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Zurück im Ring

Am kommenden Samstag kommt es auf Belval zur ersten Amateur-Box-Gala des Boxclub Esch. Im Interview erklärt Vereinspräsident Boris Molitor, wie er das Open-Air-Event bei der „Massenoire“ sieht.

Was bedeutet diese erste Gala für den noch relativ jungen Escher Verein?
Ich glaube, die Bedeutung ist für die Stadt Esch noch größer. Man muss wissen, dass es über dreißig Jahre keine Gala mehr gab. Für eine Sportstadt, die in der Vergangenheit irgendwann die Nummer eins hierzulande war – mit den beiden Vorgängervereinen „Boxing Club“ und „Cercle Sportif Olympic“ – ist es schon ein wichtiges Event.

Und für den Club selbst, der erst 2016 gegründet wurde?
Für den Verein ist es natürlich auch von Bedeutung. Es ist unsere erste Gala, die direkt in einer besonderen Kulisse stattfindet. Wir wollten etwas Spezielles machen und aus dem klassischen und fast schon handelsüblichen Modus der Turnhallen ausbrechen. Im Ausland gibt es vermehrt diese Open-Air-Galas, wir fanden diese Idee toll und haben uns auf die Suche nach der passenden Location gemacht.

…und die Wahl fiel auf die Kulisse der Hochöfen.
Ja, auch weil wir hier bei der „Massenoire“ den Vorteil haben, dass es überdeckt ist und wir die Veranstaltung auch bei schlechtem Wetter durchziehen können. Und wenn die Sonne scheint, spendet das Dach ein bisschen Schatten. Ich glaube, die Kulisse für einen tollen Abend ist auf jeden Fall gegeben.

Wurden eventuell noch andere Locations, zum Beispiel im Escher Stadtzentrum, in Betracht gezogen?
Wir haben anfangs auch über den Gemeindeplatz, den Hof der Brillschule oder den „Gaalgebierg“ nachgedacht. Also die Orte, wo man in Esch klassischerweise ein Open-Air-Event durchziehen kann, allerdings schnell wieder ad acta gelegt.

War es eigentlich einfach die nötigen Genehmigungen einzunehmen?
Der „Fonds Belval“ hat sich sehr kooperativ gezeigt und uns unterstützt. Bei der Gemeinde lief es ähnlich reibungslos, wo der „Service des Marchés“ uns unter die Arme griff und auch der „Service des Sports“ hilft uns mit Manpower und Material, wie etwa Tribünen. Ich muss mich als Vereinspräsident eigentlich jetzt schon für diese Hilfe bedanken.

Welche besonderen Herausforderungen bringt ein solches Open-Air-Event mit sich?
Es gibt vor allem logistische Probleme zu lösen: Von der Belichtung über die Beschaffung und den Aufbau eines Ringes – den können wir zum Beispiel nicht einfach so stehen lassen – bis hin zu allen sanitären Anlagen inklusive Duschen, die es bei der „Massenoire“ so direkt nicht gibt. In einer Sporthalle wäre dies sicherlich einfacher, weil dort alle Infrastrukturen – bis auf den Ring und die Belichtung – in der Regel schon vorhanden sind.

Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie am Samstag?
350 Plätze sind vorgesehen. Viel mehr wäre bei der „Massenoire“ auch nicht drin. Richtig cool wäre natürlich, wenn wir „ausverkauft“ wären. Ich glaube auch, dass alleine durch den Standort eine sehr spezielle Stimmung aufkommen wird.

Auf wie viele Kämpfe können sich die Zuschauer freuen?
Es wird zwölf reine Amateur-Duelle geben. Für Profikämpfe muss man direkt – finanziell gesehen – in einer ganz anderen Liga spielen. Zudem muss man mit Promotern arbeiten, es gibt zwar einige hierzulande, welche aber nicht direkt im Umfeld unseres Clubs aktiv sind. Wir fokussieren uns jetzt mal auf diese Amateur-Gala und kucken, ob und wie sich diese entwickelt. Vielleicht können wir in zehn Jahren dann über eine Profi-Gala sprechen.

