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Zu simpel gedacht

In Frankreich rumort es seit Monaten wegen des Aufstandes der Gelbwesten. Aktuell versucht der französische Präsident mit der groß angelegten nationalen Debatte, den Unmut zu verstehen, die Wut zu kanalisieren und dadurch die Krise zu entschärfen. Ob dies mit dem „Grand débat“ gelingt, bleibt abzuwarten.

In seiner „Lettre aux Français“, welche Macron im Vorfeld der nationalen Debatte veröffentlichte, stellt er nämlich unter anderem die Frage, ob Frankreich in Sachen Immigration nicht eventuell eine Maximalquote bräuchte. Ohne diese Thematik an dieser Stelle überhaupt grundlegend diskutieren zu wollen, erstaunt es doch, dass ein Staatsmann dem Irrglauben erliegt, man könne ein derart brisantes, vor allem aber komplexes Aufgabenfeld mit der simplen Einführung von Quoten regeln.

Dass Quoten kein Allheilmittel als Antwort auf gesellschaftspolitische Thematiken sind, wurde in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrmals dokumentiert. Die festgelegte Quotenregelung, nach der Flüchtlinge in den verschiedenen EU-Ländern aufgenommen werden sollten, hat gezeigt, dass es äußerst schwierig bis unmöglich ist, Migrationsströme anhand von Quoten regulieren zu wollen, und die Regelung wurde spätestens zu dem Zeitpunkt ad absurdum geführt, als einige Länder sich querstellten.

Quoten sind kein Allheilmittel als Antwort auf gesellschaftspolitische Thematiken.

Und auch die letzten Parlamentswahlen in Luxemburg haben die Effizienz von Quoten stark relativiert. Die Frauenquote auf den Listen – die zwar nicht bindend war, aber an mögliche finanzielle Nachteile gebunden, wenn eine Partei sich nicht daran gehalten hätte – hat am Ende nicht viel gebracht. Das Problem: Trotz mehr kandidierenden Frauen ist der Anteil von gewählten weiblichen Vertretern im Parlament ernüchternd gering. Auch wenn man sich die Frage stellen kann, wieso der Wähler so wenigen Frauen zutraut, die Politik unseres Landes mitzugestalten, ist eines klar: Die Quoten alleine reichen in der Politik nicht aus, um die männliche Überrepräsentation zu brechen. Sie sind ein gut gemeinter Tropfen auf den heißen Stein. Viel mehr auch nicht, und es müssten zig weitere kleine Hebel angesetzt werden, um einen wirklichen Sinneswandel in der Gesellschaft und beim Wähler herbeizuführen.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund – egal, ob in Frankreich oder Luxemburg. Statt über die Idee einer Maximalquote nachzudenken, sollte die Politik analysieren, wieso die Menschen mit Migrationshintergrund in der Regel nach wie vor schlechtere Chancen haben, egal, ob in der Schule oder bei der Chance, einen guten Job zu bekommen. Vor allem, weil nach wie vor Stereotypen dominieren, gegen die sie ankämpfen müssen. Und ihnen damit die Integration in die Gesellschaft erschwert bleibt.

Quoten lassen Menschen zu Zahlen verkommen, alleine deshalb sind sie problematisch und unsinnig. Und auch wenn sie fast jedes Mal mediale Aufmerksamkeit erregen, sind Quoten eher simplistische Ansätze, statt effizienten Lösungen.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Martine Decker

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