburg. Kein Zufall, denn die Atmosphäre am Dom und Rathaus ist einzigartig. Die Hütten durchziehen die gesamte Aachener Altstadt, vom Mark, bis zum Katschhof, Holzgraben und Kugelbrunnen. Was in der Kaiserstadt auf keinen Fall fehlen darf, sind natürlich die Printen. Gleich, ob in klassischer Keksform oder flüssig, als Likör. Neben klassischem Glühwein beleben Bratapfel- und Öcher (Aachener) Punsch die Gemüter wieder. Mit vier Euro pro Stiefeltasse (zuzüglich drei Euro Pfand) befinden wir uns allerdings im oberen Preissegment.

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Der Startschuss: Wenn der Printenmann steht, kann’s losgehen.

luettichNur rund 60 Kilometer entfernt, geht der Test weiter. Wir sind im belgischen Lüttich. Unsere Erwartungen sind eher gering, immerhin sind die Deutschen die unbestrittenen Weihnachtsmarktweltmeister. Eine totale Fehleinschätzung, denn das Lütticher Weihnachtsdorf auf der Place du Marché ist das älteste Belgiens und ist noch größer als sein deutscher Konkurrent. Neben lokalen Spezialitäten – einheimischen Bieren wie der „Curtius“ und Kurzen, sogenannten „Pékets“ – wird gastronomisch auf international gesetzt. Vom Schweizer Chalet bis zu irischen, kanadischen und baskischen Gerichten ist alles vertreten. Die Preise sind unschlagbar. Ein Glühwein im Thermo-Wegwerfbecher kostet nur zwei Euro, ein Bierchen drei und ein Glas Sekt drei fünfzig.

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Besonders beeindruckend ist die Unerschrockenheit der Belgier, die selbst bei Minustemperaturen Kaltgetränke hinunterkippen,
ohne dabei mit der Wimper zu zucken. So wird am Wochenende feuchtfröhlich bis Mitternacht durchgemacht. Einziger Minuspunkt? Die Omnipräsenz des belgischen Militärs. Die Patrouillengänge sind reine Sicherheitsvorkehrungen, doch der Anblick der großkalibrigen Waffen lässt einen aus allen Wolken des Winterwunderlands zurück in die Realität fallen.

metzDer dritte und letzte Weihnachtsmarkt unsrer Liste befindet sich in Metz. Auf den acht verschiedenen, thematisch geordneten Märkten befinden sich deutlich weniger Fressbuden als in Aachen oder Lüttich. Der Akzent liegt auf lokalen Produkten („Produit Moselle Passion“) und Kunsthandwerk. Dennoch muss niemand befürchten, die lothringische Metropole mit leerem Magen zu verlassen. Der weiße Glühwein (im Mehrwegbecher für drei Euro, plus ein Euro Pfand) von „Mathilde“ ist hausgemacht. Hervorragend dazu passt eine deftige „poêlée de Noël“, ebenfalls auf Weißweinbasis.

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Der Kontrast zwischen modernem Riesenrad und gotischer Kathedrale auf der Place d‘Armes hinterlässt einen bleibenden Eindruck und nichts ist besinnlicher als der Laternenpfad am Moselufer nach Sonnenuntergang. Mit seiner Eisskulpturenschau auf der Place de la République, den Traditions- wie Gourmetmärkten kann Metz es freilich mit Straßburg aufnehmen. Doch leider zerstört auch hier die polizeiliche Präsenz das Bild einer heilen Welt.

Der Kontrast zwischen modernem Riesenrad und gotischer Kathedrale auf der Place d‘Armes hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Trotz Globalisierung und steigender Kommerzialisierung zeichnen sich die Weihnachtsdörfer in Deutschland, Belgien und Frankreich durch unterschiedliche Schwerpunkte und Spezialitäten aus. Alle drei sind mit jeweils zwei Millionen Besuchern pro Jahr gut besucht. Aachen verfügt zweifellos über die schönste Kulisse, Lüttich über das umfassendste und Metz über das hochwertigste Angebot. Wer das ultimative Weihnachtswochenende erleben möchte, kann einen Abstecher nach Aachen ganz leicht mit Lüttich kombinieren. (Tipp: In Lüttich sind die Hotels günstiger und selten ausgebucht). Und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung in die Niederlande, nach Maastricht und die Weihnachtsstadt Valkenburg.

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Author: Philippe Reuter

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