Wie viele Kämpfe haben die gemeldeten Boxer im Durchschnitt auf dem Konto?
Die ganze Bandbreite ist dabei. Sowohl bei den Luxemburgern, wie auch bei den ausländischen Boxern, geht es von Sportlern mit keiner Kampferfahrung bis zu demjenigen, der schon dreißig Kämpfe bestritten hat, wird alles dabei sein.

Für eine Sportstadt, die in der Vergangenheit irgendwann die Nummer eins in dieser Sportart hierzulande war, ist es schon ein wichtiges Event.

Wie schwierig war es, die richtigen Kämpfer für die zwölf Kämpfe zu finden?
Von unserem Club werden vier Leute boxen, wir benötigen allerdings vierundzwanzig. Im Boxen ist es ganz oft so, dass es noch in der Woche vor dem Kampfabend zu zahlreichen Wechseln in den Ansetzungen kommt. Es können zum Beispiel Blessuren oder Krankheiten dazu führen, dass jemand nicht antreten kann. Um zu vermeiden, dass ein Kampf ausfällt, haben wir Meldelisten und mehr als zwölf Kämpfe programmiert, so dass wir am Ende ganz sicher sind, dass zwölf Kämpfe ausgetragen werden. Mit der Schwierigkeit von möglichen ausfallenden Duellen hat jede Box-Gala zu kämpfen. Hier in Luxemburg gibt es sechs Vereine. Eine Gala mit nur Luxemburgern ist also schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Bei uns werden mit großer Wahrscheinlichkeit französische, belgische und auch deutsche Boxer präsent sein. In jedem Kampf wird aber ein Luxemburger antreten.

Ich glaube auch, dass alleine durch den Standort eine sehr spezielle Stimmung aufkommen wird.

Sind solche Galas auch die beste Möglichkeit, den Boxsport hierzulande zu promoten?
Sicherlich ist es die Möglichkeit schlechthin für den Boxsport, sich kompetitiv darzustellen. Aber wenn ein Michel Erpelding bei den European Games antritt, dann ist das auch Promo. Sein Ziel ist bekanntlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio im nächsten Jahr. Ich wünsche mir, dass er dies schafft, denn das wäre die beste Werbung, die es für den Luxemburger Boxsport geben könnte.

Welche Schlagzeile in Bezug auf die Gala wünschen Sie sich in den Tageszeitungen am Montagmorgen?
„Erste Box-Gala seit dreißig Jahren in Esch: Ein voller Erfolg“. Das wäre meine Lieblingsschlagzeile.

Wie sieht es im Allgemeinen mit dem Boxsport hierzulande aus?
In Sachen Vereine tut sich was. Zum Beispiel wurden das „Team Alpha Boxing“ in der Hauptstadt und der „Boxing Club Differdange“ vor nicht allzu langer Zeit gegründet. Und anscheinend soll auch an der Mosel ein Verein entstehen. Ich hoffe, die Talsohle im Boxen wurde durchschritten und dass mit den neuen Vereinen auch mehr Boxer kommen.

Was kann man tun, um den Boxpsort attraktiver zu machen?
Für mich müsste als Allererstes die „Boxe éducative“ gefördert werden. „Boxe éducative“ ermöglicht einen normalen Kampf mit Treffern, allerdings ohne das harte Schlagen. Zusätzlich kann man über entsprechende Protektoren nachdenken. Im Moment sieht es so aus, dass man bis zum Alter von sechzehn Jahren nicht boxen darf, man allerdings mit acht Jahren Mitglied im Verband werden kann. Es ist natürlich sehr schwer, Kindern zu vermitteln, sie sollen acht Jahre lang trainieren, bevor sie einen Kampf boxen dürfen. In einem Basketballverein wäre es unvorstellbar zu sagen „Du kannst trainieren, aber dein erstes Spiel wirst du erst in acht Jahren bestreiten“. Damit hält man niemanden bei der Stange. Ich habe beim Sportministerium bereits Projekte eingereicht, mit Regelwerken, wie sie in Frankreich und Deutschland im Bereich der „boxe éducative“ bestehen. Wir sind also auf einem guten Weg, ich hoffe nur, dass dies sich nicht ewig hinzieht, sonst sehe ich etwas schwarz für den Luxemburger Boxsport, vor allem in Sachen Nachwuchs.

Fotos: Julien Garroy (Editpress), Pixabay

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

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Author: Philippe Reuter

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